Ganz perseenligg: Der Text hat zu viel Gewicht!

5. Februar 2018 | Von | Kategorie: Kurz & bündig

Seit jeher wird in den Vorfasnachtsveranstaltungen den „Rääme“, den Sketches, den Texten oder wie man die Wortbeiträge nennen will, ein grosses Gewicht zugemessen. Und je länger je mehr wird daran die ganze Produktion aufgehängt, was ich persönlich nicht in allen Fällen richtig finde.

Nehmen wir das diesjährige Drummeli: Es sind sich alle Berichterstatter einig: Selten hat ein Drummeli eine solche Vielfalt an Cliquenbeiträgen erlebt: Es wird gesungen, gesteppt, getanzt und hervorragend musiziert. Aber die Gefahr besteht, dass das Drummeli 2018 bestenfalls als „durchschnittlich“ in die Analen eingeht, weil – im Zusammenhang mit den Rääme – bereits im Titel von einigen Medien negative Adjektive vorkommen. Tatsächlich gab es einige Hänger in den Texten. Und tatsächlich haben wir schon mehr gelacht. Aber das darf doch nicht der Massstab für eine ganze Veranstaltung sein?

Oder das Charivari (habe ich persönlich nicht gesehen): Man berichtet, dass die „Rääme“ nicht gut waren, teilweise peinlich und bis auf die eine oder andere Nummer keine Lacher hatten. Niemand hat mir aber von den musikalischen Leistungen der Gugge oder den Cliquen berichtet. Auch hier: Der Erfolg des Charivaris wird auf die Texte reduziert. Und das ist kurzsichtig.  Das mag vielleicht daran liegen, dass man beim Drummeli oder beim Charivari eine ganz andere Messeinheit benützt als z.B. bei einem Mimösli, wo die Rääme durch ein jahrelang bekanntes Ensemble klar positioniert sind und diese Position auch nie verlassen. Bref: Man weiss genau, was einem beim Mimösli erwartet. Und genau gleich beim Pfyfferli.

Aber eigentlich ist es abstrus: Wenn man aufgrund der Texte nicht gelacht hat oder sich gar auf den Schenkel klopfen konnte, dann war „das Charivari auch schon besser“ oder gar „das Drummeli schlecht“ (es gibt natürlich auch Jahrgänge, wo man das thematisieren muss…).  Und das ist ganz einfach nicht fair gegenüber allen Musiker/innen auf der Bühne. Diese Momente sind es dann, welche die Produzenten dazu bringen, neue Wege zu beschreiten: Vor vielen Jahren hat man beim Charivari von den konventionellen Texten, die immer wieder zu Kritik Anlass gegeben haben,  zu den „Mangolds“ gewechselt (eine Sitcom statt Rääme) und später – via Musical – zu durchgehenden Geschichten. Oder beim Drummeli zu ganz neuen Rääme (2016 – ohne den gewünschten Erfolg). Die optimalste Lösung wäre, die Produzenten hätten  Texter an der Hand, die immer „lustige Stücke“ abliefern. Aber diese Texter, mit Lachgarantie, die gibt es nicht!