BSG-Schlussobe 2017: Sehr sportlich

12. März 2017 | Von | Bilder: Ivo Birrer | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Mit 12 Formationen war die Basler Schnitzelbangg Gsellschaft (BSG) dieses Jahr unterwegs – und dies boten ihre besten Verse nochmals auf einer kleinen Route in den Rasser-Theater und im Hotel Basel, umrahmt von fasnächtlicher Musik. Ein klarer Schwerpunkt waren dabei Verse, die in irgendeiner Weise mit Sport zutun hatten.

Als Schnitzelbänkler muss man sportlich drauf sein. Über ein Dutzend, manchmal sogar bis zu zwanzig Auftritte an einem Abend sind keine Seltenheit – und diese Auftrittsorte sind über die ganze Stadt verteilt.

Nach der Pflicht kommt aber auch für die BSG-Formationen die Kür, der Auftritt am Schlussoobe, seit einigen Jahren in den drei Rasser-Theatern und im „Sperber“ des Hotel Basels. Ebenfalls eine „Route“ also, aber mit nicht mehr ganz so hohen sportlichen Herausforderungen. Dafür hat fast jede der Formationen einen „Sport“-Vers im Repertoire, und dies sind meist nicht die schlechtesten. So etwa d Bebbi Buebe:

An dr EM hebt my Schatz mir d Hand
Loos digge – mach mir jo kei Schand
Kasch fiidleblutt duur d Freye springge
Kasch uff dr Fääri Liedli singge
Kasch dr Noochbere ins Fuudi bisse
Aber loss dr s Lyybli nie verrisse

Auch die Babberlababb beschäftigen sich mit der textilen Seite des Sports und fragwürdigem Kleridergeschmack:

Wo dr Roger geg‘ dr Wawrinka muess spiile
Sesch ihn immer irritiert zur Mirka schiile
Im pinke Pulli wartet sii scho näb em Platz
No dänggt är: „Du, do spiil i lieber non e Satz!“

Ein Dauerthema der Bänkler war das „Hands“ des deutschen Bundestrainers (wobei hier der Ausdruck „Stinkefinger“ wohl besser passt als „Hand Gottes“ wie weiland bei Maradona). Und nicht wenige verknüpfen dies mit den Handschlagverweigerern aus Therwil, so die Giftspritzi:

Letscht Summer, an däären EM z Paris
Gits gwissi Sequänze vom Löw – und die sinn myys!
Zerscht längt er sich an s’Ai, an s’Lingge
Und fiehrt die Hand denn poschtwändend an Zingge
Bim Abklatschen am Schluss, han ych uff ai Moll – persee
Dä Schieler verstande, wo si Hand nit will geeh!

Die Mac Väärs’s – wieder mal ein Höhepunkt, nicht zuletzt mit ihrem Langvers – nehmen da einen Umweg und machen das, was einen guten Schnitzelbank eben ausmacht: die Pointe erst in der letzten Zeile aufdecken.

Jetz bloost Dr Baschi Dürr zem Aagriff
Do macht dr Lips e gligglig Gsicht
Die Schugger mitme Fäälverhalte
Sige agääblig jetz bald Gschicht
Mir kenne aine wo kennt hälfe
Wo sicher fir die Arbet brennt
Denn fuuli Aier wärde sofoort
Vom Jogi Löw am Gschmagg erkennt

An sich sind „Zircher“- und „Schwoobe“-Verse ja ein Zeichen, dass einem „Bangg“ nichts Gescheites eingefallen ist. Dieses Mal bietet es sich aber an, da doch der FCZ in der Challenge League herumgurkt. Über den Präsidenten ergiesst sich denn auch nicht nur beim Batallioonsgluunggi Hohn und Spott:

Dr Canepa und dr Heusler sitze ùf em Jungfraujoch
dringge zämme waarme Thee und luege aabe in das Loch
doo bikùnnt dr Heussler Schiss und ihn verloot dr Muet
dr Zircher sait em hèb kai Angscht abstyyge kanni guet

D Rätschbääse erweitern das Thema gleich noch um die Präsidentengattin:

In Aarau und in Neuchâtel gits ney e Phenomeen.
Au in Wohle, Gänf und Winterthur hänn alli Angscht vor Gleen.
Au z Chiasso und in Wil het me Horrorgleen scho gsee.
Derby isch s d Frau Canepa gsi uff Challenge League-Tournee.

