Wenn sich sogar das Signet verneigt…

12. März 2017 | Von | Bilder: Casper Thiriet (in Memoriam Dennis L. Rhein) | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Vor ausverkauften Häusern feierten 28 Comité-Bängg ihren Schlussabend. Einige Höhepunkte und zwei Hiobsbotschaften: Peperoni und s Glettyse gaben ihre Abschiedsvorstellung!

Bevor wir beginnen, zwei Randbemerkungen: Erstens lesen Sie hier meine subjektive Meinung über die dargebotenen Bängg. Eigentlich wie immer. Wenn Sie sich ein eigenes Bild über die Qualität der Comité-Bängg  machen wollen, so finden Sie auf www.schnitzelbankbasel.ch den ausserordentlichen Service des Schnitzelbangg-Comités: Alle Bänke einzeln auf Video…! Grossartig für alle, die kein Ticket erhalten haben oder längst wieder in Übersee sind. Und zweitens eine Anfrage ans Comité: Es müsste doch machbar sein, dass die Plätze an den Tischen nummeriert werden können. Es ist offentbar jedes Jahr ein Gezeter, bis alle am Tisch dort sitzen, wo sie möchten. Nicht einmal vom Comité vorreservierte (und selber bezahlte!) Plätze werden respektiert. Frech setzen sich Leute neben das „Reserviert für fasnacht.ch-Schild“ und werden dann noch grantig, wenn man sie höflich bittet, für den Fotografen Platz zu machen… Meine Nachbarin Silvia regt sich mordsmässig auf und  mit ihr die ganze Familie. Gottseidank können ein Glas Wein und gute Schnitzelbängg ihre Laune schnell wieder bessern…

Die Tambourengruppe Gipfelstiirmer eröffnen den Abend mit ihrem eigenen Marsch und dann begrüsst Dieter Moor wieder in gewohnter gedrechselter Manier das Publikum. Die – in diesem Jahr etwas zahlreicheren Lücken – werden durch eine spielsichere, schwarz gewandete Pfyfferformation mit einem blauen Tambour und der Pfyfferformation Bajass gefüllt. Sie haben viel Arbeit an diesem Abend, wohl wegen den langen Ehrungen auf der grossen Bühne im Nachbarhaus (siehe Spezialbericht).

Es ist fast nicht möglich, alle Formationen zu portraitieren. Wir haben aber überall gut zugehört und festgestellt, dass das Niveau bei den Comité-Bängg zur Zeit ziemlich hoch ist. Darbietungen vom Schunggebegrääbnis,  vom Schyynhailigen, vom Pierrot, vom stimmgeschädigten Fäärimaa, von der Stächpalme , dem Schoofsuuri, den Syydiaane, dem Hanslimaa, dem Anggewegglimaitli, den Schnaabelwetzer, dem Vermieter, den Penetrante (toller Schlussvers), dem Drummelibangg Brunzguttere und den Altmeistern Singvogel und Stroosewischer (auf dieser Bühne getrennt…) waren allesamt gut bis sehr gut und alle diese Bänggler beherrschen ihr Handwerk. Grossartige Melodien, schöne Begleitungen, gute Stimmen und viele gute Verse. Es macht Freude rund drei Stunden im Schauspielhaus zu verbringen.

Ein paar Formationen müssen speziell erwähnt werden. Da sind d Wanderratte, die ihres Goschdyms wegen einen Spezialapplaus eingefahren haben. Ebenso ein Hoch auf die Schneiderkunst bei den Dräggspatze. Grossartige Goschdym, toller Vortrag.  Oder da sind die 40jährigen Gasladäärne, die eine Stimmgewalt haben, als würden sie von den Don Kosaken ausgebildet. Fantastisch. Ein weiterer Höhepunkt dr Schwoobekäfer. Seine USP –  die unglaubliche Aussprache -,  das Baseldytsch und seine bis in die letzte Silbe getakteten Verse sind grosse Klasse. Höchst musikalisch und mit etwas verständlicheren Liedern als noch letztes Jahr, haben d Schlyffstai ihren tosenden Applaus abgeholt.

