Sind wir wie „die alti Fasnacht hindedry“?

6. März 2017 | Von | Kategorie: Kurz & bündig

Betrachtet man sich das Wort „Fasnacht“, dann fällt einem wahrscheinlich sehr schnell auf, dass hier irgendwie etwas fehlt. In der Tat. Das „T“ kam mit der Baseldeutschisierung der Fastnacht abhanden und wurde so 1925 vom Fasnachts-Comité von der Plakette geschuppst. Doch was hat dies nun mit dem Termin zu tun?

Ganz einfach: Tausend sechshundert Jahre bevor man das „T“ in die Wüste schickte, haben auf dem Konzil von Nicäa (325 n.Ch) gewichtige Männer beschlossen, dass das höchste Kirchenfest „Ostern“ immer auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond stattfinden soll und – jetzt kommt der hüpfende Punkt – vorher alle Gläubigen eine 40tägige Fastenzeit einzuhalten haben. Dies weniger wegen dem Umfang der Herren, sondern aus religiösen Gründen. Denn wie das T in neuer Zeit, wurde schon Jesus in seiner Zeit in die Wüste getrieben, wo derselbe mangels Nahrung fasten musste.

Zählt man nun vom Ostersonntag 40 Tage rückwärts so gelangen wir zu dem Tag, wo in Basel punkt 4 Uhr in der Früh mit dem Morgenstreich die Fasnacht anfängt. Am Hirsemontag. Doch was ist geschehen, dass die Basler die letzten sind und andere schon mitten in der Fastenzeit hungern, während in der Stadt am Rheinknie es erst beginnt?

Wer schon einmal eine Diät durchleiden durfte weiss, dass es sich hierbei nicht um eine Zeit frohlockender Freude handelt. Dies ist keine neuere Erkenntnis der modernen Gesellschaft. Denn schon 1091 haben die Kirchenoberhäupter die 40tägige Abstinenz als eine Tortur empfunden und haben um die Leidenszeit etwas abzuschwächen einen Cheattag (welcher ein kaum weg zu denkender Programmteil heutiger modernen Ernährungsreduktionstherapien ist) eingeführt.

So durfte bereits zweihundert Jahre vor dem Rütlischwur als Erneuerung in der vorösterlichen Fastenzeit der Sonntagsbraten nicht bloss aufgetischt, sondern sogar gegessen werden. Damit die gläubigen jedoch trotzdem auf insgesamt 40 Tage ohne feste Nahrung kommen, verschob man den Anfang der nicht mehr so grossen Dürre 6 Tage vor den Hirsemontag, was uns zum Aeschermittwoch und dem Ende der neuen Fasnacht führt.

Die Basler sind bekanntlich nicht die schnellsten, wenn es darum geht, Erneuerungen anzunehmen, weshalb der neue Termin bei uns nie so wirklich griff. Sie begehen ihre Fasnacht also nach Uraltväter Sitte. So wie es sich schon immer gehört hat. Zugegebenerweise seit der Reformation nicht mehr mit der katholischen Kasteiung des Nahrungentzuges. Aber die Basler Fasnächtler hatten andere Herausforderungen zu bestehen um die geliebte Fasnacht am Leben zu erhalten. Dies soll an einer anderen Stelle weiter ausgeführt werden.

Es ist für einen Basler vielleicht nicht ganz einfach zu verstehen, dass in der dritt grössten Schweizer Stadt wegen des alten Termins die „Bauernfasnacht“ begangen wird, währenddessen man mit dem neuen Fasnachtstermin in Luzern die „Herrenfasnacht“ feiern kann. Doch erstens blickt man in Basel schmunzelnd nach Luzern im Wissen darum, dass die Basler ihnen die Guggenmusiken geschenkt haben und bekanntlich kommt das Beste immer erst am Schluss.