Atemlos durch die Fasnachtsnacht!

8. März 2017 | Von | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Wer geschäftlich oder gesundheitlich den Besuch der Basler Fasnacht portionieren muss, kann alles auslassen. Ausser: Den Zyschtig!

Der Plan war einfach: Bericht über die Ladäärne-Usstellig einstellen und dann ab auf die Gasse. Ein Bier hier, eines dort. Etwas essen und einfach nur geniessen. Zuerst eine Stippvisite im Restaurant des MS Lällekönig an der Schifflände. Dort sitzt Douwe, der Holländer. Bibliothekar im königlichen Orchester von Holland. Grad noch in Singapur ist er per easyjet nach Basel gekommen. Seit vielen Jahren verpasst der gebürtige Schlagzeuger keine Fasnacht: Er ist seelig und marschiert frohen Mutes mit der Trommelgruppe Familie Tell von dannen.

Am frühen Abend erreicht mich ein sms vom fasnacht.ch-Chef-Berichterstatter (Anm. des Autors: Rache ist süss, Kollege!) : „Sorry, ich bin zu Hause eingeschlafen“… Wir verabreden uns bei Charly im Glaibasler Yysebähnli und warten dort unter den muntern Fasnächtler auf unsere Hörnli mit Ghaggtem. Charly und sein Team sind im Stress, darum dauert es ein bisschen. Der freie, wilde und zweiundzwanzig jährige Spitzenbangg D Spyyrhind verkürzt die Wartezeit mit träfen Versen, musikalisch hervorragend und vollständig auswendig. Danach für eine Zigarre mit Espresso und Schnaps in den Hof, wo wir den einzigen Regensprutz des Abends abwarten. D Chromosömli mit dem Cheftouristiker Egloff machen vor dem Ysebähnli Halt. Wir gehen raus und tauchen in die fantastische Fasnachtsnacht ein. Zuerst beobachten wir die Gugge Birsblootere, die versuchen, mit Schlag und Sousaphon ins Schoofegg einzukehren. Die Pauke schafft es nicht mehr…

Auf dem Claraplatz trennen sich unsere Wege und ich ziehe weiter. Vor Marcos Kaffiladen steht der komplette Dupf Club und spielt z Basel am mym Rhy für die Geburtstagskinder Simi und Moritz. Ein teures Happy Birthday, denn gleich darauf stürmt der Wirt mit geschätzten 80 Rugeli aus dem Laden…

Vor seinem Laden finden wir eine komplett zertrümmerte Trommel. Die Dupf-Pfyffer freuts und der Dupf-Club-Tambour sagt: „Das duet weh…“. Marco vom Kaffiladen will nicht rausrücken, warum vor seinem Laden eine Trommelleiche liegt…

Weiter geht’s über die Mittlere Rheinbrücke. Dort wird – direkt vor dem Käppelijoch – ein Passant in die Ambulanz verladen. Die Polizisten und die Sanitäter sind locker, so dass wir annehmen können, es handle sich um einen „leichten Fall“. Wir danken an dieser Stelle jenen Menschen, die auf die magischen Momente der Fasnacht verzichten und arbeiten. Es sind Tausende in Rettungsdiensten, ÖV, Stadtreinigung, Spitäler etc. MERCI!

Dann erzittert die alte Steinbrücke: Vom Grossbasel her kommt eine Riesengugge: D Räpplispalter marschieren an: 12 Schlaginstrumente, über 40 Bläser und davon 6 Susaphon-Spieler. Eine grossartige Menge und ein fantastischer Sound.

Dann streife ich lange über den Märtplatz und sehe viele Gruppen, Guggen und gar tapfere Einzelmasken, die durch das Gewühl marschieren und nur für sich selber pfyffe.

Plötzlich erblicke ich raschen Schrittes ein bekanntes Goschdym: Der Helgeträger des Drummelibanggs 2017; d Brunzguttere, rennt über den Platz in Richtung Imbergässli. Ich hänge mich an die Gruppe, und wir peilen einen der zahlreichen Cliquekeller im Gässli an. Doch noch bevor die Larven für das Einlaufen angezogen sind, kommen Bängglerkollegen: „Do mien er nid aane, do isch d Luft duss…“. Die vier Jungs von den Brunzguttere machen kehrt und hetzen zum Rumpelkeller. Der ist siedend heiss und rammelvoll. In der oberen Stube singen die Jungs tapfer ihr Minimalprogramm. Die Atmosphäre ist eine Herausforderung. Eng, voll, heiss und es stinkt nach Käsespeisen, man wähnt sich in einem Kuhmagen. Sofort steigen die Bänggler in den unteren Rumpelkeller. Dort ist es kühl (man hat die Fenster geöffnet…), es hat Luft und der Bangg läuft zur Hochform auf (…“Mir sinn d Brunzuttere und löhns grad laufe….“). Es wird sogar noch der Marathonvers („…mir wänn e Hag…“) gegeben. Das Publikum – inkl. einer Zürcherfraktion – klatscht in die Hände und die Pointe des Marathonverses ist sackstark. Und weil er auswendig gesungen wird (Bravo!), wirken Mimik und Gestik des Bankes unglaublich gut. Dann: Abmarsch und ohne Pause in den nächsten Keller. Atemlos durch die Nacht….

Dann ein gut gemeinter Hinweis auf der Fahrgastinfo-Tafel der BVB an der Schifflände: „Bitte Fahrplan beachten“ steht da. Man darf sich fragen, wer wohl an einem solchen Tag vor dem Globus auf den Bus warten will und diese Info braucht…

Auf dem Rückweg ins Hotel zurück über die Mittlere Rheinbrücke. Vor dem Käppelijoch ein schöneres Bild als noch vor anderthalb Stunden: D „Heuwänder-Gugge“ (kennen Sie nicht? Die werden nächstes Jahr 60!) bringen den Mitglieder der Primidoofen ein lautes Ständeli und stossen an. Die Obfrau der Gugge schwärmt: „Die Primidoofen sind unsere Fasnachtsfreunde. Wir machen das jedes Jahr und es ist ein Höhepunkt unseres Zyschtigs…“.

Am Brückenkopf noch eine Nase voll Gugge und rein in die Rheingassse: Dort ist Party auf der (trockenen) Strasse. Die Beizen haben rausgestuhlt und hunderte von Fasnächtlern feiern den schönsten aller Fasnachtstage im Freien. Und einmal mehr kommt der Gedanke auf, wann wohl der Mittwoch zum Zyschtig erklärt wird. Weil schöner als am Zyschtig kann die Fasnacht nicht mehr werden….