Spitzenbängg im Arlecchino

17. Februar 2018 | Von | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

von Casper Thiriet (Text und Fotos)

Einmal im Jahr gibt es statt «Jim Knopf und Lukas der Lokiführer», «Schnitzelbänke mit ihren Versen». Die jährliche Veranstaltung, welche nun zum 10. Mal stattfand, ist ein Unterstützungsveranstaltung für das Theater Arlecchino. Die Schnitzelbänke singen ohne Gage und spenden damit indirekt Geld.

Der ganze Abend findet in drei Räumen gleichzeitig statt. Im Seibi-Käller (wo die Clique die Bewirtung übernimmt), im Theater-Restaurant (wo allerdings nur ein Live-Bild übertragen wird) und im Hauptsaal. Bevor es losging, begrüsste der künstlerische Leiter und Gründer des Theater Arlecchino – Peter Keller –  die  Gäste vor dem ausverkauften Haus. Tische und Stühle im ganzen Theater, gar auf der Bühne selbst, wurden für diesen Anlass eingerichtet.

Doggter FMH

Wyybuure

Schnabelwetzer

Rollator Rösli

Perefys

Frau Länzli

Familie M Steiner

Fährimaa

Heiri

Dootebainli

Drey Daags Fliege

Die Eisbrecher waren die Schnabelwetzer, welche ihren Startplatz würdig vertreten haben. Die Verse kamen flüssig und mit ihren gegenseitig perfekt abgestimmten Textabfolgen konnten sie ihre amüsanten Verse dem Publikum präsentieren und kamen damit gut an. Daraufhin war Frau Länzli mit ihrem «Wöschhuffe» auf der Bühne. Sie erreichte einen grossen Lacher im Saal, als sie den Vorteil von Burkaträgerinnen beschrieb; die können problemlos mit 180 km/h geblitzt werden, man würde sie sowieso nicht erkennen. In Begleitung eines grossen Applauses kam im Anschluss der Singvogel. Als er über das Verhältnis von Baselland und Basel-Stadt singen wollte, brauchte es drei Helgen bis er beginnen konnte: Er war nicht überzeugt, die Pointen würden ihm fehlen.

Es folgten die Wyybuure, welche noch textunsicher waren, brachten aber zum Schluss ihres Auftrittes ein Gedicht über Insekten, welches sehr überzeugte. Während einer der beiden das Gedicht vortrug, übernahm der andere alle Wörter, welche mit Insekten zu tun hatten. Das führte zu grossen Lachern. Ein Highlight davon war eine Zuschauerin, die bei einer unklaren Pointe (was deshalb eine kurze Denkpause zur Folge hatte) die Antwort laut heraus ins Publikum schrie, als sie diese ein wenig früher als alle anderem im Saal begriff… Als fünfte von 15 Bängg kam die Familie M. Steiner aus – wie sollte es anders sein –  Münchenstein zu Besuch. Die Chaosfamilie wird durch den Grossvater gekrönt, welcher kaum mehr laufen kann, bei den Versen aber voller Begeisterung und Enthusiasmus mitsingt. Am Schluss gab es für eine glückliche Zuschauerin gar ein «M. Steiner Shotglas». Der Fährimaa war nach der wilden und lauten Familie das komplette Gegenteil, mit seinen leisen und sauberen Zeilen, mit seinen grandiosen Wortspielen. Die Gasladärne erzielte den gleichen Kontrasteffekt, wieder andersrum: Powervolle Stimmen, powervoller Gesang waren zwar grossartig, aber  die Pointen kamen leider meistens ein wenig zu früh im Vers.

Nach der Pause wurde das Rollator Röösli mit riesigem Applaus und Jubel empfangen. Sie war dieses Jahr schon auf derselben Bühne, sie kam in den Abendvorstellungen der Vorfasnachtsveranstaltung «Fasnachtsbändeli» jeweils vorbei. Doggter FMH folgte, seinen neuen Praktikanten (Dr. hc. Roger Federer), hat er aber nicht mitgenommen. Wie immer war die schlagfertige Schwester Gundula dabei.

Es folgen Perefys, welche eine etwas zu anspruchsvolle Melodie haben. Dies hat leider Abstriche in der Qualität der Verse zur Folge. Nach den Dootebainli mit der schönen Harfe folgte der Schyynhailig, mit der Mitteilung, er würde bei schlechtem Wetter in Paris einfach den 3er nach Basel nehmen. Sollte aber auch in Basel das Wetter nicht gut sein, geht er einfach in den Achter und schaut wie es in Deutschland ist. Im Anschluss folgte die Dreydaagsfliege, die mit ihrer schönen Melodie politische Themen wunderbar in Verse umwandelt. Als Abschluss kam mit Heiri ein tänzerischer Höhepunkt, welche in einem seiner Verse zum Denken anregte: Das Stadtzentrum würde nach und nach verloren gehen, wenn die Trams nach Frankreich und Deutschland fahren würden.

Zu erwarten waren die Top-Themen an der Stubede Roger Federer, Christian Constantin, Sissach und das 3er Tram.  Die Arlecchino Stubede ist ein herrliches Einklingen in die drey scheenschte Dääg. Das beweisen auch die Besucherzahlen; schon vor Neujahr waren die Vorstellungen bereits ausverkauft.

Zum Abschluss noch der Tipp von Dogger FMH, den man sich (zum Eigennutz) zu Herzen nehmen sollte: «No e Gratis-Tipp: Händ wäsche, s isch Grippe-Zyt!»