e Bsuech im Fasnachtshuus 2020 – Ein Fasnachtskrimi auf höchstem Niveau

21. Februar 2020 | Von | Bilder: André Auderset | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Ein Krimi, wie ihn Agatha Christie nicht besser hätte schreiben können. Sowohl fasnachtsmusikalisch, gesanglich, gourmet- als auch unterhaltungstechnisch ein Genuss.

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Wer einen Krimi à la Tatort erwartet, der wird enttäuscht. Dieser Krimi ist auf höchstem Niveau und dies nicht nur musikalisch. Die Musik nimmt einen grossen Platz im diesjährigen Fasnachtshuus ein. Nicht nur, was auf Piccolo und Trommel geboten wird, sondern auch der Gesang von Noemi Schaerer (bekannt aus dem Fasnachtsmusical Stäärnestaub) und Stefan Uehlinger ist der absolute Hit. Das Ensemble mit Annika Kurz, Mirjam Meyer, Nicole Kim, Barbara Näf, Katrin Minder, Katrin Beck, Fabian Stalder, Matthieu Meyer, Oli Schürmann tragen die Märsche mit einer absolut sensationellen Dynamik auf die Bühne, welche seinesgleichen sucht. Sei es ein klassischer Ryslaifer, Nunnefirzli, Rossignol oder Tango, es wird derart präzise und musikalisch wunderbar vorgetragen, dass das Essen beinahe in den Hintergrund gerät. Dies sollte aber keinesfalls geschehe, denn sowohl die Vorspeise (Beluga-Puy-Linsensalat mit frittiertem Ei) wie auch das Saltimbocca an Marsala Jus mit Safran Risotto und das Ananas Carpaccio mit Zitronensorbet als Dessert erwecken auch die letzten müden Gaumen zu neuem Leben. Allerspätestens aber, wenn der Krimi-Pfiff zu Ende ist und das Publikum mit frenetischem Applaus das Ensemble verdankt.

Was umrahmt jedoch diese (musikalische) Haute-Cuisine? Pia Inderbitzin, Comité-Obfrau ist plötzlich verschwunden. Man vermutet eine Entführung und setzt Kommissar Meier auf den Fall an. Wer nun ein Programmablauf gemäss Programmheft erwartet, der ist in der Safranzunft am falschen Ort. Kommissar Meier nimmt nicht nur anwesende Gäste in seine Ermittlungen auf (unter anderem auch ein gewisser André, welcher im Grossen Rat das A-Wort zu einem E.W. gesagt hat), sondern unterbricht die ein oder andere Nummer einfach. Auch die Lieder von Philipp Wingeier werden auf s Korn genommen. Diese handeln unter anderem von der Fasnachtsbolizey, welche Reverskontrollen macht. Bei den weiteren zwei Liedern wird sein Gesang durch den von Hildi Böhler (mit vier ö) und Kommissar Meier ergänzt und über Fasnacht versus Skifahren oder «Es isch glyych, was me sait. Hauptsach isch, dass me s verstoot.» gesungen. Beim letzten Lied über die rauhen Seiten wird die Stimmung sehr melancholisch und der ein oder andere im Publikum verdrückte sicherlich eine Träne.

Zwischen den Liedern ist das Intermezzo von Kommissar Meier gespickt mit pointen wie «eBikes sind Teslas für Arme» oder die Erklärung, was ein kleiner Bauernhof ist (ein Polizeiauto zum Abtransport von Gefangenen). Für weitere Pointen sorgen die Dreydaagsfliege mit Versen zu Ignazio Cassis, der Kirche und blonden englischen Männern und Rollaator Röösli, welche über die Museumskunst, Kirk Douglas und Altersheimgegebenheiten berichtet. Beide Schnitzelbängge haben ihr Lauf-, bzw. Rollziel erreicht.

Für eine Überraschung sorgt dann vor dem Dessert noch ein Auftritt einer Formation, welches einen Clown als Stammkostüm und ihren Sitz eigentlich im Kleinbasel haben: die Negro-Rhygass. Es wird ziemlich laut (Gehörschutz liegt auf) und auch ziemlich kuschelig, wenn etwa 80 Mann das Restaurant betreten. Nichts desto trotz ein grandioser Auftritt.

Produzent Patrick Stalder mit Regisseurin Lara Schenk und Texter Stefan Uehlinger ist es gelungen, eine Vorfasnachtsveranstaltung auf die Beine zu stellen, welche sich von den letzten Jahren unterscheidet und abgerundet im Geschmack ist. Der Verein Fasnachtshuus hat mit Roman Huber, Linda Atz und Michel Mesmer eine neue Dimension erreicht, welche erstaunt und sowohl von der Idee bis zur Umsetzung als brillant bezeichnet werden kann.

Die Vorstellungen finden am 20./21./22./24./25. Februar 2020 um jeweils 19.30 Uhr in der Safran-Zunft statt. Im Ticketpreis von CHF 109.- sind ein Apérogetränk, ein 3-Gang-Menü und das Showprogramm enthalten. Tickets könnten unter www.eventfrog.ch/ebif2020 bezogen werden, wenn nicht schon alle Vorstellungen ausverkauft wären.