s Läggerli 2019; e Stuubete wo Frayd macht

9. Februar 2019 | Von | Bilder: Beat Schwald | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Mit „em ALMI sym Läggerli“ hat die Basler Vorfasnachtsfamilie ein weiters Kind mit dazu bekommen. Nun ging die Premièrenvorstellung über die Bühne und das Publikum feiert sie mit stehenden Ovationen.

20190205 Laeggerli (001 von 33)

20190205 Laeggerli (002 von 33)

20190205 Laeggerli (003 von 33)

20190205 Laeggerli (004 von 33)

20190205 Laeggerli (005 von 33)

20190205 Laeggerli (006 von 33)

20190205 Laeggerli (007 von 33)

20190205 Laeggerli (008 von 33)

20190205 Laeggerli (009 von 33)

20190205 Laeggerli (010 von 33)

20190205 Laeggerli (011 von 33)

20190205 Laeggerli (012 von 33)

20190205 Laeggerli (013 von 33)

20190205 Laeggerli (014 von 33)

20190205 Laeggerli (015 von 33)

20190205 Laeggerli (016 von 33)

20190205 Laeggerli (017 von 33)

20190205 Laeggerli (018 von 33)

20190205 Laeggerli (019 von 33)

20190205 Laeggerli (020 von 33)

20190205 Laeggerli (021 von 33)

20190205 Laeggerli (022 von 33)

20190205 Laeggerli (023 von 33)

20190205 Laeggerli (024 von 33)

20190205 Laeggerli (025 von 33)

20190205 Laeggerli (026 von 33)

20190205 Laeggerli (027 von 33)

20190205 Laeggerli (028 von 33)

20190205 Laeggerli (029 von 33)

20190205 Laeggerli (030 von 33)

20190205 Laeggerli (031 von 33)

20190205 Laeggerli (032 von 33)

20190205 Laeggerli (033 von 33)

Gespannt war man auf diese neue Produktion, gespannt was das Team rund um Patrick Almi Allmandinger im Jahr 1 nach dem erfolgreichen Fasnachtskiechli auf die Scala-Bühne bringen wird. Das Premièrenpublikum musste sich jedoch gedulden, weil wie in den privaten Fernsehsendern zuerst endlos erscheinende Werbungen geschaltet worden sind. Endlich erfolgte der Startschuss und die drei Hauptdarsteller, Priska Caccivo, Rolf Boss und Patrick Allmandinger, schritten mit Stäggeladärnle, Trommel und Piccolo, treffender Weise mit dem Läggerli, durchs Publikum auf die Bühne.

Die Begrüssung erfolgte ebenfalls musikalisch mit dem aus der Feder von Aernschd Born stammenden „Läggerli-Liedli“. Musikalisch wurden sie dabei von Wolfgang von Dechend und Reto Schäublin am Piano und Saxophon begleitet. Die beiden Musiker werden virtuos durch das ganze Programm führen.

Nun geht er auf der Theatervorhang und die Gäste finden sich in einem Haushalt, bestehend aus der Familie Keller mit der aktiven Pfeiferin Margrit (Gritli), dem Ehemann Alfred (Fredy) und dessen betagten Vater und ehemaligen Tambourmajor Ueli, wieder. Gritli will unbedingt erstmals vor dem Morgestraich eine Stuubete in ihrer Wohnung organisieren, weil das andere ja auch so machen. Alsdann gilt es diesen Anlass zu planen. Es gibt jedoch einiges zu bedenken. Stühle müssen herbeigeschafft, die Dekoration aufgehängt und die Verpflegung bestellt werden, allenfalls einen Schnitzelbangg organisiert und eine Überraschung vorbereitet werden. Obwohl sich Fredy gegen diese Idee sträubt, setzt sich Gritli einstimmig durch.

Die Erdnussalergie eines Cliquenkollegen, der übermässige Konsum von Weisswein eines anderen und die strickte Ablehnung von Fasnachtskiechli, weil diese Fredy noch immer auf dem Magen liegen, macht die Organisation nicht leichter. Zudem werden sie immer wieder unterbrochen, sei es durch den penetranten Nachbarn, welcher jede ihrer Schritte minutiös aufzeichnet, der Tochter, die sich bei ihrem Sprachaufenthalt in Hollywood bei einem Filmstar als Putzfrau immer wieder via Skype meldet oder dem italienischen Hauslieferanten, welcher gleich schachtelweise Nüssli beibringt. Schlussendlich kommt die Stuubete zu Stande und Familie Keller und die Cliquenkollegen/Innen feiern bis zum Morgestraich.

