Empörungs-Hysterie gegen Negro – ist alles ganz anders?

16. August 2018 | Von | Kategorie: e Hampfle Räppli

Eine stadtbekannte Gugge füllt das Spätsommerloch und macht Schlagzeilen bis nach Zürich! Basler Fasnacht Online hat sich dazu bislang nicht geäussert, denn diese Pseudo-Rassismus-Debatte kommt alle paar Jahre wieder und ist die Aufregung eigentlich nicht wert. Aber plötzlich ist uns ein Verdacht gekommen: Ist dieses „Shitstörmchen“ vielleicht gar gewollt und ein genialer Schachzug der Negro?

Die Fakten sind klar. Sie wurden im Radio SRF,  in der BaZ, in der BZ, bei TeleBasel, in der Tageswoche, sogar beim zürcherischen WATSON (und das ist – gemäss Eigenwerbung –  ohne bla, bla!) und sicherlich noch bei weiteren Medien dargelegt: Ein Student, der anscheinend mit der Fasnacht nicht vertraut ist und das seit 60 Jahren verwendete Logo der Gugge „Negro Rhygass“ erstaunt zum ersten Mal wahrnimmt  – vielleicht damit zu entschuldigen, dass er erst kürzlich aus dem Norden zugezogen ist? –  wurde von einer schweren Empörung überwältigt und musste dies einem Zürcher Gratisblettli mitteilen.

Die Folge: in der gerade etwas nachrichtenarmen Zeit wurde ein Shitstorm losgetreten, weil sich die Negro getraut haben, mit ihrem seit Jahren stadtbekannten Logo („einem schwarzen Mann mit wülstiger Lippe und einer Pauke“ – Zitat Regionaljournal Basel) wie jedes Jahr Werbung für ihr Fest zu machen. Daraufhin musste die Negro ihre Facebook- und auch die Website schliessen. Auch ihre fast Namensvetter „Mohrekopf“ gerieten in den Sog dieser Diskussion. Soweit die Fakten.

Nun ist die Zeit zwischen Juli und September eine vorfasnächtliche Sauregurken-Zeit. Wenn nicht gerade das Fasnachtscomité die Einstellung von weiteren Mitgliedern vermeldet oder die beiden schillerndsten Figuren in der Vorfasnachtszene – Almi und Salvi – die Redaktion mit wichtigen und spannenden Fakten über ihre neuen Veranstaltungen eindecken, dann ist die Nachrichtenlage während dieser Zeit eher dürftig. So ist es natürlich schön, wenn eine Geschichte wie die obige die Fasnachtswelt aufwühlt. An die Griffel – wir berichten! Fleissig wurden obige Fakten politisch ins richtige Licht gerückt und gedruckt. Und kommentiert (der Kommentar von Niggi Drechsler/bz ist Weltklasse!). Sogar das Fasnachts-Comité musste eine Stellungsnahme abgeben. Und auch der Historiker Georg Kreis (bis 2011 Präsident der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus) wird bemüht. TeleBasel interviewt zwei dunkelhäutige Zeitgenossen die – in reinstem Baseldeutsch – ihre Gefühle beim Anblick des Logos erklären dürfen. Gerüchten zufolge hat Mesut Özil die Negro Rhygass-Obleute zum Rassismus-Opfer-Gipfel gebeten. Eigentlich wird jeden Moment erwartet, dass sich New York Times oder gar Tacheles in die Diskussion einschalten.

Auch die Redaktion von „fasnacht.ch“ erhielt eine Meldung über die „Kontaktseite“. Ein entrüsteter Leser schreibt: „Ich hoffe, Ihr nehmt die hinterhältigen und anonymen Angriffe/Shitstorms auf zwei Basler Guggen zum Anlass für ein Statement und einem Aufruf zur Solidarität innerhalb der Basler Fasnachtsszene.“ Unsere Antwort an den User war klar: „Lass Gras über die Sache wachsen – morgen ist das vergessen“. Das war – wir müssen es zugeben – ein Irrtum. Die Meldung fiel in das fasnächtliche, dunkle Sommerloch und erhellte dieses.

Dann allerdings wurde innerhalb der Redaktion von fasnacht.ch eine neue These diskutiert: „Stell Dir vor“, schreibt einer  der erfahrenen BFO-ler, „das ist der Anfang eines Sujets der Negro für 2019? Vielleicht wollen die ihr nicht mehr zeitgemässes Logo wechseln und haben sich für einen Sujet-Gag entschieden?“

Ja, das wäre wirklich möglich. Wir mussten in unserem Medium schon über wesentlich durchsichtigere Sujet-Gags berichten, die schon beim zweiten Mal hinsehen aufgeflogen sind (siehe 2018…). Dass nun eine Gugge sich an diesen Orginalitäts-Zug hängen will leuchtet ein. Die Guggen fühlen sich in der Fasnachtswelt ja immer mal wieder benachteiligt – zu Unrecht, wie wir meinen – warum also nicht mal ein Paukenschlag à la Olympia ausserhalb der Musikprobe?

Wir stellen es uns vor: Der Vorstand der Negro-Rhygass diskutiert mal wieder über die ab und  zu auftauchenden Sprüche von linken „Schnell-Bedupften“: „Euer Logo ist rassistisch“. So wird beschlossen, dass die Gesellschaft an der nächsten GV ihr Logo ändern soll. Da dies aber bei den Durchschnittsmitgliedern sicherlich auf sehr schlechten Boden fallen würde („…denn gib y dr Ussdritt und gang zu de Schotte!..“), sucht man eine Lösung. „Lasst uns gezwungen werden, den Namen zu ändern…!“ ist die Idee! Und das Sujet für 2019 wird quasi gratis dazu geliefert!

Die geplante Umsetzung, die zur obigen Geschichte führt, ist mehr als genial! Der Rest ist reine Organisation. Ein paar Bilder ins dankbare Internet, ein engagierter Shitstormer, ein paar Kommentare im Facebook und schon ist die Mediensuppe bereit zum Genuss.

Wenn das wirklich so wäre, dann müssen wir den Hut ziehen vor so viel Kreativität! Allerdings läuft die Sache jetzt etwas aus dem Ruder und dem Verein „Negro Rhygass“ ist dringend zu empfehlen, die Sache kontrolliert platzen zu lassen. Sonst könnte es sein, dass an der nächsten Fasnacht nebst den UNESCO-Beobachtern auch noch das UNO-Sekretariat gegen Rassismus am Strassenrand steht. Und die Schränz-Gritte aufgrund sexuell motivierter Namensgebung verhaftet.

Mit uns ist die Phantasie etwas durchgegangen. Wir nehmen jetzt mal an, alles sei so, wie es im Basler Medienwald gerauscht hat. Dann tut uns das natürlich weh und wir verurteilen diese ganze Diskussion als unnötig, blöd und kleinbürgerlich.

Insgeheim aber hoffen wir, dass alles ganz anders ist…