Kopfladäärnli 2019; e zart Fasnachtslämbbli unter em Kirchedach

22. Februar 2019 | Von | Bilder: Ivo Birrer | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Die zweite Neuproduktion im Jahr 2019 in der Basler Vorfasnacht ist das Kopfladäärnli von Renato Salvi. Am 21. Februar feierte sie in der offenen Kirche Elisabethen Première und sie ist gelungen.

Kopfladäärnli 2019

Prolog mit Bernadette Strittmatter und Renato Salvi

Kopfladäärnli 2019

Fasnachtsmusik auf der Orgel gespielt von Susanne Böke

Kopfladäärnli 2019

Renato Salvi begleitet mit seinen gelungen Moderationen durch den Abend. Im Hintergrund wartet der Hampe vo Kleihünige auf seinen Auftritt.

Kopfladäärnli 2019

Hampe vo Kleihünige

Kopfladäärnli 2019

Bernadette Strittmatter und Renato Salvi

Kopfladäärnli 2019

20 Joor Schuumschleeger

Kopfladäärnli 2019

Michael Hug

Kopfladäärnli 2019

s’KällerDiirli

Kopfladäärnli 2019

Hochwertige Pfeiferkunst zum Besten gegeben von den Piccobelli

Kopfladäärnli 2019

Riesen Palaver im Tram! Zuweilen ergeben sich witzige Überschneidungen der Gespräche. (v.l.n.r: Michael Hug, Sämi Moor, Renato Salvi und Bernadette Strittmatter)

Kopfladäärnli 2019

Blageeri

Kopfladäärnli 2019

Ein Gänsehautmoment ist sicherlich das Lied „mis Dach isch dr Himmel vo Basel“ – frei nach Zarli Cariget gesungen von Vital Jauslin, begleitet von Sämi Moor, Piccobelli, Renato Salvi (von links) und Susanne Böke am Klavier (nicht im Bild)

Kopfladäärnli 2019

Renato Salvi

Kopfladäärnli 2019

Schwoobekäfer

Kopfladäärnli 2019

Der gesunde Meschenverstand wird in einer brilliaten Grabrede verabschiedet. (Renato Salvi)

Kopfladäärnli 2019

Kopfladäärnli 2019

Echo vom Säntis

Kopfladäärnli 2019

Bajass & Omega

Kopfladäärnli 2019

Bernadette Strittmatter, Renato Salvi und Sämi Moor (von links)

Kopfladäärnli 2019

Piccobelli

Kopfladäärnli 2019

Epilog mit Sämi Moor, Bernadette Strittmatter, Renato Salvi und Michael Hug (von links)

Eine Vorfasnachtsveranstaltung in einem Gotteshaus, fragte man sich im Vorfeld des Kopfladäärnli und dies fragte auch gleich Renato Salvi, als er sich erstmals an diesem Premièrenabend ans Publikum wendete. In einem Gotteshaus? Ja, das kann funktionieren. Mit grossem Geschick haben die Verantwortlichen die offene Kirche Elisabethen in ein Theater verwandelt, wo Stehleuchten die Stuhlreihen säumen, übergrosse schwarze Wände für einen bewussten Abschluss besorgt sind, eine grosse Leinwand für den visuellen Hintergrund verantwortlich ist und das indirekte Licht im Hintergrund für ein faszinierendes Ambiente sorgt. Die Rahmenbedingungen sind also geschaffen nun gilt es noch mehr Farbe in die Halle zu bringen und auch das ist gelungen. Einzig die Toilettenfrage wurde nicht abschliessend geklärt…

Gleich sieben Schnitzelbängge hat Renato Salvi ins Programm mit eingebettet.  Den Anfang macht Dr Hampe vo Kleihünige (Wild), der vor allem mit seinen Versen rund um sein Liebesleben punkten kann. Danach Schuumschleeger (Bängg fir Basel). Seit 20 Jahren als Bänggler mit dabei und zum Glück auch am Kopfladäärnli, hing ihre Teilnahme doch am seidenen Faden. Ein wie immer sehr amüsanter Vortrag. Bravo! Ein Versprechen für die Zukunft S Källerdiirli, welcher erst im dritten Jahr seine Verse singt und eigens einen Helgenträger aus Indien importiert hat. Dr Blageeri (VSG) singt seine Bängg aus dem Drämmli und sorgt ebenfalls für Lacher. Ganz speziell s Echo vom Säntis (Wild), der seine Zweizeiler in breitesten Ostschweizer Dialekt vorträgt und für Begeisterung sorgt. Dr Schwoobekäfer (Comité-Bangg), ein alter Hase im Bängglergeschäft, überzeugt ebenfalls in seiner sehr ausgeprägten Art seine Verse zu zelebrieren. Den Abschluss machen die beiden Pfadfinder Bajass und Omega (VSG) die schon über 15 Jahre zusammen auf der Bängglerroute  sind und gefühlt auch so lange ihren Vers über „Sommerau“ bringen. Praktisch alle Formationen haben einen Bangg über Baschi Dürr und dessen neu angeschafften Tesla-Einsatzfahrzeuge gebracht, was etwas schade ist, das hätte man vorher absprechen können. Aber eben diesem Baschi Dürr, der als Premièrengast ebenfalls zugegen war, wurden beim Pausenzigarettchen diese Verse nochmals um die Ohren gehauen.

