Was macht eigentlich das Comité im Sommer? (IV): Wellness-Ressort Blaggedde

31. Juli 2017 | Von | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

In diesem Teil unserer Sommer-Serie treffen wir den Blaggedde-Verantwortlichne des Fasnachts-Comités, Adrian Kunz. Er hat das Ressort intern vor einiger Zeit gewechselt – und ist alles andere als unglücklich darüber.

Er sorgt für die wichtigste Einnahmequelle des Comités: Adrian Kunz ist Verantwortlicher für die Blaggedde. Der frühere Drummeli-Verantwortliche hat ins Blaggedde-Ressort gewechselt («I sag dr, dasch gegenüber em Drummeli diräggt e Wellness-Ressort…») und ist für den gesamten Prozess der Blaggedde-Fabrikation verantwortlich. Und somit ein Geheimnisträger! Obwohl er im Moment noch gar kein Geheimnis trägt (die Blaggedde wird erst Mitte August definitv ausgewählt), darf man nicht alles schreiben, was Adrian erzählt. «Bitte kaini Zahle!»

Eine Zahl ist allerdings problemlos: «Wir bekommen zwischen 80 und 100 Entwürfe, die vom Sekretariat anonymisiert werden.» Dann beginnt Adrian zu erzählen: «Ich suche eine diskrete Lokalität, wo sich das gesamte Comité Mitte August trifft und in einem mehrfachen Verdichtungs- und Bewertungsprozess werden alle Entwürfe bewertet. Da ist von der Kinderzeichnung bis zum Profi-Entwurf alles dabei. Dann – am Ende des Nachmittages – ist der Gewinnerentwurf bekannt. Es ist jener, der allen gefällt und – deswegen ist Mike Müller vom Blaggedde-Müller (4. Generation!) bereits dabei – auch umsetzbar ist!». Seit 9/11 wird auch ein «zweiter Gewinner» bestimmt. In jenem Jahr war auf der Sieger-Blaggedde der Messeturm abgebildet. Nach dem Terror in Amerika hat man diesen Entwurf zurück gezogen und den Zweitplatzierten berücksichtigt … und fortan wird ein «Ersatzgewinner» vorgesehen. Dann wird innerhalb eines Monats der Entwurf durch die Graveurin in Gipsmodelle umformiert. Diese werden korrigiert und ergänzt. Es wird die Grösse bestimmt und das Aussehen der Blaggedde definitiv entschieden. «Gegen Mitte/Ende September können wir den Knopf zum Produktionsstart drücken!» kommentiert Adrian Kunz den engen Zeitplan zwischen Auswahl und Produktion.

Warum sind es gefühlt immer dieselben Gewinner? «Wir suchen gute Entwürfe, gut dargestellt, klar umschrieben und ohne Probleme umsetzbar. Wenn sich das alles bei ein und demselben Entwurf findet, dann bist zu nahezu sicher bei einem der bekannten Profi gelandet. Und davon gibt es nicht sehr viele. So einfach ist das!».

Adrian Kunz

Adrian Kunz

Adrian Kunz

Adrian Kunz

Adrians grosse Herausforderung ist die Geheimhaltung des Entwurfs bis zum Jahresende, wo – in den Augen von Adrian Kunz – die Fasnacht mit der Präsentation der Blaggedde lanciert wird. «Seit der Einführung der Kamera im Mobiltelefon, ist die Geheimhaltung recht anspruchsvoll». Dies auch, weil immer mehr Menschen involviert sind: «Das ganze Comité, der Drucker des Tramplakates, die Menschen im Betrieb vom Blaggedde-Müller oder in jenen Betrieben, die Blaggedde versilbern und vergolden, der Künstler und sein Umfeld – alles Menschen, die etwas wissen, was eigentlich erst Ende Jahr publik werden sollte. Unter diesen Umständen ist die Geheimhaltung eine reife Leistung.» Und deshalb war auch die technische Panne im Jahre 2012 ärgerlich: «Die Präsentation der Blaggedde 2013 wurde von uns als Vorbereitung verfasst und hat dann den Weg irgendwie ins WorldWideWeb gefunden – zwei Tage zu früh…».

OK, ich will es jetzt aber trotzdem wissen: Was macht jetzt ein Blaggeddeverantwortlicher im Comité im Sommer, ausser nachzufragen, wieviele Couverts schon eingegangen sind? – «Wir haben schon auch ein paar Aufgaben», erzählt Adrian Kunz! «Wir analysieren die Verkaufszahlen des vergangenen Jahres, schätzen den Verkauf im Folgejahr, bestellen – zusammen mit Mike Müller – das Material für die Blaggedde 2018!» Nachfrage: Welches Material? – «Naja, das Kupfer für eine solche Auflage muss vorreserviert werden! Und dann muss das Material auch stimmen. Zum Beispiel hatten wir in 2017 grosse Probleme mit den Sicherheitsnadeln der Kupferblaggedde! Daran arbeiten wir jetzt!».

Ich versuche es dann doch noch mit einer «heiklen» Frage: Ich will wissen, ob die Reaktion der Fasnächtler auf die «Gugge-Silber-Blaggedde» überrascht habe? Kunz ist ehrlich: «Ja, ich war überrascht! Dem breiten Publikum war es schlicht egal. Aber es gab schon stimmgewaltige Fasnächtler und Cliquene, deren Reaktion fand ich schon sehr … speziell!» Verglichen mit dem Vorjahr wurden dann auch weniger Silberplaketten verkauft, was aber auch am höheren Preis der Silberausgabe gelegen haben könnte. Aber trotzdem das sei marginal im Vergleich zu den konstanten Verkaufszahlen seit 2000 bei den Blaggedde!, meint Kunz und erinnert sich an seine Mutter: «Wenn ihr eine Blaggedde gefallen hat, hat sie die Goldene gekauft. Wenn sie sich nicht erwärmen konnte, war es halt eine Kupferne! Aber eine zu kaufen – war Ehrensache!». Das ist auch der Wunsch von Adrian Kunz an die Fasnachtsfee: «E jeede muess verstoo, ass d Blaggedde s Ydrittsbillje für d Fasnacht isch!».