Ridicule 2019 mit einigen Perlen

9. Januar 2019 | Von | Bilder: Ivo Birrer | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Wie meist kommt auch die Ausgabe 2019 des Ridicule eher besinnlich-melancholisch daher. Man durfte im Förnbacher Theater einige Perlen geniessen, musste aber auch gewisse Längen hinnehmen Höhepunkte sind die Trommelgruppe Hypokras, die „Swingvögel“, der Schnitzelbank Giftspritzi und vor allem Liv Markus‘.

s’Ridicule 2019

Prolog mit Helmut Förnbacher

s’Ridicule 2019

É Fasnachtslääbe mit Gisèle Rastberger

s’Ridicule 2019

Dr Olaf vorgetragen von den Tambouren der Hypokras Basel

s’Ridicule 2019

Brel uf Baseldytsch von Liv Markus‘, begleitet von Victor Behounek

s’Ridicule 2019

Gendere…? mit dem (von links) Victor Behounek, Kristina Nel, Fabienne Affolter, Gisèle Rastberger und Hanspeter Stoll

s’Ridicule 2019

Gendere…? mit Victor Behounek

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Fuudyblutt gespielt von den Pfyffere vom Ridicule

s’Ridicule 2019

Guet Nacht am säggsi…? thematisiert das Abschieben der Älteren ins Altersheim. Die Tochter (Fabienne Affolter) verabschiedet sich von ihrem Vater (Hanspeter Stoll)

s’Ridicule 2019

Monty vorgetragen von den Pfyffere vom Ridicule und den Tambouren von Hypokras Basel

s’Ridicule 2019

E Mittailig mit Kristina Nel

s’Ridicule 2019

im Fasnachtshimmel mit der grandiosen Liv Markus‘

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Darf am Ridicule nicht fehlen: Die Balkonszene mit Helmut Förnbacher (links) und Hanspeter Stoll

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Dr Keenig mit den Pfyffere vom Ridicule

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S Yystelligsgspreech mit Liv Markus‘ (links) und Kristina Nel

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S Yystelligsgspreech mit Liv Markus‘

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Brilliert mit träfen Versen und sensationellen Helgen, der Schnitzelbank „Giftspritzi“

s’Ridicule 2019

Brilliert mit träfen Versen und sensationellen Helgen, der Schnitzelbank „Giftspritzi“

s’Ridicule 2019

Brilliert mit träfen Versen und sensationellen Helgen, der Schnitzelbank „Giftspritzi“

s’Ridicule 2019

Brilliert mit träfen Versen und sensationellen Helgen, der Schnitzelbank „Giftspritzi“

s’Ridicule 2019

Im Krützgang mit Liv Markus‘

s’Ridicule 2019

Ein wundererbarer „Zic Zac“ gespielt von den Hypokras Tambouren

s’Ridicule 2019

Auch nach der Pause nicht wegzudenken, die Balkonszene mit Helmut Förnbacher (links) und Hanspeter Stoll

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Fabienne Affolter als BVB-Leitstelle in der Drämmli Balkonszene

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D Swingvögel mit „Piccolo meets Euphonium“

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Dr Basler mit Helmut Förnbacher

s’Ridicule 2019

Sodeli vorgetragen von de Pfyffere vom Ridicule und den Tambouren von Hypokras

Fasnacht firs Härz…! versprach der Macher und Regisseur des Ridicule, Helmut Förnbacher, für die Ausgabe 2019. Man kann es nach der Premiere so ausdrücken: Das Versprechen wurde teilweise eingehalten.

Grossartig wie eigentlich immer an diesem Vorfasnachtsanlass ist die musikalische Seite. Als Trommelelement wirken erstmals die „Hypokras“. Gewohnt souverän ist die traditionelle Gruppe früherer Pfeiferköniginnen, die entsprechend auch den „Keenig“ von Michael Robertson vortragen, und nicht minder perfekt den „Monty“.

Die „Swingvögel“ mit Victor Behounek und Raphael Thomi sorgen einmal mehr für Überraschung, indem sie Piccoloklänge mit einem Euphonium (dem kleineren Bruder des Souzaphon) zusammenführen. Eine tolle Nummer, die vielleicht etwas lang geraten ist.

Diese Kritik muss man leider auch auf die meisten gesprochenen Nummern beziehen. Exemplarisch ist dabei eine Altersheim-Nummer, die zunächst – für das Ridicule fast schon revolutionär – Techno-Elemente umfasst und in der morbiden Grundstimmung ein gruseliges Gefühl von Totentanz hinterlässt. Leider ist die Nummer dann nicht zu Ende, sondern versinkt in Sentimentalität und in Überlänge. Viel zu lang und eintönig wird in einer anderen Nummer der Gender-Wahnsinn anhand einer (Un)Zahl von Wörtern mit männlichen und weiblichen Akzenten zelebriert. Um im Bild der Thematik zu bleiben: Das war nicht „herrlich“ sondern eher „dämlich“.

Es gibt aber auch Perlen im Wortbereich, vor allem beim „Ystelligsgspreech“, wo sich Liv Markus‘ umwerfend zynisch als Kommunikationsfuzzi eines Chemiekonzerns bewirbt und Kristina Nell ebenso brillant die HR-Tante gibt. Und Förnbacher selbst zeigt mit der Rezitation eines Blasius-Gedichts als Antwort auf einen Somm-Artikel über das Wesen des Baslers, dass gewisse Texte nie altern. Herauszuheben ist auch Fabienne Affolter in sehr wechselvollen und immer leidenschaftlich gespielten Rollen.

Nochmals zurück zu Liv Markus‘, dem eigentlichen Star des Ridicule 2019. In früheren Jahren als Markus Heiniger hatte sie/er schon immer mal eine Frauenrolle. Nun ist sie „nur“ noch Bühnenkünstlerin und konsequent auch mit neuem Namen. Ihre Jacques Brel-Adaption des „Ne me quitte pas“ auf Baseldytsch war schlicht grandios, und der „Fasnachtshimmel“ mit einer Dialektversion des May-Klassikers „Über den Wolken“ nicht minder.

Bleibt noch der Kult-Klassiker Balkonszene mit Helmut Förnbacher und Hanspeter Stoll. Sie gehen gekonnt auf anwesende Personen ein (beim Polizeidirektor wurde vermutet, er sei mit dem Tesla gekommen, und er erhielt einen Mohrenkopf). Und die beiden können sehr aktuell auf Ereignisse eingehen, etwa auf den Ausraster des Bayern-Spielers Ribéry. Aber auch hier gilt: Es war des nicht immer Guten zu viel.

Viel versprochen hatte man sich vom Schnitzelbank „Giftspritzi“, der das auch voll einlöste mit träfen Versen und sensationellen Helgen, speziell zu Hingis und Merkel.

Fazit: Allein die nun halt nochmals zu lobende Liv Markus‘ lohnt den Besuch im Förnbacher-Theater, dazu sind im textlichen, aber vor allem musikalischen Bereich einige schöne Perlen dabei. Es ist späteren Besuchern aber zu wünschen, dass der Altmeister und sein Team noch etwas über die Bücher gehen und vor allem die Kürzungs-Schere ansetzen.

Ridicule 2019: Badischer Bahnhof Basel. Vorstellungen 11.,13.,19.,25.,26. Januar sowie 9.,10.,16.,24.Februar und 2.,3.,9. März. 2019, wochentags 19.30 Uhr, sonntags um 18.00 Uhr. Vorverkauf an den üblichen Stellen oder direkt an der Abendkasse. Weitere Informationen unter www.foernbacher.ch