Sommer-Serie: Was macht eigentlich das Comité im Sommer? (I): Geheimnisse im Sekretariat

10. Juli 2017 | Von | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

An der letzten Medienkonferenz vor der Fasnacht 2017 hat der BFO-Berichterstatter den Abteilungsleitern des Fasnachts-Comités gut zugehört und vermutet seitdem, dass die Damen und Herren nicht nur im Winter für die Fasnacht arbeiten. Um dies zu verifizieren, hat BFO die Führungsriege des Comités besucht. Mitten im Sommer! In der ersten Folge besuchen wir das Sekretariat und Andreas Bertschmann – in den weiteren Folgen die übrigen Abteilungsleiter.

Auf meine Bitte an den Comité-Obmaa Christoph Bürgin, ob ich sein Comité im Sommer stören darf, um mit ihnen über die Arbeit «übers Jahr» zu sprechen, leitet er mich direkt weiter an seine «Abteilungsleiter». Und die treffe ich dann – unkompliziert, fasnächtlich eben, auf ein Mineralwasser im Comité oder an deren Arbeitsplatz.

Die erste Überraschung erfolgt beim Eintritt in die Comité-Räume am Blumenrain 16 neben dem Trois Rois. Es ist Ende Juni, die Temperaturen kratzen an der 30 Grad Marke – nichts lässt einem an die Fasnacht denken – und im Fasnachtscomité-Büro ist die Vollbesetzung des Sekretariats am werkeln: Monika Nickler, die Leiterin der Administration, begrüsst mich. Hinten im Büro arbeitet Urs Weiss an der Buchhaltung und Joëlle arbeitet konzentriert an ihrem PC. Zusammen sind hier 140 Stellenprozent im Dienst. Auf meine Frage, womit sich denn die «Sekretärinnen» mitten im Sommer beschäftigten, strahlt mich Monika an: «Im Moment läuft die schönste und geheimnisvollste Arbeit im Comité: Bis August treffen zwischen 80 und 100 Entwürfe für die Fasnachtsblagedde 2018 ein. Die müssen gescannt und anonymisiert und unter strengem Verschluss gehalten werden. Im August wird dann die Auswahl getroffen, und alle nicht berücksichtigten Entwürfe müssen zurück geschickt werden.»

Damit ist klar, warum das Sekretariat des Comités das ganze Jahr im Einsatz ist. Nach der Fasnacht werden Dankesschreiben verschickt, Subventionen angekündigt, Einladungen für diverse «Feedback»-Sitzungen verschickt – alles im Auftrag der Abteilungsleiter. Und kaum ist der Sommer vorbei, geht das ganze wieder von vorne los. «Wenn wir alle 483 Einheiten vom Cortège anschreiben» lächelt Monika, «dann können wir das per Mail machen. Aber über 40 Einheiten verfügen über keine E-Mail-Adresse, und die werden – wie früher – händisch benachrichtigt»! Das Sekretariats-Team ist dabei, sich zu einem schlagfertigen Trio zu formen. Und ein gutes Team im Backoffice ist nötig – wie die nachfolgenden Gespräche zeigen werden!

Der nächste Comité-Mitarbeiter, den wir besuchen, ist Andreas Bertschmann. Er ist ein Comité-Frischling, will heissen, seit zwei Jahren dabei. Er führt seinen Blumenladen gegenüber der Elisabethenkirche, und wir trinken einen Kaffee im Kirchenkaffee. Der Comité-Youngster, welcher gemäss Comité-Website ein «Schnitzelbänggler» ist, erzählt: «Ich wurde ins Comité berufen, ohne klare Aufgabe. Ich lief ein Jahr mit, und dann fragte man mich, ob ich das Ressort Rädäbäng von Andreas Guth übernehmen wolle und beim Drummeliprogramm mitarbeiten könne. Das mache ich jetzt im ersten Jahr alleine, und da freue ich mich sehr darauf!». Der Sommer in diesem Ressort ist eher ruhig. Nach der Fasnacht wird aufgeräumt und abgerechnet.

Eine Debriefing mit dem Sekretariat steht an. In diesem Jahr besonders wichtig, da Andreas Bertschmann erstmals Einfluss auf die Prozesse nehmen kann: «Wir müssen überprüfen, ob die Art und Weise, wie wir die Cliqueneinträge im Rädäbäng einfordern, die richtige ist. Wir checken, welche Fasnachtseinheiten zu spät liefern und warum (zum zweiten Mal in diesen Tagen bekomme ich ein schlechtes Gewissen…). Wir prüfen, ob wir genügend Inserenten haben und anderes mehr». Im Jahr 2016 wurde die Neugestaltung des Drummeliprogramms zum Super-Gau. Damit hatte Andreas noch nichts zu tun. Er spürt nun aber, wie fest verankert die beiden Print-Produkte des Comités beim Publikum sind: «Auch wenn man andenkt, den Rädäbäng digital anzubieten, wird das wohl noch ein bisschen dauern…». Die Rückführung des Drummeliprogramms vom experimentellen Pamphlet zum Informationsmagazin für Nummern, Cliquen und Fasnacht ist 2017 gelungen. Das Merkmal für die Zukunft sei, – da ist sich Bertschmann sicher – dass die Cliquen ihren Beitrag selber verfassen müssen. «Das Redigieren ist zwar Mehrarbeit für uns, aber viel spannender für die Leserschaft».

Zum aktuellen Arbeitsvolumen sagt Andreas Bertschmann: «Im Sommer schön ruhig, aber im September geht’s wieder los!» Zusammen mit dem Comité-Sekretariat und dem Gestalter Domo Löw, welcher das Layout der beiden Produkte koordiniert und angleicht, wird die Rädäbäng-Saison eröffnet. Es gilt, die über 400 Einheiten anzuschreiben, den Terminplan zu erstellen und wenn die ersten Einträge der Cliquen kommen, müssen die alle einzeln in den Computer eingegeben werden. Danach werden sie redigiert (baseldytsch und dyttlig), es müssen Rückfragen erfolgen und das Gegenlesen beginnt. Edith, eine Helferin des Comités, sucht Inserenten. Es folgen Sitzungen mit Druckereien und irgendwann beginnen die Maschinen zu rotieren, und die beiden Hefte werden produziert. Andreas ist auch verantwortlich für den Verkauf des Rädäbängs. Steht er unter einem Budgetdruck? «Ich denke, dass wir den Rädäbäng kostenneutral produzieren müssen und das auch machbar ist».