Drummeli 2018 2. Teil – musikalisch hochstehend und viele neue Arrangements

3. Februar 2018 | Von | Bilder: Ivo Birrer | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Tradition vor einem Mord und ein alter Klassiker vor Rock, so zeigt der zweite Teil des Drummeli eine enorme Bandbreite. Qualitativ hochstehend und sauber vorgetragene Stücke und tolle Bühnenbilder zeigen die grosse Vielfalt und Kreativität.

Drummeli 2018

Rahmenspiel „Offside“ mit Andrea Bettini, Rula Baden, Lukas Kubik und Ekelt! (von links)

Drummeli 2018

Dupf-Club mit „Big Spender“

Drummeli 2018

Die Rootsheere-Clique mit „Die ganz(e) Alte“

Drummeli 2018

Rahmenspiel/Balkonszene mit Andrea Bettini

Drummeli 2018

Die Verschnuuffer mit „Calvados“

Drummeli 2018

Barbara-Club mit „Hommage an e Basler Birger“

Drummeli 2018

Rahmenspiel mit Rula Badeen und Dominik Gysin

Drummeli 2018

Der Central Club Basel mit „Mord am Drummeli“

Drummeli 2018

Die Basler Bebbi Basel 1930 mit „Mutzenbacher“

Drummeli 2018

Schwoobekäfer

Drummeli 2018

Die Pfluderi Clique 1929 mit „Wettsteinmarsch“

Drummeli 2018

Rahmenspiel „Jägermeister“ mit Lukas Kubrik, Rula Badeen, Skelt!, Andrea Bettini, Susanne Hueber und Dominik Gysin (von links)

Drummeli 2018

Die Naarebaschi mit „L’Unique“

Drummeli 2018

Rahmenspiel Epilog mit dem Drummeli Ensemble

Drummeli 2018

Die Negro-Rhygass mit „Unsere Wääg im Glaibasel“

Gestärkt von der Pausenverpflegung startet der zweite Teil des Drummeli mit einem Rahmestiggli zum Thema FCB-Grabfeld. Das ernste Thema wird mit einer Rula Badeen in Höchstform amüsant aufgenommen und die Kremation mit Pyrofackeln diskutiert.

Als erste Clique legt der Dupf-Club mit Big Spender einen Augenschmaus für die Damen hin. Der sehr schöne Vortrag der Pfeifer und Tambouren rückt zugunsten von vier Pfannen in den Hintergrund. Der spezielle Montageort dieser besagten Pfannen und deren Bearbeitung mit Schlegeln liess doch die ein oder andere Dame erröten und vielleicht an #metoo denken.

Beim lesen des Programmhefts könnten beim Einen oder Anderen Falten auftauchen, wenn er bei den Rootsheere liest die ganz(e) Alte. Gemeint ist jedoch ein Blick in die Zukunft mit einem (gekürzten) alten Marsch. Die Rollator-Choreografie könnte eine neue Fasnachtsform der Zukunft sein.

Die obligate Balkonszene nimmt das Grillieren auf derselbigen und das ewige Gemeckere der Nachbarn auf. Die belustigende Szenerie hat tiefergehende Ansätze (glügglig sy – was isch das?), welche noch mehr Beachtung verdient hätten.

Mit einem guten soliden Calvados entführten uns die Verschnuufer nach Paris. Ein qualitativ guter Vortrag.

Mit etwa 60 Mani Matter steht der Barbara-Club auf der Bühne und zeigt eine Hommage an e Basler Birger. Nebst Piccolo und Trommeln sind Perkussionsinstrumente in diesem Medley der bekanntesten Lieder zu hören. Das sehr schöne Arrangement wurde sehr sauber vorgetragen.

Der gelangweilte Hofnaar fragt sich «was wottsch mache?». Kann ein einzelner die Welt verändern? Oder sollte man einfach einmal hier in Basel anfangen und «zerscht liifere, denn laafere». Die Bühnenbilder aller Rahmestiggli bestehen aus einem Kreuz, welches nach Bedarf gedreht werden kann. Dieses wird in diesem Rahmen als grosser Spiegel genutzt.

Spannend geht es mit dem Central Club Basel und dem Mord am Drummeli weiter. Im Hintergrund läuft eine Szenerie (bekannt aus Dinner for One) mit einem Mord. Miss Marple macht sich die Mühe und besucht das Drummeli um den Mord selbst zu klären. Nicht nur der Mord wird aufgedeckt, sondern auch noch wunderbar musikalisch vertont. Ein fabelhaftes Arrangement.

Ein frivoler Mutzebacher legen die Basler Bebbi Basel auf die Bühne. Wobei es einen Stock höher in der Luft eher trifft. Da schwebt eine Burlesque-Schönheit auf dem Sichelmond. Dieses neue Stück zweier zeitgenössisch hochstehender Komponisten wird sehr anständig und charmant vorgetragen.

