Schluss-Oobe der Comité-Schnitzelbängg: D Stroosewischer räumen ab!

17. März 2019 | Von | Bilder: Casper Thiriet und Titelbild: Pat Schnidrig | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Der Schluss-Oobe der Comité-Schnitzelbängg bot ein dreistündiges Feuerwerk an Schnitzelbangg-Kunst vom Feinsten! Mit einem Höhepunkt nach der Pause: Die Stroosewischer als Hippie-Singer!

Zu Beginn des Berichtes die beiden obligaten und jährlich wiederkehrenden Hinweise: Man kann alle Bängg in Bild, Ton und Text auf der Website des Schnitzelbangg-Comités abrufen (www.schnitzelbankbasel.ch). Und es ist wie jedes Jahr: Das hier Niedergeschriebene ist die persönliche Meinung des Autors.

Der dreistündige Abend im innert Stunden ausverkauften Schauspielhaus (und im Theater Basel notabene) begann mit dem Vortrag der Kult-Gugge Jeisi-Migger, die das Publikum im Schauspielhaus aufwärmte mit ihrem fantastischen Sound. Die älteste Gugge Basels gehört noch immer zur Crème de la crème der Basler Fasnachtsblas-Kapellen.

Dann kommt – das fasnächtliche Murmeltier grüsst – Dieter Moor und lässt das Jahr in fein gedrechselten Versen Revü passieren und gibt so einen Überblick auf die Sujets der Schnitzelbängg.

Und dann geht’s los: Es beginnen die Penetrante, die mit einem Monster-Vers über Lebensmittelintoleranzen ein erste Bestzeit setzen. Ihr Vers über die missbrauchenden katholischen Kaderangestellte gehört zu den besten zu diesem Thema. Die Wortkünstlerin Wanderratte liefert auch in diesem Jahr ein solches ab: Statt Negro Rhygass soll sich die gescholtene Gugge künftig Nager Rhygass nennen. Die beiden darauffolgenden Bängg Dräggspatz und Schnabelwetzer bieten eine schöne Runde guter Schnitzelbängg. Dann der Spitzbueb, der sofort mit einem aktuellen Vers über die stürzenden Pferde am Cortège einfährt. Dann bringt er in seiner gewohnt knappen und kurzen Art eine Hammer-Pointe über die Punkte, die der FCB mit den Stirn-Punkten von den Indern einfahren wird.

01_Comité Signet

02_Begrüssung

04_Jeisi-Migger

05_Penetrante

07_Wanderratte

09_Dräggspatze

11_Schnaabelwetzer

13_Spitzbueb

14_Spitzbueb

15_Leere Lämpe

17_Schwingbääse

18_Schlyffstai

21_Schwoobekäfer

22_Anggewegglimaitli

24_Anggeweggemaitli

25_Doggter FMH

26_Doggter FMH

27_Die Reservierte

29_Gipfelstürmer

31_Stroosewischer

33_Stroosewischer

34_Stroosewischer

37_Fäärimaa

36_Fäärimaa

40_Schooffsuuri

41_Schyynhailig

47_Gasladärne

49_Singvogel

51_Hansli Bargäld

50_Hansli Bargäld

53_HB Gesicht 1

53_HB Gesicht 2

53_HB Gesicht 3

54_Stächpalme

55_Dreydaagsfliege

57_Dreydaagsfliege

61_Schunggebegräbnis

64_Heiri

Wettsteinmarsch

Deckblatt

D Dootebainli – so sagt man uns – würden pausieren. Dafür tritt der Leerer Lämpe auf die Bühne und wenn man den Versen zuhört, könnte man annehmen, dass der neue Bangg ein ehemaliges «Dootebainli» ist. Es wird auch dieselbe Harfe eingesetzt. Der Start ist gelungen, auch wenn der aktuelle Schlussvers noch nicht textsicher angekommen ist. Über die Pointe, dass sich ein Kleinkind beim Anblick des Grossen Rates lieber die Finger in eine Steckdose hält, lässt sich streiten. Aber nicht mehr mit uns…

Auch der Schwingbääse ist neu und lieferte eine ansprechende Anfangsleistung ab. Dann der erste Abräumer des Abends: D Schlyffstai mit ihrem musikalisch hochansprechenden Vortrag. Es braucht – im Gegensatz zu einem klassischen Schnitzelbangg – den ganzen Vers durch volle Konzentration. Und die Verse sind sehr lang. Das macht sich dann gegen Schluss bemerkbar. Aber: Die gesamte Nummer ist grossartig! In dieser Beziehung ist der nachfolgende Schwoobekäfer eine traumhafte Erholung. Seine Verse sind kurz, seine Aussprache ist unmissverständlich und die Pointen sitzen. Wie jedes Jahr begeistert das Anggewegglimaitli mit ihrem Vortrag, ihrer Spielfreude und dem Lied, welches das Publikum begeistert. Wahre Begeisterungsstürme erzeugt Dr. FMH mit seiner Gundula und fantastischen, unerwarteten Pointen: so ist die Pointe über die Negro Rhygass mit der Schuppenbehandlung durch ein Schwarzkopf-Shampoo absolut führend in dieser Thematik! Ebenso wie die Einführung von Kirschstängeli auf dem baselbieter Bruderholzspital anstelle von Fieberzäpfchen – sehr lustig!