Optisch und auch musikalisch ist Hansli Bargäld aufgefallen. Er verzichtet mit seiner Combo auf lange Intros und spielt seinen ganzen Vortrag durch (Oscarwürdig die Schuhe des Bassisten!). Ebenso optisch und musikalisch top ist die umstrittene Formation von den Dootebainli. Sie können lustige Verse, das haben sie in diesem Jahr bewiesen. Was sie allerdings nicht lassen können, sind ihre dunklen, humorfreien und missratenen Verse. Niemand will hören, dass man „Mohrenköpfe“ besser nach Amerika schickt, weil dort die Polizei gerne ins Schwarze trifft. Gottlob hat man diesen Vers wenigstens nicht ins Schnitzelbangg-Biechli gedruckt…

In der zweiten Hälfte der zweiten Halbzeit dann die weiteren Stars der Szene: Dr. FMH, wie immer ein sicherer Wert mit tollen Versen, der Spitzbueb, der wie kein anderer seine einfachen, verständlichen Pointen in vier Zeilen unterbringt, Heiri, der räppende Baselbieter, der den Städtern mit seinem FCB-Vers den Spiegel brutal vors Gesicht hält.

Dann wartet man gespannt auf die Drey-Daags-Fliege, die ja im 2016 mit seinem Auschwitz-Vers ebenfalls grenzwertig – aber wirksam und gut – aufgetreten ist. Und: Seine Verse sind grossartig, sein Gesang und sein Auftritt ausserordentlich gut und zudem zeigt er den allerbesten Trump-Helgen des Abends. Dieser Bangg wird Lücken füllen können.

Und nun zu den Lücken: Nachdem Peperoni seine Verse gesungen hat, zückt er einen Zettel und liest vor:

No dryssig Joor darf me draa dängge
D Kuehörner an Naagel z hängge
Die Kue, die zieht sich in däm Fall
Vo dr Biihni zrugg in Stall.
Als Bänggler nimm ych jetzt dr Huet
Aadie zämme – machet’s guet.

Das Publikum ist konsterniert und spendet, nach einer Schrecksekunde, dem abtretenden Peperoni mit seiner Musikantin und dem Helgedrääger einen riesigen Applaus.

Kaum hat sich das Publikum von dem Schrecken knapp erholt, kommen d Glettyse auf die Bühne und proformen einen sehr guten Jahrgang. Ihr „Tatäää“ kommt an und – nach dem letzten Vers singen die beiden doch tatsächlich:

Dryssig Joor Bänggle, das kan is kaine näh
Sali zämme – und e letschts „Tatää“…

Der zweite Rücktritt des Abends! Das Publikum verneigt sich vor den abtretenden Bängg und das Comité-Signet im Schauspielhaus tut es auch.

Der Nachwuchs beim Schnitelbangg-Comité ist nicht in Gefahr. Da kommen Formationen den Berg hinauf in Richtung Spitze gekraxelt, wo man sich wirklich darauf freuen kann.

Der Schlussoobe der Comité-Schnitzelbängg ist ein Grossanlass mit hohem Niveau und ist allen zu empfehlen, die entweder keine Gelegenheit hatten, genügend Schnitzelbängge zu geniessen oder einfach die Auswahl der besten Verse dieser Gesellschaft nochmals hören  möchten.

