Die Mutter strahlt – Des Drummelis erster Teil!

3. Februar 2018 | Von | Bilder: Ivo Birrer | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Wenn sich langsam alle andern Vorfasnachtsveranstaltungen der Derniére nähern und schon deren Protagonisten die Müdigkeit spüren, steht die Mutter aller Vorfasnachtsveranstaltungen vor dem Spiegel, bretzelt sich auf und gibt das Zeichen für die Première: Vorhang auf für ein sehr gutes Drummeli 2018!

Drummeli 2018

Prolog mit dem Drummeli-Ensemble

Drummeli 2018

Die Aagfrässene mit „Dr Blueme Fritz“

Drummeli 2018

Giftschnaigge mit „S Lumpeditti“

Drummeli 2018

Rahmenspiel „Massgeball“ mit Susanne Hueber und Lukas Kubik

Drummeli 2018

Seibi Jungi Garde mit „Seibi-Retraite“

Drummeli 2018

Seibi & Seibi Mysli mit „Pfeifer-Retraite“

Drummeli 2018

Rahmenspiel „Alles ambulant“ gerappt von Skelt!, begleitet von Marina Suter (Piccolo), Moreno Abert (Trommel) und dem Drummeli-Ensemble

Drummeli 2018

Lälli Clique mit „S Nunnefirzli“

Drummeli 2018

Muggedätscher mit „Z Basel am mym Rhy“

Drummeli 2018

D Gryysel

Drummeli 2018

Olympia 1908 und Märtplatz-Clique mit „San Carlo“

Drummeli 2018

Rahmenspiel „Mäntig Morgenpost“ mit Susanne Hueber, Skelt!, Andrea Bettini, Rula Badeen und Dominik Gysin (von links)

Drummeli 2018

Die Opti-Mischte mit “ D Spalewaie“

Drummeli 2018

Rahmenspiel „Stadtfierig“ mit Dominik Gysin, Skelt!, Susanne Hueber, Andrea Bettini und Lukas Kubik (von links)

Drummeli 2018

Rätz-Clique 1923 mit „Mutzebebbi“

Drummeli 2018

Die Gugge Stachelbeeri mit „Another Brick in the Wall“

Drummeli 2018

Rahmenspiel „Coop Scanner“ mit Skelt! und Rula Badeen

Drummeli 2018

Das tanzwerk Basel und das Swiss Junior Drum Show Pfeifer-Ensemble mit „Carmen – D Fasnacht danzt“

Das Programm beginnt mit einem Prolog! Die Schaupieler – die übrigens allesamt eine wundervolle Arbeit abliefern – stehen als Fischer am Rheinbord und holen sich Thema für Thema von 2017 aus dem Rhein. Die Schauspieler performen mit Larve und der Text ist ein richtiger Prolog-Text. Wir lehnen uns zurück und freuen uns aufs Drummeli!

Die Startnummer 1 im Abfahrtsrennen ist selten vorteilhaft. Auch im Drummeli ist es diese Nummer, an die man sich dann plötzlich nicht mehr erinnert, weil noch so viele andere folgen. Aber die Agfrässene machen es wie Beat Feuz – und der hat bekanntlich mit der Nummer 1 die Lauberhornabfahrt gewonnen: Sie zelebrieren auf der Bühne eine sehr gefühlsvolle Hommage an den Blueme-Fritz mit einem eigens dafür komponierten Marsch – dr Bluemefritz – inkl. Lied. Alles schön und verständlich und perfekt musiziert.

Es folgen d Giftschnaigge mit einem wunderbaren Bühnenbild und dem Lumpeditti. Ein sehr schöner Vortrag mit einer orginellen Idee.

Das nächste Rahmenstügg spielt an einem Masggeball für die ersten 300 Regierungstage von Frau Ackermann. Die Pointen sind noch etwas still, aber man merkt gut, dass viel Politik in den Rahmestiggli steggt. Und das war dereinst die Kernkompetenz der Textabteilung am Drummeli. Und langsam bewegt man sich wieder in diese Richtung.

Dann der eigentliche Hammerauftritt der ersten Hälfte. Eine Monsternummer in allen Belangen: Sie ist lang, schön, gross und beschäftigt gefühlte 200 Fasnächtler und -innen: Zuerst sehen wir die Junge Garde der SEIBI mit ihrer speziellen Retraite. Alle in weiss. Dann plötzlich kommt der Stamm zusammen mit den Seibi-Mysli – ganz in schwarz – und lösen nahtlos die Jungen ab. Unnötig zu schreiben, dass das Finale dann wieder alle vereint und – nebst einem ultraschönen Bild auch ein Volumen bietet, dass im ersten Teil einmalig bleiben wird. Ich darf mich verbeugen und mich den Bravo-Rufen aus dem Publikum anschliessen!

