bz Titelt: Tierschützer haben Erfolg: Für den Einsatz von Pferden gelten an der Basler Fasnacht neue Regeln

10. Januar 2018 | Von | Kategorie: Medienmitteilungen

bz Online vom 10.01.2018 

Pferde am Cortège ist ein umstrittenes Thema, die Kritik von Tierschützern war zuletzt laut. Jetzt haben der Kantonstierarzt und der Obmann des Fasnachts-Comités reagiert und Massnahmen festgelegt. Sie gelten bereits für die kommende Fasnacht.

Für die Fasnacht vom 19. bis 21. Februar 2018 gilt eine Deklarationspflicht: Dem Fasnachts-Comité müssen Angaben über die Kutscher und die eingesetzten Pferde gemacht werden. „Zudem müssen die gemeldeten Pferde eindeutig identifizierbar sein, und Kutscher müssen eine entsprechende Ausbildung und Fahrlizenz nachweisen können.“ Das melden das Gesundheitsdepartement Basel-Stadt und des Basler Fasnachts-Comité am Mittwoch gemeinsam. Die Erhebung über die Deklaration dient künftig als Grundlage für allenfalls weitere Massnahmen.

Und noch ein weitreichender Entscheid ist gefallen. Die innere und äussere Route wird auf mögliche Belastungen für das Pferd überprüft. An mindestens zehn ausgewählten Orten sind neu spezielle Pausenzonen definiert. Ein Platztierarzt werde Pferde stichprobenweise aus dem Cortège auswählen und einem kurzen medizinischen Check unterziehen. Mit dieser Massnahme soll die Belastung der Tiere objektiv ermittelt werden und dem Vergleich zu bereits bestehenden Studien dienen.

Am Dienstagabend haben der Kantonstierarzt und der Obmann des Fasnachts-Comités sowie weitere Vertreter des Veterinäramtes und des Fasnachts-Comités die geschilderten Massnahmen mit den betroffenen Akteuren diskutiert und offene Fragen beantwortet.

Erfahrene Tiere sind weniger gestresst

Eine im vergangenen Frühjahr veröffentlichte Studie der Universität Zürich zum Zürcher Sechseläuten hatte ergeben, dass die Teilnahme für das Tier nicht stressiger als eine Spring- oder Dressurprüfung ist. Angehende Tiermediziner hatten die Stressbelastung von 23 Pferden untersucht, die für neun Zünfte am Sechseläuten teilnahmen.

Unterschiede zeigten sich dabei zwischen erfahrenen und unerfahrenen Pferden: Tiere, die zum ersten Mal am Sechseläuten teilnahmen, hatten eine deutlich höhere durchschnittliche Herzfrequenz. Die Forscher schlossen daraus, dass es sich lohnt, Tier und Reiter im Vorfeld auf die Reize und Anforderungen eines solchen Anlasses vorzubereiten. (jk/sda)

Auszug aus den Polizeivorschriften betreffend die Fasnacht
vom 01. Dezember 2017

Die Kantonspolizei Basel-Stadt, gestützt auf §§ 1 und 2 des Polizeigesetzes (PolG, SG 510.100) – unter Hinweis auf die Strafbarkeit von Übertretungshandlungen gemäss § 42 des kantonalen Übertretungsstrafgesetzes (UeStG, SG 253.100) sowie auf das Strassenverkehrsrecht (SVG, SR 741.00) mit den zugehörigen Verordnungen – legt hinsichtlich der Fasnacht Folgendes fest:

  • 2. Definitionen

3 „Chaisen“ bzw. „Tierfuhrwerke“ sind Fahrzeuge ohne eigenen Antrieb, inbegriffen Schlitten, die für den Tierzug eingerichtet sind (Art. 23 Abs. 2 Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge [VTS, SR 741.41]).

III. Wagen, Chaisen und Requisiten

  • 5. Zulassung zum Cortège 1 Aus Sicherheitsgründen werden zum Cortège insgesamt nicht mehr als 120 Wagen von Wagencliquen, 15 Wagen von übrigen Cliquen und 30 Chaisen zugelassen. Das Fasnachts-Comité (nachstehend Comité), als Organisator des Cortèges, entscheidet endgültig über die Zulassung von Wagen und Chaisen. 2 Die im Rahmen des Kontingentes gemäss Abs. 1 hievor zugelassenen Wagen und Chaisen bedürfen einer nummerierten Vignette des Comités, die in zweifacher Ausfertigung an den vom Comité bezeichneten Stellen anzubringen sind.
  • 6. Fahrberechtigungen und Führerausweise

5 Chaisen bzw. Tierfuhrwerke darf führen, wer das 14. Altersjahr vollendet hat und über hinreichende Fahrpraxis verfügt.

6 Für Lenker oder Lenkerinnen von Fasnachtswagen und von Chaisen ist das Fahren unter Alkoholeinfluss verboten. Alkoholeinfluss liegt vor, wenn die Person eine Atemalkoholkonzentration von 0.05 mg/l oder mehr aufweist oder eine Alkoholmenge im Körper aufweist, die zu einer solchen Alkoholkonzentration führt.

  • 8. Betriebssicherheit der Fasnachtsfahrzeuge

8 Für Chaisen gelten die Vorschriften bezüglich Betriebssicherheit, Sicherungsmassnahmen und Versicherungsschutz sinngemäss wie für Motorfahrzeuge.

9 Die einzelnen Einheiten halten am Cortège Abstand zu den Pferden der Vorreiter und Chaisen. Jedes Pferd ist neben dem Reiter oder Kutscher zusätzlich von einer geeigneten Person zu begleiten, die im Notfall eingreifen kann.