Alte Schuhe und das Baselbiet!

25. Februar 2018 | Von | Bilder: Pätty Schnidrig | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Im Theater und im Schauspielhaus gaben sich die 25 Spitzenbängg des Comités die letzte Ehre an dieser Fasnacht 2018 bei ihrem Schlussoobe! Ein herrlicher Abend mit thematisch viel Baselbiet und durchgehend tolle Bängg!

Schauspiilhuus

Saal

BFO

Dieter Moor

Hansli Bargäld

Hansli Bargäld Schue

Anggewegglimaitli

Spitzbueb

Dootebainli

Dootebainli Helge Baselland

Dreydaagsfliege

Schnabelwetzer

Schwoobekäfer

Schwoobekäfer Baselland

Schlyffstai

Pierrot

Stächpalme

Dräggspatze

Schunggebegräbnis

Hanslimaa

Doggter FMH

Reduzierti Gasladärne

Fäärimaa

Syydiaane

Singvogel

Schooffsuuri

Brunzguttere

Schyynhailig

Penetrante

Penetrante Schue

Heiri

Stroossewischer

Wanderratte

FaZyt

Um es vorweg zu nehmen: In diesem Jahr haben fast hundert Prozent der auftretenden Formationen ein richtig gutes Jahr eingezogen! Durchwegs gute bis sehr gute Verse, tolle Darbietungen und eine grosse Vielfalt von Themen prägten die Vorträge der fünfundzwanzig Comité-Schnitzelbängg.

Wie immer an dieser Stelle der Hinweis: Alle Bängg sind auf der Homepage von www.schnitzelbankbasel.ch nachzulesen oder gar anzuschauen.

Eröffnet wurde der Abend im ausverkauften Schauspielhaus vom BFO (in diesem Falle nicht Basler Fasnacht Online gemeint sondern: das Basler Fasnachts Orchester…): Man wähnte sich bei den Zofingern am Konzärtli: so klassisch und leise begann der Abend. Die etwas schräge Musikformation intonierte „Die Forelle“ und „Jacky Messer“ und überliess dann die Bühne der Begrüssung von Dieter Moor – wie immer in seinem heerligen Baseldytsch und mit viel Humor.

Der Reigen der Bänggler wurde mit einem ersten Höhepunkt eröffnet: Hansli Bargeld mit seiner Combo, deren Vortrag musikalisch beginnt mit dem Befehl an einen der Musiker: „Sanchez: Musica“ und dann nicht mehr aufhört, bis alle Verse durch sind. Musikalisch und choreografisch eine Wucht und die Verse sind ebenfalls gut. Danach startet das Anggewegglimeitli. Sie liefert eine solide Leistung ab und wirft zum Schluss ihre Anggeweggli ins Publikum. Es wird gierig danach gegriffen, obwohl das Catering des Restaurant Besenstiels in der Zwischenzeit schnell und gut ist.  Es folgt der Spitzbueb, der mit seinen schnörkellosen Vierzeiler immer wieder grossartige Pointen setzt. Und schon kommen Dootebainli, die – wie jedes Jahr – einen optisch und musikalisch wunderschönen Auftritt zelebrieren mit ihrer Harfe und den feinen Stimmen. Und – das vermelde ich gerne: In diesem Jahr braucht sich das Publikum nicht fremdzuschämen für umstrittene oder gewissenslose Pointen! Die Verse waren allesamt gut, mit viel Witz und Schmackes. D Dootebainli 2018 wären im ersten Drittel einer Rangliste – gäbe es denn eine! D Dreydaagsfliege mit ihren herrlichen Helge (gezeichnet durch Fliegen) verwöhnte das Publikum mit ihrer wunderbaren Meldodie, den herrlich artikulierten Versen und den tollen Pointen.

Es folgt ein gesanglich starker Auftritt durch die abwechselnd vortragenden Schnaabelwetzer und danach perfekt, konzentriert und sprachlich erstklassig der Schwoobekäfer. Auch er verwertete seinen Baselbietervers zusammen mit der Metzgete in Sissach und einer überraschenden Pointe. Sowieso schien das Verhältnis zum Nachbarhalbkanton eines der Top-Themen. Der geisselnde Pfarrer, die geizigen Unibeiträge, die Welt-Nr. 1 im Tennis – alles Anlässe um sich über die Siebendüpfer lustig zu machen.

Gesanglich hervorragend wiederum d Schlyffstai mit ihren multipointen-Verse, die man, wenn man sich konzentriert,  gut versteht. Aber auch hier: tolles Niveau und viel Witz. Dann der Rücktritt des Abends: Pierrot verlässt die Schnitzelbangg-Bühe für immer und erhält einen schönen Abschiedsapplaus. Dann erleben wir d Stächpalme, die ungeniert mit einem Baselbieter-Dialekt und einem herrlichen Vers zur „Yszyt“ bei den Beiden Basel das Baselbieter-Thema weiterführt.

Mit den Dräggspatze und dem Schunggebegräbnis endet der erste Teil. Wobei zu den letzteren zu vermerken ist, dass sich dieser ansonsten eher auf der intelektuellen Seite singende Bank zu einem Vers hinreisen liess, dessen Pointe mit dem Amoklauf in den Staaten in Zusammenhang gebracht wird! Es gilt auch hier: Pointen mit Hilfe von ermordeten Menschen – das geht auch mit der schönsten Melodie und mit demonstrativ gesenkten Larven gesungen – meiner Meinung nach –  nicht.

