s Ridicule 2018: E Nase voll Fasnacht

11. Januar 2018 | Von | Bilder: Ivo Birrer | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Zum 19. Mal findet im Theater Förnbacher im Badischen Bahnhof das Ridicule statt. Mit feinem Agieren vermag das Ensemble das Publikum mit ihrem Schauspiel zu verzaubern und die Fasnachtsmusik ist etwas vom Besten, was man in der Vorfasnachtszeit auf Platz Basel geniessen darf.

Die Premiere des Ridicule 2018 ging gestern Abend über die Bühne und unter den Gästen befand sich wiederum „der Papst der Baseldeutschen Sprache“ Carl Miville. Auch mit 97 Jahren liess er es sich nicht nehmen, dieser Vorfasnachtsveranstaltung beizuwohnen. Er, aber auch das restliche Premierenpublikum, mussten ihr Kommen nicht bereuen, ganz im Gegenteil!

22 Programmpunkte umfasst die diesjährige Ausgabe des Ridicule, wobei sich die Nummern, welche die Schauspieler präsentieren und die musikalischen Darbietungen, die Waage halten.

Beim Prolog mit Victor Behounke und Markus Heiniger sowie der ersten Nummer „Waisch no…?“ mit Gisèle Rastberger und Hanspeter Stoll, wird man nostalgisch in die Vergangenheit zurückversetzt und es wird auf die Tränendrüsen drückend über die früheren Fasnachten philosophiert und das diese heute kommerzialisiert und zu einer Event-Fasnacht verkommt. Sofort sind die Gäste im Fasnachtsmodus.

Danach wird gesungen und das Publikum darf mit einstimmen. „z Basel – uff dr Brugg – „ im Wechselklang mit „uff dr Fähri“. Hierbei gesellt sich das restliche Ensemble: Fabienne Affolter, Kristina Nel, Markus Heiniger und Helmut Förnbacher auf die Bühne. Eine beschaulich, musikalische Fahrt mit der Fähre über den Rhein, welche nicht enden soll. Wunderbar!

Grossartig auch Kristina Nel als Vertreterin von Tourismus Basel, welche als Alemannin die Besucher mittels der eigens angefertigten Broschüre die Basler Fasnacht näher bringen will. Was man darf oder eben nicht, wie man was bezeichnet oder in Basel benennt und was der Bebbi verpönt, wird hier ganz köstlich vorgetragen.

„Sproch – los“ befasst sich mit der political correctness. Was kann man wie noch sagen, was darf man nicht mehr. „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan- der Mohr kann gehen! oder wie muss man einen Mohrenkopf denn überhaupt noch bezeichnen? Überraschend bei dieser Nummer ist, wieviele Wörter mit Mor beginnen, die man allenfalls auch ändern müsste/sollte und sinniger Weise fragt das Ensemble abschliessend, ob man bedenkenlos den Morgestraich begehen darf.

s’Ridicule 2018

Prolog mit Markus Heiniger (links) und Victor Behounek

s’Ridicule 2018

Weisch no.? mit Gisèle Rastberger und Hanspeter Stoll

s’Ridicule 2018

D Wanze mit den „Pfyffere vom Ridicule“

s’Ridicule 2018

z Basel – uff dr Brugg – und uf dr Fähri mit Helmut Förnbacher

s’Ridicule 2018

z Basel – uff dr Brugg – und uf dr Fähri mit Markus Heiniger

s’Ridicule 2018

z Basel – uff dr Brugg – und uf dr Fähri mit Kristina Nel (hinten), Helmut Förnbacher (links), Victor Behounek und Hanspeter Stoll

s’Ridicule 2018

z Basel – uff dr Brugg – und uf dr Fähri mit Kristina Nel (links) und Fabienne Affolter

s’Ridicule 2018

z Basel – uff dr Brugg – und uf dr Fähri mit Helmut Förnbacher (links) und Victor Behounek

s’Ridicule 2018

Dr Wägwyser mit Markus Heiniger

s’Ridicule 2018

Welcome… mit Kristina Nel

s’Ridicule 2018

Altfrangg mit den „Pfyffere vom Ridicule“ …

s’Ridicule 2018

…und den Tabouren von „pianoforte“

s’Ridicule 2018

Sproch-los… mit (von links) Gisèle Rastberger, Victor Behounek, Fabienne Affolter, Hanspeter Stoll und Kristina Nel

s’Ridicule 2018

Die vier Jooreszyte gespielt von den „Pfyffere vom Ridicule“

s’Ridicule 2018

Faschtewaje vorgetragen von den Tambourengruppe „pianoforte“

s’Ridicule 2018

E Balkon-Szene mit Helmut Förnbacher (links) und Hanspeter Stoll

s’Ridicule 2018

Ych bi im ene Koffer uff d Wält ko… stimmgewaltig inszeniert von Markus Heiniger

s’Ridicule 2018

Dr Fischmärt wunderbar intoniert von den „Pfyffer vom Ridicule“

s’Ridicule 2018

Wunderbarer Bank der BSG: Giftspritzi

s’Ridicule 2018

E fryndligi Yybernaam mit Markus Heiniger als bayrische Oktober-Fest Abgesandte,

s’Ridicule 2018

„pianoforte“ und „Pfyffer vom Ridicule“ brillieren mit der Pfeifer Retraite

s’Ridicule 2018

Fabienne Affolter als BVB-Leitstelle in der Drämmli Balkonszene

s’Ridicule 2018

D Swingvögel bringen im Stück „The Piccoli and the French Horn“ die beiden Instrumente eindrücklich in Einklang

