Charivari 2018; e Basler-Dyybli uff de Brugge

21. Januar 2018 | Von | Bilder: Michaela Brosig | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Das Charivari 2018 nimmt seine Gäste mit auf eine Flussfahrt den Rhein abwärts, wobei man bei jeder Basler Brücke einen Zwischenhalt einlegt, um den Raamestiggli zuzuschauen oder der schönen Fasnachtsmusik zu lauschen. Eine Flussfahrt, die sich wirklich lohnt, wie die Premiere am Samstag im Volkshaus bewiesen hat.

Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach, trifft so für das Charivari 2018 sicherlich nicht zu. Das Publikum erwartet eine Tour de Bâle vom Kraftwerk Birsfelden bis zur Dreirosen-Brücke, wobei man vom ersten Augenblick an von der Kulisse begeistert ist… und die Taube ist allgegenwärtig…
Das Charivarimännli lüftet den Vorhang mit einem lauten: Charivari, Vorwäärts, Marsch… und die Pfeifergruppe trällert das Charivariliedli wunderbar von der mittleren Brücke in den Rhein. Alsdann erscheint das vollständige Ensemble (Mirjam Buess, Nico Jacomet, Tatjana Pietropaolo, Stephanie Schluchter Martin Stich, Colette Studer und Roger Wicki in ihren Narrenkostümen und mitten drin, das Charivarimännli. Ein absoluter Hinkucker, das Charivari 2018 ist lanciert.

Der Ausflug startet nun am Kraftwerk in Birsfelden, wie die Durchsage aus dem Lautsprecher in Deutsch und Englisch verkündet. Dort entschlüpft ein Repräsentant dieses Bauwerkes wie ein Geist aus der Kulisse. Im Style von Ernst Fischer von der Fischer Bettwarenfabrik Wädenswil, weist er auf die Sehenswürdigkeiten rund um das Wasserkraftwerk hin und unterstreicht abschliessend, dass Parkplätze lediglich auf Landschäftler Boden in Birsfelden zur Verfügung stehen. Köstlich.

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Nächster Halt: Schwarzwaldbrücke. Hier erleben wir eine Spannerin mit Fernglas (Stephanie Schluchter), welche eigentlich keine Zeit zum Spannen hat, aber trotzdem die Rheinschwimmer am Solitude beim Umkleiden beobachten kann. Alsdann fahren wir zur Wettsteinbrücke, wo sich unser Basler-Dyybli (Tatjana Pietropaolo) von den Fahrradfahrern in Acht nehmen muss und trotzdem unter die Räder kommt. Möglicherweise gerade deswegen macht sie sich danach Luft und dies durchschlagend. „Fir das studiersch 15 Semester Theater“ flucht sie in den Rhein, weil sie von Colette Studer das Taubenkostüm für diese Produktion aufs Auge gedrückt bekam. So richtet sich ihr Zorn gegen die Regiesseurin aber auch gegen den Programmchef Erik Julliard, weil dieser offenbar das Budget für eine andere Rolle nicht aufbringen konnte. Einfach grossartig vorgetragen, und sie wird mit Bravo-Rufen verabschiedet.

Die nächste Brücke, die Mittlere. Colette Studer als Darstellerin der wichtigsten, aber natürlich auch ältesten Brücke in Basel. Sie entsteigt dieser wiederum aus dem Nichts und sinniert, frisch überholt, über den Stellenwert dieser verbindenden Autofreien Steinbrücke. Prima.

Während unter der Johanniter-Brücke Mirjam Buess ein Chanson zum Besten gibt, muss sich unsere Taube auf der Brücke schon wieder vor den Fahrrädern verstecken und wird schliesslich von einem Allzeitstudenten angegangen, der sich über die Ernährungsgewohnheiten in Studentenkreisen beschwert. Diese aggressive Stimmung kippt alsdann, wenn er sich an die Essgewohnheit während der Basler Fasnacht gesinnt.

Letzter Halt: Dreirosenbrücke. Nun wird es rappig! Martin Stich besticht mit einem sozial-geschellschaftlich-kulturellen Rap rund um das neu geschaffene Dreirosenquartier. Spitzenmässig. Toll auch die tänzerische Darbietung unseres Basler-Dyybli, die sich passend zum Rhythmus bravourös verrenkt.

Auf der Reise „em Babbe Rhy durabb“ hat das Publikum aber auch die Möglichkeit das Schiff zu verlassen und einen Ausflug in die Stadt vorzunehmen. Einer dieser Ausflüge führt sie an den Tattoo-Shop, wo zwei Kunden endlich an Charivari-Tickets kommen wollen. Ein Vorhaben, dass ihre Nerven arg strapazieren soll. Zudem trifft man auf diesen Ausflügen immer wieder Fasnachtsformationen, die musikalisch zu begeistern wissen.