Tierisch beginnt der Schwoobekäfer seine Verse. Ob nun ein Pferdeapfel auch zum Weltkulturerbe gehört oder eine Schleiereule namens Elisabeth dem Zolli entkommen ist, wird mit gut artikulierten Versen hinterfragt. Weit wichtiger scheint Herr Berset das Telefonat an die Queen bezüglich des Rentenalters. Die Pointen waren gut herausgearbeitet.

Beim Wettsteinmarsch der Pfluderi Clique wird man in eine gewisse Ändstraichmelancholie versetzt. Diese nimmt aber mit der Aufnahme des Gesangs eine Wendung. Zur Melodie des Wettsteinmarsches wird ein Text der Vorfreude auf die drei scheenschte Dääg gelegt und so nicht nur mit den Instrumenten brilliert.

Gesungen wurde auch dann im nächsten Rahmestigggli. Der Text hingegen handelte vom Einkaufstourismus, Schnäppchenjägern und Deutschen, welche den Franken gerne nehmen und aber auch froh sind, wenn die Schweizer wieder gehen.

Auf der Bühne wird es dann laut. Eine Harley bringt den Tambourmajor der Naarebaschi auf die Bühne. Mit L’ Unique (ja das Lokal im Gerbergässlein) und Kiss-Larven wird die Bühne und das Publikum gestürmt. Dieser sauber vorgetragene Marsch ist die letzte Uraufführung und ebenfalls sehr schön arrangiert.

Die sechs Schauspieler kommen als Harlekin, Pierrot, Alti Dante, Dummpeter, Ueli und Blätzlibajass nochmals auf die Bühne um unser Weltkulturerbe zu feiern und eine schöne Fasnacht zu wünschen.

Diese fängt umgehend mit dem Morgestraich der Negro-Rhygass an. Unsere Wääg im Glaibasel zeigt die abwechslungsreiche Geschichte in Ton und Bild. Die Spezialität der Gugge, ihre Pfeifer, werden wunderbar eingebunden. Selten erntete eine Gugge dermassen Respekt und Anerkennung wie die Negro. Und dies ist nicht nur ihrer 60-jährigen Geschichte, sondern vor allem ihrem vielfältigen Auftritt zu verdanken.

Auffällig war am diesjährigen Drummeli, dass viel gesungen wurde, es viele neue und hochstehende Arrangements gab und alle Vorträge auf einem hohen musikalischen Niveau waren. Der Zuschauer kann sich auf ein vielfältiges Drummeli freuen, in dem das Auge ebenfalls bedient wird.

Die Rahmenstiggli sind sehr kurzgehalten und kurzweilig. Regisseur Laurent Gröflin hat es geschafft, das Drummeli in ein erträgliches Zeitkorsett zu kleiden, ohne die Zeit der Cliquen zu verringern. Die Auswahl der Rahmestigglithemen ist sehr Basel-bezogen und verpackt auch ernstere Themen süffisant.

Das Drummeli findet vom 3. – 9. Februar 2018 jeweils um 19.30 Uhr (ausser sonntags 14.00 Uhr) statt. Es hat noch Tickets in allen Kategorien. An der Abendkasse können Jugendliche mit Ausbildungs-Ausweis und sozial Benachteiligte mit der „KulturLegi“ Restkarten zum halben Preis kaufen. Die Tickets kosten CHF 43.-/53.-/63.-/73.- und können beim Fasnachts-Comité am Blumenrain 16, Bider & Tanner an der Aeschenvorstadt 2 und über www.drummeli.ch sowie an den üblichen Vorverkaufsstellen bezogen werden.


Drummeli ohni André, jä isch das Schaad, Schaad, Schaad, Schaad, Schaad

Mit der Premiere beginnt auch das letzte Drummeli unter André Schaad. Nach seinem neunten Drummeli übergibt er die Kopfhörer an Robi Schärz. Wenn man so in die BFO-Analen blickt, hatte André mit dem Drummeli alles durchgemacht. «Wieder wie zu Kiechli-Zeiten» oder «endlich wieder eine Balkon-Szene» bis zu «Cliquene sind die besseren Rähme» hat er manchen Höhenkilometer zurückgelegt. Immer wieder lustig, wenn er in die Cliquenübungsstunde kam um sich das Stück anzuhören und oftmals sagen musste: 4 Minute 20, denn stelle mir s Liecht ab! Selbstverständlich wurde er immer ernst genommen und das Stück wurde schneller geprobt (oder Plan B geübt: der Morgestraich). So kommt André in diesem Jahr zu einem gesanglichen Abschiedsgruss zweier Männercliquen. Dies zum einen, da alle Drummeli-Teilnehmer wissen, wie schwierig es ist, so viele Fasnachtsflöhe zu vereinen und jedem gerecht zu werden und zum anderen, da sie neun Jahre auf die kompetente Unterstützung hoffen konnten. Ich hoffe er freut sich das Drummeli im nächsten Jahr einmal ganz von vorne zu sehen und wünsche ihm dabei viel Vergnügen.