Nach der Pause wurde erstmals die „Pausenüberbrückungs-Musik“ eingesetzt: Die Reservierte – ein Pfyfferduo liessen einen wunderschönen „Hanswurscht“ erklingen. Schade, wurden in diesem Jahr so wenig Pausenüberbrückungen benötigt…

Der zweite Teil startete mit dem jubilierenden Hanslimaa, der – leider auch wie immer – seinen Vortrag nicht ohne Hänger übersteht. Naja, 40 Jahre unterwegs – ja, vielleicht kann er sich das leisten… Dann Dr. FMH der mit seinen blutigen Händen (aus Sissach natürlich) und seiner Schwester Gundula den Saal erstmals richtig rockte. Danach kamen d Gasladäärne – aus Krankheitsgründen leicht dezimiert, aber dennoch stimmgewaltig, mit überraschenden Pointen (TeleBasel – jä und?) und textsicher. Falls d Gasladäärne noch weiter unterwegs sind, sei ihnen ans Herz gelegt, das Örgeli in Revision zu geben: Am Fernsehen noch mehr als in der ersten Reihe im Schauspielhaus knallen die Tasten des Instrumentes und stören den gesanglich so präzisen Vortrag…

Der Einsatz der „Reservierte“ mit einem sehr gewöhnungsbedürftigen Komposition zeigt an, dass im Nachbarhaus Theater wieder geehrt wurde. Und tatsächlich, dr Fäärimaa betritt die Bühne nach einer Kunstpause  und feiert sein 20jähriges Jubiläum mit ein paar guten Versen. Er kombiniert den geisselnden Pfarrer von Sissach mit Christian Constantin… und singt einen Vers über die Formel 1 mit Sauber, was zu den exklusiveren Schnitzelbangg-Themen gehören dürfte. D Syydiane, einer der ganz wenigen Bängg, wo es nicht alle schaffen, die Verse auswendig zu singen, leiten zum letzten Viertel des Abends. Natürlich ist der Singvogel mit seiner unaufgeregten Art ein sicherer Wert. Grosser Auftritts- und Abgangsapplaus für den Spitzenbangg, der es immer wieder schafft, eine Pointe aus einem früheren Vers später in seinem Vortrag wieder zu platzieren. Diesesmal Titterten im – natürlich – Baselbiet…  d Schoofsuuri bieten einen sehr soliden Auftritt, fast will man das „alte Schule“ nennen. Auch sie – Baselbieterbashing mit der Sissacher Metzgete. Aber wahrscheinlich mit der besten Pointe zu diesem Thema an diesem Abend (…E Pfaff muess sich geissle – fascht wien e Fakir/I ha scho immer dänggt – die sinn andersch wie mir!).

Ein Volltreffer in 2018 d Brunzguttere. Hier kann man nichts mehr besser machen: Melodien, Auftritt, Helge, Performance, Verse: alles stimmt. Müsste man doch mäkeln, wäre es über die Schuhe. Vielleicht passt es ja zum Goschdym: Aber nur ganz wenige Formationen schauen bei ihren wunderschönen Goschdym auch auf die Schuhe. Alles soll stimmen: Larve, Halstuech, Blüsli, Hosen, Sogge – aber: die komplett verschiedenen, abgenutzten Treter der Brunzguttere –  fallen dann halt auf….! Der einzige Zweizeiler-Bangg im Felde: dr Schyynhailig ist ebenfalls ein beliebter und sicherer Wert. Auf ihn folgen die Pentetrante mit einerseits den schönsten Schuhen des Abends (jene roten der grünen Sängerin…) und andererseits dem Monstervers mit dem unerwartetsten Thema: Körperschmuck im Alter! Grosses Kino! Und dann: Baselbiet at its best: Der rappende Bangg Heiri mit seiner Helgenkuh ist stolz aufs Baselbiet und spielt damit den ganzen Vortrag hindurch. Seine Helgen sind auf Jute gedruckt und seine Musik ab Orgel und Ghettoblaster ist klasse! Den Abschluss machen die in diesem Jahr ebenfalls guten, aber etwas harmloseren Stroosewischer und d Wanderratte, die neben einem einfachen und klaren Auftritt lustige Verse singt, die oft mit ihrer Figur zusammenhängen (seine Facebookgruppe nach dem Angriff durch die Katze: „Häshtäg Mi-Au“). Kompliment auch für den aufwendigen und wunderschönen Zeedel.

Alles in allem ein sehr lohnenswerter Abend der mit einem rasanten Wettstein-Marsch – gespielt, nicht gesungen – von den FaZyT ein Ende nahm. Dem (rein männlichen, wie die Dreydaagsfliege monierte) Schnitzelbank-Comité  unter dem neuen Obmaa  Edi Etter ist zu danken einerseits für den unermüdlichen Einsatz für qualitativ gute und unterhaltende Schnitzelbängg-Vorträge, und andererseits für die Organisation der Schnitzelbangg-Abende im Theater und Schauspielhaus während der Fasnacht und an den Schlussabenden.

Allen Bängg wünschen wir von fasnacht.ch ein ereignisreiches Jahr bis zur nächsten Fasnacht. Ihr seid wohl ein Filetstück des Weltkulturerbes…