Fasnacht 2020 nur mit Öko-Räppli

1. April 2019 | Von | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

An der nächsten Fasnacht dürfen nur Räppli geworfen werden, die kompostier- oder essbar sind. Diesen Beschluss wird das Fasnachts-Comité nächstens bekanntgeben, wie fasnacht.ch bereits jetzt erfuhr. Nebst den ökologischen Aspekten liegen die Vorteile vor allem in der leichteren Beseitigung der Räppli nach der Fasnacht, insbesondere wenn die „scheenschte drey Dääg“ sehr regnerisch sind.

Auf die Idee gebracht wurde das Fasnachts-Comité von der bekannten Pfeifer-Instruktorin Inka Armenfluss. Ihr fiel gerade an der vergangenen und ziemlich regnerischen Fasnacht 2019 auf, wie schwer sich die Reinigungskräfte taten, die nassen und mit Strassendreck verklebten Räppli von den Strassen und Plätzen zu bekommen. Sie googelte nach der Fasnacht und fand heraus, dass die im niedersächsischen Fetzendorf beheimatete Fetti AG Räppli aus Meeresalgen und Reismehl herstellt, die perfekt kompostierbar und in einer etwas teureren Herstellart sogar essbar sind.

Fasnachts-Comité und Basler Verwaltung reagierten nach ersten Tests euphorisch auf diese Idee und vereinbarten spontan, die abbau- und essbaren Räppli bereits ab 2020 obligatorisch zu erklären. „Auch die Fasnacht muss etwas für die Ökologie und gegen den Klimawandel tun“, erklärte Obfrau Pia Inderbitzin. Und Emanuel Trueb, Leiter der Basler Stadtreinigung und selbst Fasnächtler, sieht enorme Vorteile: „Diese Räppli müssen nicht mit Baggern und Schaufeln zusammengenommen und dann verbrannt werden. Wir kippen sie einfach in die Rabatten und Pärke, wo sie verrottet als Dünger dienen.“

Die enorme Nachfrage aus Basel zu befriedigen, ist für den deutschen Hersteller kein Problem, erklärte Firmenbesitzer Konrad Fetti: „Bei der essbaren Variante können diverse Geschmacksrichtungen angeboten werden. So könnten die Aktiven auch selbst eine Ration Minze-Räppli essen und damit die fasnächtliche Fahne überdecken.“ Es gebe sogar goldene Zuckerkonfetti mit Metallic Effekt – diese würden etwa von Frank Ribéry gerne genommen. Im übrigen seien die Räppli vegan und sowohl gluten- wie laktosefrei und sehr kalorienarm.

Unterschiedlich fallen die Reaktionen der Fasnächtler selbst aus, welche fasnacht.ch in einer kurzfristigen Umfrage konsultierte. Pferdeschützer Oliver Bieli verlangt, dass die neuen Räppli erst auf Verträglichkeit für Rossmagen getestet werden. Um die Gesundheit der Fische Sorgen macht sich eine Vertreterin der Rhyschnooge, wenn die neuen Räppli in den Rhein gelangen. Walburga Weissnit-Wäribi von der LGBT-Bewegung fordert, dass solche Räppli auch in Regenbogenfarbe angeboten werden müssen.

Kritik kommt aus der ökologischen Ecke selbst: Max H. Unger von HAM (Hungern aus Mitleid) beklagt, dass nach Mais für Verpackungen und Kartoffeln für kompostierbare Säcklein nun erneut Lebensmittel zur Bespassung verwendet werden – und vor allem: „das Werfen von Lebensmitteln ist Food-Waste, auch wenn diese als Räppli getarnt sind.“ Nicht verwendete Räppli sollten auf alle Fälle an die Schweizertafel oder ähnliche Organisationen abgegeben werden.

Auch bei den künftigen Hauptabnehmern der Öko-Räppli, den Wägelern, herrscht zur Zeit noch wenig Begeisterung. Valentin „Wulle“ Käppeli von den Cortège-Gnorzern hat dazu eine dezidierte Meinung: „An der Fasnacht sollte man lieber etwas für den akkustischen Umweltschutz tun und die Tinnitus-fördernden Piccolos durch Blockflöten ersetzen.“