Källerstraich: Schreegi Veegel und zwei Uraufführungen

23. Februar 2019 | Von | Bilder: André Auderset | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Ein unterhaltsames Programm erwartet die Zuschauer am diesjährigen Källerstraich, wobei einiges im gefiederten Kleid daherkommt. Speziell gefallen haben der Singvogel im Doppel und zwei Uraufführungen. Bei der einen ist aussergewöhnlich – und ausgesprochen gelungen –, dass eine Marionette mit einem menschlichen Tambour um die Wette trommelt.

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Der Källerstraich ist eine sehr spezielle Vorfasnachtsveranstaltung, wird sie doch neben lebendigen Personen von Marionetten bestritten. Diese gefallen als „Antikerper“ in feinen Rahmenstücken und auch als Schnitzelbank. Das Thema Political Correctness (PC) wird auch hier „abgefeiert“, aber mit einer PC-Siri, die dauernd korrigierend eingreift wesentlich origineller als anderswo. Neu am diesjährigen Källerstraich: Die Antikerper singen auch in den Rahmenstücken.

Aber auch lebendige Schnitzelbänke treten im Marionettentheater am Münsterplatz auf. An der Premiere sind dies die drei BSG-Formationen „D Rätschbääse“ (mit einer tollen Hommage an Aeschbi und generell das Alter),  die „Unerheerte“ (sehr origineller Babygate-Vers) und der „Giftspritzi“, die auf der Bühne noch einen Lach-Flash zu meistern hat, vor allem, als er bei seinem herrlichen Ackermann-Vers die Regierungspräsidentin in der ersten Reihe leibhaftig erblickt. Dazu „PereFyss“ (schön bissiger Messe-Vers), und wie gewohnt lakonisch kommt  der „Doggter FMH“ (aaaaaahjä – Sii!) daher.

All dies wird aber vom Singvogel geschlagen. Der erscheint erst nur als Puppe, aber mit Originalstimme. Dann kommt das menschliche Original auf die Bühne und singt abwechslungsweise mit „seiner“ Puppe die Verse. DER Höhepunkt des diesjährigen Kellerstraichs!

Für die fasnächtliche Musik sind die „Ego-Säu“ zusammen mit dem Tambour Andreas Borer zuständig. Letzterer unter anderem mit der Eigenkomposition „il comissario“ als Uraufführung – eben das trommlerische Duett mit einer Marionette. Ebenfalls eine Uraufführung ist die „Käller-Safari“ – beschrieben als „Charivari mit Finken“ und aus südafrikanischen Melodien – teilweise bekannt von Bert Kaempfert – von Cornelius Buser arrangiert. Mit den Finken sind für einmal keine schrägen Vögel gemeint, sondern die animalischen Fussbekleidungen, die für spezielle Lacher sorgen.

Gefiedertes spielt dafür auch sonst eine grosse Rolle. So, wenn die „Ego-Säu“ mit Vogelmasken einen wunderschönen «Lumbbi» pfeifen, während hinten aus der Voliere allerlei komische Vögel bis hin zum Doppeladler entfleuchen. Es handelt sich beim Marsch um den „Lumpensammler“, den man schon am Charivari gehört hat – dort von einer wesentlich grösseren Gruppe, aber mit einer Stimme weniger. Oder im Rahmenstück „Mer fliege“, wo die Antikerper zur Inspiration nach Köln an den Karneval wollen, aber unerwartet – Alaaf! – wieder in Basel landen.

Erwähnt werden – und zwar positiv – darf, dass es auch beim Källerstraich Balkonszenen gibt, und zwar mehrere kurze mit wirklich guten Texten. Und dass die verträumt-romantische Seite gegen Schluss noch von den „Hitpirate“ bedient wird, unter anderem mit einem herzergreifenden „Hallelujah“ von Leonard Cohen.

Die gute Nachricht: Ein wunderschöner Abend, der die Zeit im Flug vergehen lässt. Die schlechte Nachricht: Billette gibt es erst wieder für 2020.