Basler Fasnacht künftig auch auf türkisch – natürlich nur Aprilscherz

1. April 2017 | Von | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Die Sujets der Basler Fasnacht sollen künftig zumindest summarisch auch auf türkisch übersetzt werden. Dies als ein positives Zeichen an die grosse türkische Diaspora in Basel. Ausserdem sollen die Übersetzungen Missverständnisse vermeiden. Türkische Behörden hatten bei einem Sujet der vergangenen Fasnacht terroristische Hintergründe vermutet. Um solche Missdeutungen zu vermeiden, sollen kritische Sujets künftig bereits im Vorfeld der türkischen Botschaft in Bern vorgelegt werden.

In Basel-Stadt leben laut Statistischem Amt (Stand 2016) fast 7’000 türkische Staatsangehörige. Zusammen mit denjenigen in den Nachbarkantonen und in der badischen oder elsässischen Nachbarschaft dürfte eine Zahl von 10’000 Türkisch-Stämmigen im „Einzugsgebiet“ der Basler Fasnacht nicht zu hoch gegriffen sein.

Das Fasnachts-Comité hat auf diese demographische Entwicklung nun reagiert und will die Fasnacht für diese Volksgruppe besser verständlich machen. Gedacht ist daran, eine zumindest summarische Darstellung der jeweiligen Sujets mit entsprechenden Erklärungen etwa auf den „Zeedel“ der Cliquen, Guggen und Wägen abzudrucken. Auch auf die Möglichkeit, einen Teil der Laternen für eine Sujetdarstellung auf türkisch zu reservieren, wird hingewiesen.

Es soll vorerst keine Pflicht verankert werden, betont das Comité – doch wird zumindest sanfter Zwang nicht ganz ausgeschlossen. Im vertraulichen Gespräch lässt ein nicht genannt sein wollendes Comité-Mitglied durchblicken, die Intensität der Integration der türkischen Bevölkerung werde nicht ganz ohne Einfluss auf die jeweils vom Fasnachts-Comité ausgeschütteten Subventionen bleiben.

Dass dieser Vorstoss gerade jetzt erfolgt, ist nicht zufällig. Aufgerüttelt wurde das Fasnachts-Comité durch den Wirbel, den die Laterne und das Sujet „Erdo-Waan“ von den Alten Garden der Basler Mittwochs-Gesellschaft und der Märtblatz-Clique verursacht hatte. Von türkischen Behörden und in Zeitungen am Bosporus wurden terroristische Aktivitäten und eine Urheberschaft der seit dem missglückten Putsch verfemten Gülen-Bewegung vermutet. „Anscheinend“, so das Fasnachts-Comité, „haben die gar nicht gemerkt, dass es um einen Fasnachts-Anlass geht.“

Dem soll nun mit einer präventiven Massnahme vorgebeugt werden. Sujets, die sich kritisch mit der türkischen Regierung und dem Land selbst beschäftigen, werden spätestens im Dezember vor der Fasnacht der türkischen Botschaft vorgestellt. Diese kann sich dann dazu äussern, ob aus türkischer Sicht Beleidigungs-Potential vorhanden ist. Wird diese Frage bejaht, sieht das Fasnachts-Comité eine Einigungssitzung mit den Cliquen-Verantwortlichen vor. Ein Vetorecht soll die türkische Seite aber nicht erhalten.

Kein grosses Problem sieht das Fasnachts-Comité in den zusätzlichen Aufwendungen für die Übersetzungen. Schliesslich sei fast in jeder Clique oder Gugge mittlerweile ein Mitglied mit türkischem Migrationshintergrund, der bei dieser Arbeit helfen könne. Die intensive Beschäftigung mit der türkischen Sprache würde ausserdem auch auf Basler Seite das Verständnis für diesen Teil der regionalen Einwohnerschaft vertiefen.