Auf diesen Auftritt folgt wieder das Ensemble – wieder mit Larven – und macht einen Abstecher ins Gesundheitswesen. Die Form ist toll: Sprecher, Trommler, Pfyffer und Chor. Man sieht nicht, wer unter dem «Sprecher» versteckt ist. Es darf aber angenommen werden, dass SKELT sein Taktgefühl einsetzen durfte…

Eine weitere Totenehrung steht an: Diesmal taucht Georg Gruntz auf der Leinwand auf und d Lälli spielen s Nunnefirzli. Da kann man nur sagen: Perfekt vorgetragen. Die Übungsstunden haben sich gelohnt. Gratulation (was allerdings die vier Statisten vor der Pfyffergrubbe machen, ausser die Sicht zu versperren, verstehe ich ehrlich gesagt nicht….)

Und dann folgt der zweite Höhepunkt des Abends. Erinnerung an die legendäre «Gifthüttli»-Nummer der Schnurebegge vor vielen Jahren, räumen d Muggedätscher ab: Es wird eine Party auf der Strasse gezeigt (Grünpfahlgasse, wahrscheinlich…), wo sich «Zivile» benehmen wie auf der Skihütte. Und dann kommen die Fasnächtler und wollen ihren Marsch spielen … weiter zu erzählen wäre hier gespoilert. Das Ende ist grossartig und Muggedätscher erhalten der ersten Abgangsapplaus des Abends.

Der erste der beiden Drummeli-Bängg zieht in das klerikale Bühnenbild. D Grysel (Comité 1914) singen mehrstimmig ihre guten Verse, darunter ein Langvers über die SRG und No-Billag. Bei den Grysel immer dabei: ein paar Ausdrücke aus der Fäkal-Tasche, aber irgendwie geht das bei denen durch. Superbangg!

Und dann kommt schon der nächste ultraschräge Auftritt. D Olympia und d Märtplatz kommen beide zusammen ohne Instrumente auf die Bühne und singen den Gugge-Marsch San Carlo. Dann ziehen sie die Larven ab, singen mit unverhüllten Gesichtern weiter und gehen dann von der Bühne. Toller Auftritt, das Publikum ist begeistert, der Applaus riesig. Aber den Sinn der Sache erschliesst sich nur, wenn man Beziehungen zu einem Olymper hat. Der erklärt dann, dass das eine «Hommage» an die Guggenmusiken sei, weil die auch immer die Larven ausziehen während dem Vortrag. Aha. (Es haben sich nicht alle getraut, ohne Larve zu singen: in der ersten Reihe hat einer eine Roger-Staub-Mütze angehabt…)

Dann wird zum lustigsten Rahmenstigg angesetzt, einer Touristengruppe wird das Basler ÖV-System erklärt – hier darf richtig gelacht werden. Der zweite Teil des Rahmenstigglis – es wird unterbrochen durch die Opti-Mischte, die Faschtewaje backen und verteilen und d Spalewaje vortragen – geht dann als Stadtführung weiter. Herrlicher Schwank.

Der letzte Abschnitt des ersten Teils wird eingeläutet durch d Rätz-Clique mit einem tollen «Mutzebebbi» von Altmeister Alex Felix und arrangiert vom Arrangeur, der diesen Titel auch verdient hat: Michi Robertson. Lustige Goschdymkombination zwischen Bäärelarve und Basler Goschdym.

Dann kommt die echte Gugge zum Zug: D Stachelbeeri – 50 Jahre alt – zelebrieren Pink Floyds «Another brick in the wall» und bieten tatsächlich einen Schülerchor auf um deren Part zu singen. Wenn jetzt dieser Text noch in Baseldytsch gewesen wäre… Aber auch sonst: Hell of a show! Danke für das Mitnehmen in unsere Jugend!

Nocheinmal kommt das Ensemble zum Zug mit einem Raame im Coop vor den Scan-Apparaten (wie kann man nur eine Elsässerin so perfekt imitieren… Bravo!). Lustiger Abschluss!

Und dann kommt die Drummeli Wild Card: Eine neue Idee als Abschiedsgeschenk von André Schaad an sein Team! Eine Gruppe durfte sich bewerben um einen Auftritt beim Drummeli. Geworden ist es Sabine Freuler mit der stepptanzschule tanzwerk. Die jungen Menschen bieten – zusammen mit einer Gruppe aus Pfyffern und einem Tambour – ein feuriges Intermezzo nach Bizets Carmen! Experiment gelungen!

Der erste Teil des diesjährigen Drummeli ist sehr gut. Viele schöne Ideen, eine tolles Schauspielerensemble, eine glückliche Regie, viel schöne Fasnachtsmusik. Es gibt nicht wirklich was zu nörgeln. Beste Unterhaltung, tolle Stimmung. Die Mutter aller Vorfasnachtsveranstaltungen hat sich herausgeputzt und man schaut wieder zu ihr auf!