«Das muesch gseh ha!» – Tambouren Schwyz feiern Geburtstag

3. April 2017 | Von | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Am vergangenen Samstag feierten die Mitglieder des Tambourenverein Schwyz das 75jährige Bestehen des Vereins. Der BFO-Berichterstatter war dabei. Und hat richtig gestaunt – und zwar nicht ob den Teilnehmern aus Basel.

Sie kennen alle die Szene aus der Castingshow «Britain Got Talent». Da kommt einer auf die Bühne, etwas schiefe Zähne, etwas schrulliger Anzug, eine einfache Lebensgeschichte und das Vorurteil der Jury und des Publikums kann man ab deren Gesicht lesen: «Bühne frei für eine weitere Peinlichkeit!». Da beginnt der britische Handyverkäufer mit seiner Arie «Nessun Dorma». Das Publikum springt aus den Sitzen und ein Juror nach dem andern bekommt Tränen oder kann sich kaum mehr fassen ob dieser unerwarteten,  grossartigen Qualität des Sängers. Seit jenem Abend ist Paul Potts ein Weltstar…

Ähnlich erging es dem Berichterstatter am 1. April, abends im Mythenforum Schwyz: Der Saal – gefüllt mit über 500 bodenständigen Innerschweizern, umwuselt von nervösen Aktiven in biederem weissen Hemd mit roter Krawatte. Angesagt sind ein paar Nummern von den Tambouren Schwyz. Dann noch ein paar Tänzer, einige Chlefeler und – auch das werden wir überstehen – Bürglers Flaschenklavier (!) aus Ibach. Ein Lichtblick: Eine Pfyfferformation aus Basel… Das Bühnenbild erinnert stark an das Basel Tattoo (zwei rote Schwyzer stehen vor einem grossen Tor aus welchem die Akteure schreiten werden).

Aber dann beginnt der «Tamboureaabig» unter dem Motto: «Das muesch geseh ha!». Zuerst ein Video über die Teilnehmer des Abends:  Schon alleine die Qualität des Filmes lässt mich erstmals aufhorchen.

Und dann geht’s los: die erste Sektion der Tambouren ruesst herein und markiert den Abend mit einer Jubliäums-Komposition von Roman Lombriser. Wow. Was für ein Tempo. Was für eine Kraft. Und so geht es weiter mit höchst kreativen Elementen. Die Junge Garde trommelt mit einer Gruppe sehr junger Innerschweizer, die den Tambouren entgegen chlefelen (‘s Chlefele läbbt!). Dann trommelt eine andere Sektion so gekonnt auf Blumentrögen, dass – mit Hilfe von Michael Jacksons Musik – eine Tanzgruppe die Bühne rockt. Und – ich hätte das NIE erwartet – die Alte Garde trommelt und chlefelet zusammen höchst virtuos mit dem Flaschenklavier und holt die erste Zugabenrufe des Abends. Was für eine grossartige Show.

Die Höhepunkte des Abends könnten – wie fast alle Nummern des Programms – ohne weiteres im Abendprogramm der Show-Vorfasnachtsveranstaltungen in Basel einmarschieren: Einerseits die VICTORINOX-Tambouren: Auf sechs Victorinox-Koffern liefern sie eine begeisterte Percussion-Show ab; der Saal tobt:

Und dann marschieren zwei Drum Corps auf die Bühne und liefern sich ein Battle! Das White Cross Dums Corps Schwyz und das StoneMountenHill Drum Corps aus Steinerberg (wo um Gotteswillen ist Steinerberg?) stehen auf der Bühne und wer in diesem Moment an das Basler Original denkt, macht nichts falsch. Jedenfalls müssen sich die Innerschweizer nicht sagen lassen, sie seien eine müde Kopie des Top Secret Drums Corps. Diese beiden Drumcorps bieten eine grossartige Nummer und das Publikum ist hoch begeistert und der Berichterstatter hat rote Handflächen…

An dieser Stelle haben wir ein paar Bilder geplant. Leider haben sie den Weg aus der Innerschweiz bis nach Basel noch nicht geschafft… Sobald welche verfügbar sind, werden wir sie aufschalten….

Und dann noch eine Trommelnummer, mit politischem Hintergrund: In der Innerschweizer Trommelszene werden die Vereine von Schwyz, Goldau und Steinen permanent gegeneinander ausgespielt. Dass dem nicht so sein muss, beweisen die zwei Top-Tambouren jeden Vereins, die – wieder professionell von einem Video vorgestellt – zu sechst eine perfekte Trommel Nummer abliefern.

Zu erwähnen auch noch der Gruss aus Basel: Die Pfyffergrubbe «Staubwölggli» aus Basel haben – zusammen mit den Tambouren aus Schwyz – einen Basler Fasnachtsmarsch dargeboten. Die Vorstellung der Basler Fasnachtskultur erfolgte per Video mittels Ausschnitten aus einer Vorfasnachtsveranstaltung und einem innerschweiz-tauglichen Vers vom Schwoobekäfer. Der Moderator kam – gute Idee – ebenfalls als Basler Schnitzelbänggler verkleidet auf die Bühne und imitierte «s spitzig Rysblei». Das muss er allerdings noch etwas üben…

Am Ende des Abends war ich fix und fertig. Unerwartete Trommelkunst, hohe Kreativität (wer denkt denn schon an ein Flaschenklavier im Trommelmarsch?) und das Gefühl, dass halt schon nicht nur in Basel gut getrommelt und witzig dargeboten wird…

Die rund 140 Mitwirkenden an diesem Abend kommen nochmals auf die Bühne und lassen sich vom Schwyzer Publikum feiern. Wir rennen zum Parkhaus um an der einzigen Kasse nicht Schlage stehen zu müssen. Aber: DA GEHT NIEMAND NACH HAUSE  (ausser die Basler, die noch anderthalb Stunden zu fahren haben). Man trifft sich an der Bar und feiert in den Sonntag hinein…

Paul Potts verkauft heute keine Handys mehr. Er verdient viel Geld mit Gesang. Die «rote Tamboure» aus Schwyz werden nach dem Wochenende wieder zur Arbeit und in die Schule gehen. Was beide aber in der gleichen Menge haben, ist:  Die Leidenschaft!