Källerstraich: An jedem Faden hängt eine Pointe

8. Februar 2018 | Von | Bilder: Lucien Graf | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Ein kurzweiliges Zusammenspiel zwischen Marionetten und Menschen aus Fleisch und Blut erlebt man beim fünfjährigen „Jubiläum“ des Källerstraich. Es darf viel gelacht werden und man erlebt fasnachtsmusikalischen Hochgenuss. Schade, dass der Besuch trotzdem nicht empfohlen werden kann: Alle Vorstellungen sind nämlich schon ausverkauft.

Källerstraich 2018

5 Joor Källerstraich, Honoration vom Fasnachts-Comité

Källerstraich 2018

Giftspritzi (BSG)

Källerstraich 2018

Ego-Säu

Källerstraich 2018

Ego-Säu mit Buuchtänzerin

Källerstraich 2018

Dr Sämi bim Petrus

Källerstraich 2018

Dr Sämi in dr Klinik

Källerstraich 2018

Die Unerheerte (BSG)

Källerstraich 2018

SRG-Sternstunde „Fasnacht“ Dail 1

Källerstraich 2018

Ego-Säu Mani Matter-Medley

Källerstraich 2018

Ego-Säu Mani Matter-Medley

Källerstraich 2018

Ego-Säu Mani Matter-Medley

Källerstraich 2018

Frau Länzli (BSG)

Källerstraich 2018

Andy Borer im Tamboureduell mit dr Marionette

Källerstraich 2018

Marionette im Tamboureduell mit em Andy Borer

Källerstraich 2018

Migros mit Bahnaaschluss

Källerstraich 2018

Migros mit Bahnaaschluss

Källerstraich 2018

Rätschbääse (BSG)

Källerstraich 2018

Bangg-Trio Antikeerper im Kunschtmuseum

Källerstraich 2018

Ego-Säu mit Major

Källerstraich 2018

D Dipflischysser (Bebbi Bängg)

Källerstraich 2018

SRG-Sternstunde „Fasnacht“ Dail 2

Källerstraich 2018

Hitpirate „Marble Bags“

Källerstraich 2018

Bangg-Trio Antikeerper Joorgang 2018

Källerstraich 2018

Bangg-Trio Antikeerper als Schwoobekäfer

 

Was wurde in den Kritiken über andere Vorfasnachtsveranstaltungen geklagt, dass zwar die musikalischen Elemente super seien, aber die Rahmenstücke… Da möchte man doch einfach empfehlen: geht in den Källerstraich, da hängen nicht nur die Marionetten an den Fäden – an jedem Faden hängt auch mindestens eine Pointe. Da erklärt Petrus, dass er auch bei schönem Fasnachtswetter kein Basler sei, und in diversen Kürzest-Balkonszenen missversteht sich ein altes Paar hinreissend komisch. Die meisten Pointen haben die „Stammgäste“ des Källerstraich, das Bänkler-Trio Antikeerper auf der Suche nach guten Versen. Aber auch der traditionelle Blaggeddeverkaifer, der sich mit zwei Damen aus der Dalbe kabbelt und ihnen erklärt, dass der Bahnhof SBB zur Zeit einfach ein Migros mit Bahnanschluss sei. Für den Chronisten schlicht DAS Rahmenstück der diesjährigen Vorfasnacht!

Ebenfalls ganz grosses Kino sind die beiden Folgen der „Sternstunde Fasnacht“, vor allem diejenige, in denen ein höchst intellektueller Waggis – eine riesige Handpuppe – den Moderator restlos unter den Tisch argumentiert.

Ebenfalls für Lacher zuständig sind die an der Premiere auftretenden Schnitzelbänke. Wobei die „Übungsanlage“, dass die Formationen den Anlass zum Testen benutzen, was läuft und was weniger, halt zur Folge hat, dass nicht nur Jahrhundertverse dabei sind. Aber bei allen „Bängg“ sind Trouvaillen zu finden. Die Giftspritzi etwa tröstet die Niederländer in ihrer Landessprache über das Verpassen der WM hinweg. „Die Unerheerte“ bringen eine saulustige Triologie an Ackermann-Versen (überhaupt scheint sich die Regierungspräsidentin als eines der Hauptsujets zu entwickeln). „Frau Länzli“, ein weiterer BSG-Bangg, entpuppt sich einmal mehr als eine veritable Rampensau, die ihren Wäscheberg humorvoll abarbeitet. Die „Rätschbääse“ verarbeiten den Slogan „Ich bin Migros-Besitzer“ in hervorragender Weise. Und „D Dipflischysser“ von den Bebbi-Bängg haben ein ernsthaftes „Problem“: So viele ihrer Verse sind Reisser, dass die Auswahl für die Fasnacht schwerfallen dürfte..

Wenn wir aber den Wortteil so loben, so heisst dies keineswegs, dass der fasnachtsmusikalische Teil hinterher hinken würde – ganz im Gegenteil. Die Pfeifergruppe „Ego-Säu“, teilweise verstärkt durch den Tambour Andy Borer, bringen Überraschendes und vor allem qualitativ Hochwertiges auf die Bühne des Basler Marionettentheaters. Dass man ein Mani Matter-Medley schon im Drummeli hören konnte, tut dieser Einschätzung keinen Abbruch – und wenn zum „Dr Ferdinand isch gschtorbe“ ein toter Kater auf die Bühne getragen wird, bleibt kein Auge trocken. Das von Cornelius Buser arrangierte Stück ist eine Sensation, belebt durch die Marionetten-Elemente. Und beim „Tico Tico Toco no fuba“ der „Ego-Säu“ bleibt dem Publikum gar nichts anderes übrig, als mit den Füssen zu wippen.

Zum Schluss kommt dann noch eine romantische Note rein, wenn die „Hitpirate“ (auch mal als Marble Bags bekannt) eine Ode an den Münsterplatz zu „Mull of Kintyre“ intonieren. Das Trio sorgt dann für Gänsehaut und Erpel-Pelle mit dem Cohen’schen „Hallelujah“ als Hymne auf Basel. Leider verfliegt das Feeling abrupt, als sich eine Zugposaune dazugesellt, die alles übertüncht und den Text unverständlich macht. Mit der Zugabe reissen die Hitpirate aber alles wieder raus.

Alles in allem ein grandioses Erlebnis, was die Texter und Regisseure Christoph Haering und Markus Blättler zusammen mit dem BMT-Ensemble auf die Bühne zaubern. Aber eben: Wenn Sie noch kein Ticket haben, sind all die schönen Worte für Sie vergebens – alle Vorstellungen sind ausverkauft. Der einzige Trost: Auch nächstes Jahr dürfte es einen Källerstraich geben.