Als Abschluss des ersten Teils kommen die beiden Spitzenpfyffer «Die Reservierte» auf die Bühne und spielen einen fantastischen Hanswurst.

Der zweite Teil wird eröffnet durch die Trommelgruppe Gipfelstürmer, die mit dem Trommelmarsch OLAF kurz alle Lebensgeister wieder weckt. Und dann für den grossen Teil des Publikums und sicher für mich einer der Höhepunkte des Abends: D Stroosewischer ehren die Flower Power-Woodstock-Zeit indem sie als Hippies auftreten und zuerst ein Lied singen über die Zeit damals. Perfekt und ohne Hänger gesungen. Ein Hit in allen Belangen. Dann folgen ein paar «normale» Verse der Stroosewischer und zuletzt führen sie noch eine Yoga-Stunde mit dem Publikum durch. Im Abgangsvers stellen die beiden fest, dass alle ehemaligen Flowerpower-Menschen heute wohl ungefähr 70 sein müssen und alle im Saal sitzen! Mit dieser Pointe verabschiedet sich dieser aussergewöhnliche Bank.

Der Fährimaa bietet auch in diesem Jahr sehr gute und träfe Pointen. Sein Masterpiece in diesem Jahr: Ein stummer Vierzeiler, der nur darin besteht, dass vier Helgen gezeigt werden. Tolle Idee.  D Schooffsuuri bieten das klassische Bänggler-Muster mit etwas harmloseren aber nicht unlustigen Versen. Dann dr Schyynhailig: Einzelmasgge, ohne Musik, Zweizeiler mit zum teil stinkfrechen Pointen. Dieser Bangg ist ein Genuss. Der Auftritt der gesangsstarken Gasladäärne findet in diesem Jahr mit voller Besetzung und revidiertem Örgeli statt. Guter und starker Auftritt. Der Singvogel brilliert mit einem Remake-Vers aus 2004 und einem dazu passenden Folgevers. Dann folgt die musikalische Show von dem durch Johnny Cash beeinflussten Bangg Hansli Bargeld. Diese Combo ist immer wieder ein Augen- und Ohrenschmaus: Grossartige Goschdym (mit den besten Schuhen des Abends), tolle Melodie, lustige Verse und eine durchaus bewegliche Helgenträgerin machen diesen Vortrag zum Vergnügen.

Die Schlussrunde wird durch d Stächpalme eingeläutet, die mit ihrem besten Vers aufhört und sich so einen guten Abgangsapplaus einzieht. D Dreydaagesfliege gehört zu unseren Favoriten. Eine tolle Melodie, ein grossartiges Goschdym, kreative Helgen und sehr fein getunte und auch scharfe Verse (seine Beichte betreffend Pornokonsum – brilliant!). Dann singt das Schunggebegrääbnis mit der vielleicht schönsten Melodie und einer vollkommenen Harmonie ihre Verse und überlässt den Schluss dem rappenden Bauer Heiri, der zu Beginn erklärt, dass sein Kalb nicht auf dem Bühnenboden ausrutschen kann. Auch er: Ein Garant für einen tollen Applaus, das Publikum liebt den «Baselbieter», der sich mit einer Show und guten Versen zum Schluss selber lobt: «Dr Heiri – e geile Siech». Recht hat er.

Mit der Formation aus der Drummelinummer der Wettstein-Clique, die den Wettsteinmarsch quasi als Abschlusshymne bläst, wird der tolle Abend beendet.

Als Fazit: Immer wieder ein grossartiger Abend mit vielen Überraschungen. Es beginnen sich Trends bei den Schnitzelbänggen abzuzeichnen. Nebst den klassischen Formationen mit Gesang, Helgen und einem Instrument, kommen immer mehr musikalische und theatralische „Showacts“ auf die Bühne. Es wird spannend sein, wie sich das entwickelt.

Dem Schnitzelbangg-Comité ist zu danken für die immense Arbeit mit der Organisation dieser Abende. Der grösste Dank aber gebührt den aktiven Bänggler, die ihre Kunst im pflegen und den Stress der Fasnacht auf sich nehmen. Bis zum nächsten Jahr.