Dr Mäntig (I): Auch das Comité stand im Regen

6. März 2017 | Von | Bilder: André Auderset | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Von wegen: Die noblen Herren geniessen die Fasnacht gemütlich und lassen die Aktiven im Regen stehen. Klitschnass waren die Frau und die Männer, die an der Clarastrasse den Cortège abnahmen innert Kürze, wie ein Augenschein heute Nachmittag zeigte. Da nützten auch die Hüte nichts mehr, denn die mussten ja dauernd gelupft werden, um die Aktiven zu grüssen.

Mal was Neues, dachte sich der Chronist und gesellte sich einen Nachmittag zu den Organisatoren der Fasnacht, die während des Cortèges die Aufgabe hatten, die vorbeiziehenden Gruppierungen zu grüssen und mit der Zugsplakette zu bestücken. Heute eine harte Aufgabe, denn der Dauerregen löste die Dauerwelle von Annicken Gravino (so sie denn anfangs eine hatte) in Wohlgefallen auf und André Schaad wie auch Bruno Kern hätten sich wohl eher die Kürzest-Haartracht von Hans Flückiger oder Robert Schärz gewünscht.

Dafür wurde dem Team im Zugskostüm „Schwarz mit Hut“ aber auch einiges geboten, denn diverse Cliquen hatten sich speziell etwas einfallen lassen. So die Luscht-Melch, die dem Team je einen Kaffi avec spendierten und auch den Chronisten nicht vergassen (très grand merci!) oder die Rootsheere, welche um jedes Comité-Mitglied eine grüne Strich-Markierung sprayten und damit die genau markierten Tolerazzonen ausspielten, die auch Vorteile haben:

Au fir d’Freier soll sich’s lohne
beweggsch di in de griene Zoone;
saisch ooni z’liege – Daag und Nacht
ha e Bummel in’s Griene gmacht.

Noch exaltierter trieben es die Alte Stainlemer, die unter dem Sujet „Schiss-Dräggzüügli“ das Thema Sicherheit richtiggehend verstörend (mit Panzer!) ausspielten, mit einem eigenen TV-Team sicherheitsrelevante Intervies führten und den Comité-Standort mit Sicherheitsband lahmlegten:

 

Sehr originell übrigens auch die Alte Garde der Stainlemer, die für die Freunde aus dem Elsass mit einer Petition Unterschriften sammelten mit dem Wunsch „Mir welle bliewe, was mir sin!!!“. Sie beklagen – wie tatsächlich die Mehrheit der dortigen Bevölkerung, dass die Region zwangsweise mit anderen zusammengelegt wurde:

Es isch verdannewald scho schlimm
jetzt will-me s’Wertli „Elsass“ nimm
es soll jetzt haisse „Frankryych Oscht“
das stoosst aim uff, wie suure Moscht.

Noch weiter schaut die Junge Garde der Aagfrässene, die an den Isländern und ihrem Kampfruf an der Fussball-EM Gefallen gefunden haben und gleiche einen Bezug zu Basel finden:

Unseri Fasnacht kennt nit numme „Ych“, sondern „Du“, „Du“, „Du“
und vor allem ganz vyl „Mir“! Die Aagfrässene – Huh-Huh-Huh!

Den Vogel abgeschossen haben nach ganz subjektiver Meinung des Chronisten die Schnurebegge, dieses Jahr in Partnerschaft mit den Sürkrütt-Waggis. Zum einen muss man auf das Sujet „100 Joor Staubsuuger“ erst einmal kommen. Und dann muss man es noch so ausspielen. Der Zug umfasst ein paar Dutzend Putzfrauen, die alle mit einem Staubsauger bewaffnet sind, damit Choreos machen oder zu Musik – hier zu „I want to be free“ von Queen – rhythmisch über den Strassenboden wischen. SCHLICHT GROSSARTIG!

Andere hatten die dunkle Seite der Fasnacht erreicht, so die BMG Runzle & Alti Märtplatz, die den „Erdowaan“ ausspielen und auf ihrem Zeedel reimen:

Ganz langsam drille si dr Schalter
schnuerstraggs Richtig Mittelalter.

Oder d Gundeli, die unsere Altersversicherung mit „Alli Hoffnig Verloore“ ausdeutscht und befürchtet, künftig müssten wir wesentlich länger „schaffe“:

Mit sibzig wird denn gratuliert
de haigsch dy brueflig optimiert
zum ändligg richtig duurestarte
doch uff d Bangsioon – do muesch no warte!

Seeehr düster – und dazu ebenso laut wie stinkend – kommt der Zug der Basler Bebbi daher, die mit dem Sujet „Highway to hell“ sinnieren, ob Dantes neun Kreise der Hölle nicht viel zu wenige sind – und dies auch optisch demonstrieren:

Nun reichts aber mit Trübsal blasen – kommen wir zur schönen, bunten Seite der Fasnacht zurück – hier mit einigen Farbtupfern:

Alles in allem: Ein toller und erlebnisreicher Cortège trotz des misslichen Wetters, der einmal mehr bewies: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung (wozu auch nicht-imprägnierte Hüte gehören) oder wie es die Batzeglemmer nahezu programmatisch auf ihrem Wagen formulierten:

Schisseglyych – Hauptsach Fasnacht

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