Eine Fasnachtsmutter ist nicht mehr!

11. Juli 2017 | Von | Bilder: Nobby Gnipp | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Wie erst jetzt zu erfahren war, ist die vielen Fasnächtlern bekannte Hedy Steimer am 27. Juni 2017 an ihrer Herzkrankheit verstorben. Einige Fasnachtseinheiten werden ihre Fasnachtsprogramme an der nächsten Fasnacht umstellen müssen!

In ihrer grossen Wohnung an der Clarastrasse in Basel wurde oft und viel gegessen, getrunken und gefeiert. An der Fasnacht  wurden die Möbel zur Seite gestellt um Platz zu schaffen und es wurden viele Flaschen Weisswein und Bier sowie belegte Brötchen auf der Terrasse eingelagert. Denn: in Hedy Steimers Wohnung tummelten sich während den Nachmittagen der Basler Fasnacht zeitweise 20 – 30 Fasnächtler, die auf Einladung der Gastgeberin bei ihr  Pausen verbrachten. Und bei dieser Gelegenheit wurde keinerlei Rassentrennung zwischen Wäge, Gugge, Tambouren, Pfyffer oder Fasnachtszivilisten gemacht.  Hedy Steimer – eine Fasnachtmutter erster Klasse – verwöhnte zum Beispiel jedes Jahr d Krachschnygge, bevor diese am Dienstag Abend auf den Monstermarsch in Richtung Innenstadt zogen. Das taten sie dann nicht ohne der Hedy einen majestätischen Majorengruss in den ersten Stock zu schicken, was diese stolz machte und ausserordentlich freute. Oder die grand old Ladies der Junte vo den ARI  kamen zweimal pro Fasnacht zu Hedy in den ersten Stock um dort eine Verpflegungspause zu machen und ihre Goschdym zu richten. Auch d Routebysser – eine Wagenclique – pflegten während dem Mittwochshalt mit einem Mimomsenmajen bei Hedy einzulaufen, um sich von den Fasnachtsstrapazen zu erholen und mit den andern anwesenden Fasnachtsaktiven zu plaudern. Das Zusammentreffen der Fasnächtler bei Hedy war eine einzige, grosse Stubete.

An der diesjährigen Fasnacht allerdings, sass Hedy während den ganzen Besuchen auf ihrem Stuhl bei der Eingangstüre zu ihrem Paradies: „Waisch, my Härz, i mag nümm so guet laufe“. So  befehligte sie im Sitzen ihre freiwilligen Helfer, damit sie Wein, Bier und belegte Brote von der Küche in die Stube brachten und die Besucher/innen bedienten. Nur den Gang zum Fenster, um „ihren Cliquen“ beim Vorbeimarsch zu winken und ein paar Orangen von den Routebysser zu fangen, liess sie sich nicht nehmen.

Eine weitere Paraderolle der geselligen Dame war ihr jahrelanger Dienst beim Glaibasler Charivari. Dort war sie Garderobendame und begann damit, bei den Mäntel der Besucher/innen abgerissene  Hänggeli wieder anzunähen. Später wurden dann auf Hedys Idee hin sogar „Charivari-Hänggel“ entworfen und nicht wenige der Charivari-Besucher/innen rissen sich vor dem Besuch heimlich ihren Mantel-Henkel ab, um von der Hedy einen „Charivari-Hänggel“ angenäht zu bekommen.

Hedy Steimer liess es sich nicht nehmen, die eine oder andere Einladung „ihrer Cliquen“ anzunehmen und feierte auch in ihrem stolzen Alter gerne und lange mit. Beim Weihnachtsessen der Routebysser gehörte sie zur Grundausrüstung.

Am Dienstag, 27. Juni gab das Herz der Hedy Steimer auf. Sie wird die Basler Fasnacht und ihre Cliquene ab sofort vom Logenplatz – der Fasnachtswolke – betrachten. Ich bin sicher, dass „ihre Cliquene“ an der nächsten Fasnacht einen stillen Gruss zu jenen Fenstern im ersten Stock an der Clarastrasse 47 schicken werden. Als würde Hedy noch runter winken und die Majorengrüsse abnehmen.