s’Ridicule 2018

Ändlig wider… mit dem Hausherren Helmut Förnbacher

Gisèle Rastberger wurde die Nummer „zem halbe Pryys…“ auf den Leib geschrieben. Die Post verschwindet, die Zahlungen und der Versand von Briefen müssen zwischenzeitlich online getätigt werden. Die Schwierigkeit für die ältere Generation, sie haben keine Erfahrung mit dem PC, so besucht sie einen Anfängerkurs für Senioren der 6 Monate dauert. Schliesslich ist sie in der Lage sogar Bestellungen zu tätigen, was auch seine Tücken mit sich bringen sollte. Ein wirklich gelungener Vortrag und wenn die Premierenervosität abgelegt ist, kommt es bestimmt auch noch etwas flüssiger auf die Bühne.

Mit gleich drei Solonummern kann Markus Heiniger sein grosses musikalisches aber auch schauspielerisches Können unter Beweis stellen. Die erste Nummer „dr Wägwyser“ indes, lässt das Publikum mit der Frage zurück, wo dieser Weg hinführen sollte. Seht tiefgründig „ych bi im ene Koffer uff d Wält ko..“ wo er als Edeltranse gleich in zwei Sprachen brilliert und bei „e fryndligi Yybernaam“ als Bayrische Dame, welche die Fasnacht als Oktoberfest annektieren möchte, ist amüsant und prima vorgetragen.

Gut vorgetragen hat auch dr Ridicule-Bangg d Giftspritzi seine Verse. Von Premierennervosität bei ihm nichts zu spüren, liess er Donald Trump, Emmanuel Macron, Christian Constantin, Boris Becker, Roger Federer, Polo Hofer oder Stapi Elisabeth Ackermann über die Klinge springen. Die wirklich gelungenen Helgen untermalen die guten Verse. Ein toller Auftritt!

Die Balkonszenen gehören zum Ridicule wie die Faust auf’s Auge. Höchst amüsant wie die beiden „Gumsle“ Vreni und Rösli alias Helmut Förnbacher und Hanspeter Stoll sich gegenseitig die Pointen versauen. Sie lästern über die sexuellen Übergriffe in Hollywood und dem Bundeshaus und führen einen veritablen Dialog mit der Leitstelle der BVB (Fabienne Affolter) und deren verkappten Verkehrsführung unter dem Motto Drämmli, Drämmli, Drämmli….uff di wart y nämmli…“e Ziggle uff hoochem Niveau!“

Der Überraschungsgast im diesjährigen Ridicule ist lediglich virtuell zugegen. Helmut Förnbacher kommentiert während der ganzen Vorstellung immer wieder auf die Leinwand projizierte Karikaturen, welche den amerikanischen Präsidenten Donald John Trump, in verschiedenen Posen darstellt.

Michèle Zeggari und ihre Pfeiferköniginnen als d Ridicule-Pfyfferinne, verzaubern die Gäste mit hervorzuhebender Piccolo Kunst. „D Wanze“, „dr Altfrangg“ (zusammen mit den Tambouren von pianoforte) „die vier Jooreszyte“, „dr Fischmärt“ und „d Pfeifer Retraite“ (mit pianoforte) wurden allesamt bravourös unter die Bahnschienen geträllert. Ein absoluter Genuss!
Die Tambourenformation pianoforte überzeugten zudem mit „d Faschtewaje“ aus der Feder von Ivan Kym.

Für den musikalischen Schlusspunkt sorgen wiederum d Singvögel. In diesem Jahr vereinen sie das Piccolo mit dem French Horn. Bei Passagen aus dem Titelsong zur Spielfilmreihe „back to the future“, „morgens um Sieben ist die Welt noch in Ordnung (James Last)“, Ave Maria, dem Thema aus „spiel mir das Lied vom Tod (Ennio Morricone)“ „der Tells Overture“, „Samba do Brasil“ und „my way (Frank Sinatra) haben sie das Publikum sofort in ihren Bann gezogen. Ein weiterer musikalischer Höhepunkt eines tollen Ridicule 2018.

Mit dem Gedicht „ändlig widr…… Morgestraich“ vorgetragen von Hausherr Helmut Förnbacher geht es in den Epilog. Das vollständige Schauspielensemble und die Fasnachtsmusiker verabschieden sich alsdann gemeinsam vom Publikum, welches an der Premierenvorstellung den Protagonisten mit lang anhaltendem Beifall ihren Tribut zollt.

E Nase voll Fasnacht; Ridicule 2018 im Theater Förnbacher. Eine Vorfasnachtsveranstaltung der etwas feineren Art, bei welcher das Schauspiel und hochklassige Fasnachtsmusik im Vordergrund stehen. Ein Besuch dieser Veranstaltung ist absolut empfehlenswert!

Ridicule 2018: Förnbacher Theater im Bad. Bahnhof. Vorstellungen im Januar am 10., 12., 14., 20., 26. und 27., im Februar am 3., 4., 9., 10., 11. und 17. (sonntags um 18.00 Uhr, werktags um 19.30 Uhr). Vorverkauf u. a. bei Ticketcorner und Bider & Tanner. Tickets um Fr.60.-.