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„Sy jubiliere und s Comité duet gratuliere“
von Lucien Graf

Seit zehn Jahren fungiert sie als Gluggere in mitten von Gockeln. Die Rede ist vom Anggewegglimaitli mit ihren Butterweggli. Als einzig reiner Frauenbangg, obwohl sie selber d Glettyse ebenfalls als solchen bezeichnet und trotz lädiertem Arm, ist sie beim männerdominierten Comité ein Jahrzehnt auf der Route mit dabei. Hierfür wurde sie geehrt und erhielt einen gravierten Becher überreicht. Sie bedankte sich artig mit einer kurzen Rede und wechselte alsdann ihre bekannte Melodie, in die des Schacher Seppi. Unter tosendem Applaus der Besucher im Stadt Theater verliess sie danach die Bühne, nachdem sie obligat ihre selbstgemachten Butterweggli ins Publikum  geworfen hat. Auf die nächsten 10 Jahre also, wir freuen uns.


 

 

 

Auf 30 Jahre als Einzelmaske kann dr Pierrot zurückblicken. Er hat weder einen musikalischen Begleiter noch einen Helgenträger mit dabei und liess verlauten, dass er in den letzten Jahren die Cliquenkeller ausgelassen habe, da es ihm etwas zu viel wurde. Aus seinen Worten konnte man entnehmen, ohne dass er es klar ausgesprochen hätte, dass es für ihn nun auch die letzte Fasnacht als Pierrot gewesen sei. Er wurde vom Comité für seine 30 Jahre geehrt und erhielt ein kleines graviertes Emblem seines Dachverbandes. Seine Dankesworte richteten sich an seine Frau denn:

s Ivonne macht nit numme feyni Waihe
sy duet au prima Goschtym naihe.

Ich selber durfte die letzten Minuten der Fasnacht 2017 mit dem Pierrot auf dem Marktplatz verbringen und hoffe, dass wir ihn an der Fasnacht 18 in irgend einer Form wieder begrüssen dürfen.


 

 

 

30 Jahre haben auch d Glettyse auf dem Buckel, den Hüften, dem Bauch oder den Oberweiten und wie sie in ihrem aktuellen Vers sangen, hat die Schwerkraft im Verlaufe der Jahre ihres dazu beigetragen, dass sie nun das Feld räumen. Das freche Auftreten, der spezielle Farbtupf, welcher so gar nicht in die so gehobene oder abgehobene Comité-Bangg zu passen scheint, wie sie meinen, wird uns fehlen. Sie erhielten als Dank für 30 Jahre Tätää…tätää…tätää… einen wunderbaren Helgen.


 

 

 

Zum Abschied wurde dr Peperoni von seinen Peperocinis von der Bühne geholt. Mit einer Standing Ovation hat ihm das Publikum für 30 Jahre Bänggler-Kunst gedankt. Ein weiterer Grosser der Bänggler-Szene hängt seine Hörner an den Nagel. Aadjee Peperoni, mr wärde dy vermisse. Als Dank erhielt er einen Helgen von Domo Löw.


 

 

 

Bereits das 40 Mal zogen d Gasladärne durch die Baizen und Cliquenkeller. Der Bangg-Chef und Gründungsmitglied gab bei seiner Dankesrede bekannt:

es ändet andersch als me dänggt,
well yss das no lang nit länggt.

Sie nehmen also auch die 41. Fasnacht unter die Füsse und man darf sich auch weiterhin an ihren melodiösen Versen und treffenden Pointen erfreuen. Vom Comité wurden sie mit einem Originalhelgen und 4 „Gfaiggte“ geehrt.


 

 

 

Und zum Abschluss noch ein besonderer Jubilar. Dr Schyynhailg, ist zwar im ersten Jahr als Comité-Bangg unterwegs, begeht jedoch bereits seine 25. Fasnacht als Bänggler. Verschiedenste Schnitzenbangg-Gesellschaften buhlten in den letzten Jahren um seine Mitgliedschaft, er wollte jedoch „wild“ bleiben. Sein grosser Traum war aber gleichzeitig, einmal im Stadt-Theater singen zu können. Zu seinem 25 Jahr Jubiläum hat er sich diesen Traum erfüllt. Wir gratulieren zum Vierteljahrhundert und freuen uns auch weiterhin auf deine so treffenden Zweizeiler.