Rämpläm: Grandioser Wirrwarr der Musikstile – jetzt auch abendfüllend

25. Januar 2018 | Von | Bilder: Michaela Brosig | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Egal, ob jazzig, im Opern-Stil, nach Simon & Garfunkel oder Techno – die Zweitauflage des Rämpläm brilliert musikalisch und auch textlich. Man könnte den Abend im „Tabourettli“ so zusammenfassen: Aus Anarchie und Chaos zur fasnächtlichen Harmonie. Eine grandiose Verstärkung ist die gelernte Opernsängerin Bettina Gfeller. Und – im Gegensatz zur Erstauflage – reichten die Einfälle auch für ein gelungenes Programm nach der Pause.

 

460A1107

460A1117

460A1119

460A1139

460A1143

460A1150

460A1151

460A1165

460A1176

460A1191

460A1213

460A1227

460A1248

460A1260

460A1285

460A1340

460A1357

460A1367

460A1375

460A1411

460A1513

460A1532

460A1581

460A1593

460A1616

460A1632

460A1671

460A1676

460A1689

460A1719

460A1757

460A1877

Nach der gelungenen Premiere im 2016 war man gespannt, ob es eine Zweitauflage des Rämpläm gibt. Die Macher liessen es offen und erst im vergangenen Spätherbst die Katze aus dem Sack: Ja, es gibt ein Rämpläm 2018. Man muss es deutlich aussprechen: Gottseidank! Beim zweiten Mal hat man sich nochmals verbessert und bringt nun ein abendfüllendes Programm auf die Tabourettli-Bühne, das sich wirklich gewaschen hat.

Der „farbebrächtige Grand-Brie vo Fasnachtsmusik“ – so die Ankündigung – bringt nicht nur den versprochenen kunterbunten Reigen von Liedern, gewürzt mit satirischen Texten. Man wildert frech und chaotisch in allen Gehegen moderner und alter Musik, bringt dies fachlich gekonnt, mit schönem Witz rüber und findet immer wieder den „Rank“ zur Basler Fasnacht.

Die Akteure können dabei von ihrer Ausbildung profitieren wie vor allem die klassische Sängerin Bettina Gfeller, die neu im Team und natürlich eine gewaltige Verstärkung ist. Sie findet mit der Arie von der verlassenen Fasnächtlerfrau, die sich zu trösten weiss, zu ihrem Höhepunkt, bricht dies gleich danach aber in origineller Form als trällernder Single, die an der Fasnacht menschliche Nähe, aber auch „blutte Sex“ will.

Ebenfalls neu dabei ist Urs Bihler, der (nach eigenen Angaben) im gesetzteren Alter noch eine bemerkenswerte vorfasnächtliche Karriere vom Drummeli übers Pfyfferli zum Rämpläm hinlegt. Dass er zuletzt im Goetheanum den Mephisto spielte, bringt er gleich mit in sein jetziges Engagement und erklärt statt Dr. Faust halt einem Expat in Goethe-gleichen Versen die Basler Fasnacht.

Auch die anderen Teammitglieder glänzen in Solonummern. So Mundakrobat Florens Meury, der als „DJ Vorwärts Marsch“ einen Einblick gibt, wie die Fasnacht in einigen Jahren aussehen respektive anzuhören sein könnte. Mein Tischnachbar, der in der Pause schon entsetzt stammelte: „Y bi schockiert“ (er hat sich wahrscheinlich im Stockwerk geirrt und wollte ins Pfyfferli), dürfte die Techno-Klänge mit Grausen gehört haben. Er verabschiedete sich denn auch mitsamt Partnerin noch vor der Zugabe.

Mehr Spass machte dem guten Mann wahrscheinlich Florian Volkmann, der mit Ukulele den Simon & Garfunkel-Hit „Sounds of Silence“ fasnächtlich umdichtete. Und eine Glanznummer hatte dann auch noch Produzent und Hobbyschlagzeuger Martin Bammerlin, der einen fasnächtlichen Shitstorm auf den Social Medias wegen eines unerhörten Vorfalls bei der Schotte Clique ausspielte. Und zwar geschah es, dass… aber gehen Sie doch selber schauen!

Bei der Ausgabe 2016 musste kritisiert werden, dass die Qualität nach der Pause etwas abfiel und zum „Auffüllen“ einfach die besten Nummern des ersten Teils wiederholt wurden. Dieses Mal war längstens genug „Material“ für beide Teile des Programms vorhanden. Ja, sogar die Zugabe brachte etwas Neues und Gutes (schade, mein Tischnachbar war dann schon weg…).

Und doch bleibt – wenn auch auf sehr hohem Niveau – bei der Zweitauflage ein Kritikpunkt: Bei manchen Nummern weiss der Zuschauer schlicht nicht, wann er den verdienten Applaus spenden soll. Ob hier der neue Regisseur Roland Suter nachbessern muss oder der Mann am Licht genauere Anweisungen braucht, entzieht sich dem Wissen des Chronisten. Oder waren dies gar keine Pannen, sondern einfach weitere, gewollt chaotische Elemente?

Fazit: Der Rämpläm-Abend ist ein voller Genuss. Und die beste Nachricht für alle, die sich selbst ein Bild machen wollen: Es hat noch Billetts für fast alle Vorstellungen. Es ist aber zu vermuten: Nicht mehr für lange…

Rämpläm: 25. Januar – 10. Februar 2018. Theater Tabourettli, Spalenberg 12 in Basel. Vorverkauf von 15.00 – 18.00 Uhr an der Theaterkasse oder Telefon 061 261 26 10. Bestellungen auch online auf der Website des Theater Fauteuil möglich.