Waggis-Verglaydig: Vom König zum Narr

12. Februar 2018 | Von | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Diesen Donnerstag ist es wieder so weit: Die über dem Hauptportal des Grandhotels «Les Trois Rois» thronenden Kaspar, Melchior und Balthasar werden in Waggis-Goschtym eingekleidet – notabene zum 43. Mal. Wie aber kam es dazu? Ein kurzer Rückblick.

Kaspar, Melchior und Balthasar warten auf die Verkleidung.

Anfahrt der Lufthyler-Waggis

40. Waggis-Verkleidung 2015

Ohne Intrigieren geht es auch bei diesem Anlass nicht.

Lufthyler Waggis Pitt Buchmüller, der Spiritus Rector der Veranstaltung

Die Feuerwehr an der Arbeit.

Lange Jahre die Attraktion beim Apéro: Dr Schüll vom Bläsiring.

Unterstützte von Amtes wegen: alt-Regierungsrat Karli Schnyder.

Wir sind eingekleidet, d’Fasnacht kann kommen!

Das Ritual ist immer dasselbe: Um 10 Uhr biegen die Lufthyler-Waggis in ihren traditionellen schwarz-weissen Kostümen auf dem offenen Saurer, einem alten Polizei-Überfallwagen, in den Blumenrain ein. Ihnen folgt ein Löschzug der Basler Berufs-Feuerwehr mit der langen, ausfahrbaren Hebebühne. Diese wird bis zu den drei Königs-Statuen hochgefahren und Feuerwehrmänner beginnen, Kaspar, Melchior und Balthasar als Waggise einzukleiden, so dass sie nach und nach zu Kaschper, Melchi und Balz mutieren. Fasnachtsmusikalisch untermalen die Krach-Schnygge die Szene, und die „Lufthyler“ versorgen die Zuschauer mit Weisswein, Orangensaft und Kääskiechli.

Anschliessend gehen die geladenen Gäste ins Hotel zum Apéro, und die ganz Glücklichen, welche vom Organisator Pitt Buchmüller eine persönliche Einladung erhalten haben, verschieben sich dann zum festlichen Lunch. Höhepunkt am Apéro war lange Jahre Heini Klauser, früher als Schorsch vom Hafebeggi 2 und Schüll vom Bläsiring, der mit seinen Versen die Anwesenden und vor allem Pitt Buchmüller kräftig auf die Schippe nahm. Letztes Jahr wurde er vom Komödianten und Stimmen-Imitator David Bröckelmann (zur Zeit im Pfyfferli zu sehen) perfekt ersetzte. Beim Lunch bringt jeweils Marcel Dogor alias Frau Roggenmoser die Gäste zum Lachen.

Wie alles begann

Zurück zur Frage, wie es zu dieser längst lieb gewordenen Tradition kam. Initianten waren der erwähnte Pitt Buchmüller, Obmann der Lufthyler-Waggis, und der 2003 verstorbene Hanns Ulrich Christen, bekannt als Journalist und Schriftsteller -sten. Die beiden trafen sich 1975 und beschlossen, dass sie die Vorfasnachtszeit mit etwas Speziellem bereichern wollten. Der Sage nach war die erste Idee, etwas im Elftausend-Jungfern-Gässlein zu machen, was daran gescheitert sei, dass die geforderte Zahl Jungfern nicht beizubringen war.

So kam man auf das Hotel Drei Könige, dass etwas unter der allgemein verbreiteten Schwellenangst litt: Kaum ein Einheimischer traute sich in die noblen Hallen rein, schon gar nicht während der Fasnacht. Der damalige Direktor Bernhard Amberg war Feuer und Flamme für die Idee, dieser Schwellenangst mit einem Namenswechsel während der Fasnacht in „Drey Waggis“ und dem Verkleiden der drei Königs-Figuren über dem Portal zu begegnen. Ins fasnächtliche Boot geholt wurde der damalige Chef des Polizei- und Militär-Departements Karl Schnyder, der als „Dauer-Sujet“ der Schnitzelbänkler gerne bereit war, den Polizei-Oldtimer den Löschzug der Feuerwehr zur Verfügung zu stellen. (Es gab damals noch kein Presseorgan, das solche Aktionen sofort als Skandal gebrandmarkt hätte.)

Wobei anzumerken ist, dass die Sache amtlicherseits auch eine ernste Seite hat. Für den Löschzug der Feuerwehr ist es eine Übung, sollte es im Hotel einmal brennen. Es braucht nämlich viel Fingerspitzengefühl, die Leiter zwischen den Drähten der BVB auszufahren. Deshalb ist jedes Jahr eine neue Crew am Werk. Gibt es einen Feueralarm inBasel und wird dieser Löschzug benötigt, sind die blitzartig weg auch wenn die Einkleidung (noch) nicht fertig ist.

Fazit: Aus der damaligen Schnapsidee entwickelte sich dann die Tradition, welche nun zum 43. Mal das stets zahlreiche Publikum erfreuen wird. Und noch immer wird Pitt Buchmüller vor und im „Drey Waggis“ mit seinen zahlreichen Freunden anstossen – hoffentlich noch viele Jahre!