Fazit im Glaibasel!

22. Februar 2018 | Von | Kategorie: e Hampfle Räppli

Um die Diskussionen von vor der Fasnacht 2018 zu ergänzen: Da gibt es definitiv Fasnacht in Glaibasel. Nur eine etwas andere!

Ein paar subjektive Feststellungen und die Erklärungen dazu, was die Fasnacht im Glaibasel betrifft:

  1. Es gibt  immer Betrieb und Leben im Glaibasel an den Fasnachtstagen! Auf dem Claraplatz ist immer etwas los. Zum Beispiel am Mittwoch Abend gegen 23 Uhr. Trotz Kälte stehen Tausende von Fasnächtler und Zivilisten im Gebiet Rätz-Stadt-Antyggekäller-Schiefen Eck-Clarakirche. Es ziehen Guggene durch und sogar Tambuuregrubbe. Wenn man dieses Gebiet auf die Grösse von Hotel Basel-Schnabel-Rümelisplatz zusammen scrollen könnte – es wäre eine vergleichbare Druggede wie vor dem Hotel Basel. Oder in der Ochsengasse. Da stenzert die Stenzergugge ein Konzert! Oder vor dem Schoofegg. Da steht eine Stammclique mit Bier und Wein und wartet auf das Pausenende. Auch das: am Mittwoch! Und nicht wenige Stammclique essen im Glaibasel und drehen dann noch eine oder zwei Runden bis zum Gang ans andere Rheinufer. Junteressli, Schnurebegge, AGB und v.a.m. residieren im Glaibasel und zeigen das auch. Natürlich: Am Clarahofweg kann man auch während der Fasnacht ruhig schlafen, weil dort nichts läuft. Aber an der Gartenstrasse im Grossbasel ist auch  nicht gerade der Teufel los. Es konzentriert sich alles zwischen Claraplatz und Mittlere Rheinbrücke.
  2. Im Glaibasel ist der Cortège tot. Das ist richtig und falsch zugleich. Als Aktiver auf einem Wagen kann ich folgende Behauptung wagen: Wären die FasnachtsbesucherInnen mit Migrationshintergrund nicht da (man muss wieder vorsichtig formulieren, die Narrenfreiheit ist vorbei!), dann würden die einzigen Zuschauenden im Glaibasel pausierende Kollegen, Benützer der Alters-Tribüne und Comité-Mitglieder auf der Route sein. Der Anteil an Kindern bzw. Jugendlichen, die „Waggiiiiis“-schreiend am Wagen hängen und auf die Blagedde zeigen (oft die vom letzten Jahr), ist riesig. Kaum vorstellbar, dass hier irgend einer einen Zeedel versteht oder kapiert, was mit dem Sujet gemeint ist. Wenn man genau das meint mit: „es isch nüt los im Glaibasel“ – dann stimmts. Aber die Anzahl Menschen ist deswegen nicht kleiner. Nur gerade auf dem Strich  zwischen Wettsteinplatz und Messe gibts grosse, leere Felder. Aber die Clarastrasse ist proppevoll.
  3. Wer macht Fasnacht im Glaibasel? Dazu muss man die Frage: „was macht die Fasnacht im Glaibasel aus?“ beantworten. Ja, wenn man die beiden Tatorte „Hotel Basel“ oder „Saffre“ mit „Volkshaus“ und „Baggestoos“ vergleicht, dann ist es klar: Während im Grossbasel die Cliquenfasnacht zelebriert wird (“ e Bierli doo, e baseldytschen Ussdrugg deert, e Cüppli deert ääne und: „he lueg, das d Lambbe vo dr Spaale, wie scheen!“ oder gar ein politisches Statement: „Lägg kunnt dr Hampe das Joor aber draa“) –  und eine herrliche, disziplinierte Stammclique vorbei zieht, herrscht im Glaibasel, zum Beispiel im Baggestoos, die herbe andere Seite: Ein Bier aus der Flasche oder wenns hoch kommt mit Cynar, haufenweise Zivilisten oder zivile Fasnächtler (oder auch andere, die es hier einfach lustiger finden) bei Skihütten-Musik. Und draussen battlen sich zwei Guggen und erst noch ohne Larve. Aber: Ich würde keinen Cent wetten auf ein Resultat, wenn man über die Stimmung abstimmen lassen würde. Schon im „Ysebähnli“ eine andere Stimmung: D Schnurebegge (Dienstag) kommt rein, bestellt 20 Biere und trinken sie im Stehen. Grölen nicht, aber lachen und haben Spass an einer Beiz, wo alles genau so viel kostet, wie im Juni.
  4. Im Glaibasel hört man keine Schnitzelbängg! Bullshit! Wer den Banggüberfall vom Schnuggebegrääbnis mit den Brunzguttere  im Yysebäänli gehört hat, weiss es besser. Und wer nicht unbedingt d Comité-Bängg hören will und drei Gänge essen möchte, sondern die Wilden bei einem Bier oder einer Rivella,  wird im Glaibasel bestens bedient. Das Plakat: „Do singe die Wilde“ gibt es halt nicht. Man muss es wissen.
  5. Und jetzt? Na, ich behaupte mal: Wenn man die Fasnacht sich entwickeln lässt, wird sie in 10 Jahren ein deutlich anderes Gesicht im Gross- als im Glaibasel haben. Aber: Sie wird nicht tot sein. Es wird eine Fasnacht sein, die aus vielen Kellern (Claraschnooge, Rätzstadt, Antygge uva) besteht und hoffentlich gibt es dann die Kaschemmen wie „s Schoofegg,  s Schieffe, dr Baggestoos etc“ noch. Ändern könnte man z.B. sofort!  Würde man z.B. die Ladäärneausstellung rotierend auf dem Messeplatz und dem Münsterplatz organisieren. Oder abwechselnd mit der Wage- und Requisitenshow auf der Kaserne… ja dann würde alles anders werden, mit Garantie (Das würde auch von den Hotels am Messeplatz und z.B. an der Clarastrasse hoch geschätzt….)…

Fazit: Als Pfyffer oder Tambour scheint es einfach schöner zu sein, neben Tausend andern d Schnydergass rauf zu pflügen und nicht mit Echo durch die Utengasse zu ziehen. Ich habe – ganz persönlich – den Verdacht, dass sich dies aufgrund der „Pausen- und Rastplätze“ durchgesetzt hat, nicht aufgrund der Fasnachtmusik. Das ist legitim. Guggene oder etwas schräägere Fasnachtgruppen, gehen halt gerne ins Glaibasel, wo alles etwas herber ist.  Und damit wird die Fasnacht im Glaibasel auch in Zukunft überleben. Aber eben – ich wiederhole mich – ganz anders als das Fasnachtstreiben in den Hochburgen wie Saffre und Hotel Basel. Und letztlich: Jedem sei seine Fasnachtstimmung gegönnt! Die Auswahl ist da und das macht unsere Fasnacht so unglaublich aus!