Der anspruchsvolle Fasnachtsmarsch „Synkopia“ ist eine Komposition von Michael Robertson und wird von der Pfyffergrubbe Spitzbuebe prächtig vorgetragen, zudem wissen sie auch mit „z Basel Fäggs am Bach“ zu überzeugen. Zwei sehr schöne Nummern.

Mit dem beliebten „Dudelsagg“ steht die Basler Rolli Fasnachtsgesellschaft 1969 in der Kulisse. „Dr Keenig“ heisst ihr zweiter Vortrag und beide werden eindrücklich präsentiert. Als Sahnehäubchen folgte schliesslich noch die Trommelshow „Cool Light Sticks“, welche von der  Drumelgrubbe vo de Basler Rolli effektvoll vorgeführt wird.
Mit „dr Prinz Carneval“ erfährt das Charivari eine Welturaufführung. D Drummelgrubbe Ueli 1876 und Fründe bringen diesen Trommelmarsch, über welchen man im Vorfeld der Premiere in der BaZ bereits ausgiebig berichtete, knackig, kernig und stimmig auf die Bühne. Toll!

Eine schöne Rolle darf auch in dieser Spielzeit Beat Schmidiger mit seiner Handorgel einnehmen. Er begleitet manche Nummer harmonisch und gehört zwischenzeitlich zum festen Bestandteil des Ensembles.

Die Kleinbasler Guggemuusig Ohregribler erntet alsdann tosenden Applaus für ihren „The Sound of Silence“. Auch ihre beiden Folgestücke sorgen für Wohlgefallen für Aug und Ohr. Sie spielen aufgrund ihrer Anzahl auf und unter der Brücke und führen die Tourgäste schliesslich in die Pause.

Bei einer Tour de Bâle trifft man in der Vorfasnachtzeit an jeder Ecke einen Verkäufer, der lauthals die „Blaggedde“ zum Verkauf anpreist. Eben einen solchen Verkäufer verkörpert Mathias Brenneis als langhaariger FCB-Fan. Aus seiner ausgefeilter Strategie, wie man diese Fasnachtseintrittsmetallabzeichen an den Mann resp. Frau bringt und wie man den Preis für die goldene Plakette festlegen muss, kann man durchaus seine Lehren ziehen. Ein wiederum gelungener Soloauftritt.

Nebst unserer Taube trifft man beim Ausflug dem Rhein entlang auch anderes Federvieh. In diesem Falle handelt es sich um fünf Krähen oder Rabenvögel namens D Gwäägi (Comité 1914). Warum Erik Julliard diese Schnitzelbanggformation bis 2075 als Charivari-Hausbank verpflichten will, wird auch bei ihrem diesjährigen Vortrag offenkundig. Pointen werden hier meinerseits natürlich keine verraten, soviel sei jedoch erwähnt: hashtag MeToo…. ooder myymuu… das Premierenpublikum war begeistert.

Den Abschluss des Charivari 2018 oder dieser Tour de Bâle feiert man schliesslich bei der mittleren Brücke am oder sogar im Rhein. Treffend mit „z Basel uff dr Brugg“ geben sich nochmals alle Fasnachtsformationen und das Ensemble ein Stelldichein und spielen alle gemeinsam die Schlussnummer. Ein tolles, farbenfrohes Schlussbild und mit dem Charivari-Schlussliedli entlässt man das Publikum in die Fasnacht.

Das Charivari 2018 bietet ein rundum gelungenes Konzept, ein Bühnenbild, welches einem von den Socken haut, ein Ensemble, das vollends zu überzeugen weiss, Fasnachtsmusik auf höchsten Niveau, einen Schnitzelbangg, der die Gäste zu Beifallsstürmen hinreissen vermag und, eine Taube, die charmant, witzig und talentiert bestimmt keinem auf den Kopf scheissen wird… Dieser feuchtfröhliche Ausflug dem Rheinknie entlang hat sich wirklich gelohnt.

Resttickets
Charivari 2018
: 20. Januar bis 3. Februar (15 Vorstellungen,) jeweils 20 Uhr, sonntags 18 Uhr. Zusatzvorstellung am Samstag, 03. Februar, 14:00 Uhr, Volkshaus Basel. Tickets Fr. 49.- / 65.- / 74.-. Diverse Hospitality-Angebote. Vorverkauf im Basel Tattoo Shop, Schneidergasse 27, Basel sowie an allen Ticketcorner-Verkaufsstellen. Mehr Infos über www.charivari.ch