Soweit die eigentlich einfache Geschichte des Läggerli 2019. Aus diesem Schwank heraus entwickeln sich jedoch immer wieder eigenständige Szenen, Lieder werden gesungen, Traumsequenzen eingefügt und musiziert. Schön anzuhören das Pfeiferduett, welches jedoch etwas gar zart daherkam und nicht immer ganz stimmig war, was ich jedoch der Premièrennervosität zusprechen möchte. Ein schöner Auftritt auch von Babbe Ueli (Rolf Boss), der in der Kostümkiste kramt, in vergangenen Zeiten schwelgt und dabei das eine oder andere Tränchen zerdrückt. Das wunderbare Lied vom „Gässle“ (Priska Caccivo) die letzte Angelegenheit, welches man an der Basler Fasnacht noch Gratis machen kann. Aussergewöhnlich auch die Laserorgel, welche effektvoll im Style von Jean Michel Jarre zu begeistern wusste. Für mich sind hier jedoch die fasnachtlichen Klänge etwas zu kurz gekommen.

Schön auch der Vergleich zwischen dem Zürcher Sächsilüüte und dem Basler Cortège, welche von zwei Cliquengschpäänli (Priska Caccivo und Rolf Boss) ausführlich behandelt worden ist.

Fredy (Patrick Allmandinger) wie er Persönlichkeiten parodiert und Sabine Pegoraro und Vladimir Petkovic nachahmt ist hervorzuheben. Er wusste auch in der Traumsequenz als Paukenspielender Rhygass Negrojaner zu gefallen, trällerte den Nüsslisong, welcher leider akustisch nicht sehr gut wahrgenommen werden konnte und begeisterte schliesslich als Fernsehkommentator aus dem Schwaabeländle, welcher die Basler Fasnacht beschreibt. Hierbei setzt er die beschriebenen Fasnächtler in seiner unnachahmlichen Art in Szene und versetzte das Publikum in Begeisterung. Almi at his best! Auch das Loblied auf die Handys in Gospelstyle wusste zu gefallen.

Es ist überhaupt eine sehr musikalische Veranstaltung. So Singt dr Schnitzelbangg Frau Länzli (BSG) als Überraschungsgast mit Wäschehaufen und voll funktionsfähiger Waschmaschine treffende Verse. Wer sich hinter diesem Bangg verbirgt, sei natürlich nicht erwähnt, aufmerksame Besucher dürften jedoch keine Mühe haben die Protagonistin zu erkennen. Schön auch die musikalische Begleitung der beiden Musiker Wolfgang von Dechend und Reto Schäublin, die Pausen zwischen den Nummern immer wieder mit unterhaltsamen Klängen verkürzen. Letztgenannter überzeugt mit seiner Polyvalenz an Schlagzeug, Saxophon und Piccolo. Schön auch der Song „Lolipop“ mit Piccolo, Rasseleiern und Pauke.

s’Läggerli 2019
Das jüngste Kind der Basler Vorfasnacht, kommt überraschend daher. Es ist nicht der Schenkelklopferhumor, welcher in der Vergangenheit immer wieder von selbsternannten Fasnachtkritiker an den Pranger gestellt worden ist. Nein, es wird die etwas feinere Klinge geführt. Die Handschrift von Aernscht Born, Markus Back und Martin Schwitter ist hierbei durchaus spürbar. Die Bühnenpräsenz von Priska Caccivo und Rolf Boss stehen der von Patrick Allmandinger in nichts nach. Ein wirklich stimmiges Trio! Aber natürlich kommen die Almi-Fans voll auf ihre Kosten.
Der erste Teil ist mit mehr als 5/4 Stunden etwas gar lange ausgefallen und die Sitzgelegenheiten im Scala werden von Minute zu Minute unbequemer. Der Zweite Teil indes fliegt an den Besuchern vorbei, kurzweilig und höchst amüsant. Dem Premièrenpublikum hat es sehr zugesagt und sie verdankten es dem Ensemble mit lang anhaltendem Applaus und einer stehenden Ovation.
Das jüngste Kind ist also geboren. Jetzt kann es wachsen und gedeihen.

 

s’Läggerli läuft vom 08. Februar 2019 bis zum 23. Februar 2019 im Scala Basel. Tickets sind erhältlich unter ticketcorner.ch/läggerli, bei Bider & Tanner an der Aeschenvorstadt 2 in Basel oder unter laeggerli.ch/tickets.