Im Wechselspiel mit den Bänggler präsentierten sich das Ensemble, Bernadette Strittmatter, Sämi Moor, Michael Hug und Renato Salvi in verschiedensten Szenerien. „Mit 50 kheersch zem alte Yyse“ wo sich Eheleute mit der fatalen Situation auseinandersetzen müssen, dass 50 Jährige in der heutigen Arbeitswelt aufs Abstellgleis verfrachtet werden. Ein Wortgefecht mit bitterbösem Ausgang. Michael Hug als bekennender Atheist führt ein Gespräch mit Gott oder noch besser mit der Göttin! Passend in diesem Gemäuer und die Erkenntnis daraus, jeder glaubt an irgend  etwas, wenn es auch nur an die Fasnacht ist. In einer Basler Spelunke, treffen ein allergischer Veganer und ein Proletarier mit übergrossem Humorempfinden aufeinander. Eine Begegnung mit Eskalationspotential. Im Tram und gleich 4 Personen, die gleichzeitig ein Gespräch am Handy führen, führt zu ungeahnten Wortspielerein. Und schliesslich finden sich noch zwei ehemalige Fasnächtler am Strassenrand beim Cortège, welche der aktiven Fasnacht den Rücken gekehrt haben und natürlich trotzdem nicht loslassen können. Alle Rahmenstücke wurden bravurös vom tollen Ensemble gespielt.

Als einer der Höhepunkte darf die Abdankungsrede von Renato Salvi, anlässlich der Beerdigung des Gesunden Menschenverstandes, bezeichnet werden. Mehr als treffend wird hierbei darauf hingewiesen, wie der Respekt und der Anstand in unserer heutigen Gesellschaft den Bach runter geht. Ein weiteres Glanzlicht ist der Auftritt von Vital Jauslin. Als Obdachloser Basler singt er: „mys Dach isch dr Himmel vo Basel“ (frei von Zarli Cariget). Es ist eine Liebeserklärung an unsere Stadt, welche unter die Haut geht. Einfach Zauberhaft! Musikalisch begleitet wird er von einem kleinen Orchester, bestehend aus Susanne Böke (Piano), Sämi Moor (Mandoline), Renato Salvi (Ziehharmonika) und dem Basler Piccolo- und Flötenquartett Piccobelli. Wenn wir schon bei den Höhepunkten sind dürfen wir berechtigter Weise das Basler Piccolo- und Flötenquartett Piccobelli nennen. Sie glänzen mit einem Thema aus „Tells Overtüre“ und einem Zierstimmen überquellenden „Läggerli“. Spitzenmässig, schon beinahe in Museumskonzärtli Qualität! Auch die etwas scheue aber grossartige Organistin Susanne Böke, sorgt mit ihrer Interpretation von bekannten Fasnachtsmärschen an der grossen Kirchenorgel für mehrere Gänsehautmomente. Ihr Spiel wird Live von der hohen Kanzel auf die Leinwand projiziert. Wunderbar!

Beim Epilog zeigt sich das Ensemble in Kostüm mit Larve und Kopfladäärnli, ein Outfit, welches im Verlaufe des Programmes etwas mehr hätte mit eingeflechtet werden können, wurden doch alle Rahmenstücke in ziviler Kluft dargeboten, die Piccoloformation hatte auch keine Fasnachtsbekleidung an und auch die Organistin war in ihrer schwarzen Rüschenbluse etwas gar düster bekleidet. Das eine oder andere Fasnachtskostüm hätte das erste Kopfladäärnli noch etwas farbiger gemacht. Eigentlich genau so wie Renato Salvi vor der Première an der Kirchenpforte alle 398 Gäste mittels Handschlag begrüsste, in einem bunten Räpplianzug!

s Kopfladäärnli 2019 in der offenen Kirche Elisabethen

Das Experiment in einem Gotteshaus eine Vorfasnachtsveranstaltung durchzuführen ist vollends aufgegangen. Das Integrieren von Schnitzelbängge, welche zum Teil noch nicht so bekannt sind, zeigt sich als Glücksgriff. Ein wunderbares Quartett zaubert filigrane Flötentöne unter die Kanzel, eine Organistin sorgt für Hühnerhaut, ein Sänger ist für die Aktivierung des Tränenkanals verantwortlich und ein exzellentes  Ensemble hält mit viel Talent, Komik und Satire den Besuchern den bekannt/berüchtigten Spiegel vors Gesicht.

Daten:
Donnerstag, 21. Febr. 2019 19.30 Uhr
Freitag, 22. Febr. 2019 19.30 Uhr
Sonntag, 24. Febr. 2019 17.00 Uhr
Mo – Sa. 25.02 – 02.03.2019 jeweils 19.30 Uhr
Sonntag, 03. März 2019 17.00 Uhr
Tickets
Normalpreis CHF 58.–  Première/Dernière  CHF 75.—
AHV/IV         CHF 48.–  Première/Dernière  CHF 65.—
Studenten bis 25 J. CHF 38.– Première/Dernière CHF 55.—
Jugendliche bis 16 J CHF 28.– Première/Dernière CHF 45.—
Hauptsaal

Sie sitzen auf bequemen, gepolsterten Stühlen Kirchenbänke. Es stehen auch Kirchenbänke als  Sitzgelegenheiten zur Verfügung. Diese Plätze erhalten Sie jeweils CHF 8.– günstiger und wir stellen Ihnen ein Sitzkissen zur Verfügung!

Telefonische Bestellung sind bei STARTICKET auch möglich. So geht’s:
– Montag – Samstag jeweils von 8 Uhr bis 22 Uhr
– 0900 325 325 für CHF 1.19 pro Minute
– Gebühr: die Warteschlaufe wird NICHT berechnet!