Dann ist es doch erstaunlich, wie oft Sport und „Trump“ miteinander vermischt werden. Ehrlich gesagt, schon nach einem Schnitzelbank-Abend auf Telebasel konnte man keinen „Helge“ mehr sehen, auf dem eine gold-gelbe Haartolle abgebildet war – aber man kommt halt nicht an ihm vorbei. So D Emigrante:

Dr Cancellara macht jetzt Schluss,
Drby wär är no lang im Schuss!
Nid s Alter, d Gsundheit duet en steere,
Är ka „Trump!“, „Trump!“ nimm gheere!

Die Unerheerte nehmen dasselbe Thema mit elegantem Wortspiel auf:

S Runde muess ins Eggige hän sii als gsait
Dasch so ne primidivi Schwoobe-Schutt-Wyyshait
Sii die gilt syt neischtem au fiir d US Waale
Well d Amis maine s Eegglige miess ins Ovaale

Auch wenn mehr oder weniger lautes Lachen im Publikum dominiert – es soll und darf durchaus auch den einen oder anderen Vers geben, der einem das Lachen im Hals steckenbleiben lässt. D Laggaffe sorgen dafür mit diesem Reim:

Dr Trump luegt bi Olympia flissig mit
Ob‘s bim Stabhochsprung e lange Alauf gitt
Das will är wüsse, do loht är sich nid lumpe
Wie hoch könne die Mexikaner gumpe?

Und die Haiggle – Welcome back nach einem Pausenjahr – finden doch noch eine glaubwürdige Organisation im postfaktischen Zeitalter:

Mir sinn haiggel, trotzdäm doo und kemme druss
bi alternative Faggde und gfakte News
Dä postfaggdisch Zuestand duet uns d Hoffnig raube
denn bald kasch nur no dr Fifa glaube

Aber es gibt auch noch andere – sagen wir mal: unsportliche – Themen. Weit vorne ist dabei unsere Verkehrsministerin mit ihrem weissen Löcher-Kleid – so beim Newcomer Wildwäggsel:

Im erschte-Zug mit Vollgas, duur unsri Gotthardreere,
Duet d’Merkel Angie eppis, – ganz entsetzlig steere.
Sii sait zem Leythard Doorli, so ganz vo Wyyb zu Wyybli:
„I glaub di Glaid seet wirgligg us, wie s Schwyzer Nati-Lyybli!“

Und auch wenn es ja heisst „Kai Sex bitte, mir sin Basler“, darf eine Prise Erotik nicht fehlen – hier sogar eine Gsalzene Prise:

In dr Sex-Studie vom Bund stoot düttligg dinn
dass mir Schwyzer spitz wie Nochbers Lumpi sinn
unsri Fraue sinn zwoor wunderbaari Wääse
aber Studie dien sy laider kaini lääse

Als Gastbänke kamen dieses Jahr die Lumpesammler und d Schlyychwäärbig zum Einsatz – letztere mit einem etwas schlüpfigen Vers:

S Hilly sait zem Billy: «Miir bruuchen e Plan B!
Dr Trump muess wägg, daas will y, als Präsidäntin wott mi gsee.»
Druff sait dr Billy denn zem Hilly: «Yych hilf der, muesch guet loose,
Y lyt graad dr Levinsky aa, die sell em ain go …»  – sali zämme.

Alles in allem war auch der diesjährige BSG-Schlussobe eine entspannte Sache (im Kaisersaal dazu garniert mit einem feinen Dreigänger) mit (zu) viel Trump, aber auch einigen überraschenden Themen. Apropos Garnitüre: Auf eine exzellente Art wurde diese von der Junior Drumshow und von den Pfeifer-Primadonnen der Ego-Säu dargereicht. Der etwas gewöhnungsbedürftige Name soll folgende Geschichte haben: Einem beitrittswilligen Piccolospieler wurde die Aufnahme einst schnöde verweigert, was dieser mit dem Ausruf „Ihr sind doch Ego-Säu!“ quittierte. Und weil man gerade auf Namenssuche war, nahm man diese Qualifikation gleich auf.