Fasnachtsgottesdienst 2017 – rysst Muure yy!!!

5. März 2017 | Von | Bilder: Olly Klassen | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Bereits zum 18. Mal lud die offene Kirche Elisabethen zum Fasnachtsgottesdienst ein. Unter dem Namen „Gäll de kennsch mi nit“ fand wiederum eine seelige, lustige und einfach rundum gelungene Vorfasnachtsveranstaltung, der etwas anderen Art, ihre Durchführung. Das diesjährige Programm stand unter dem Sujet: „duesch au muure?“

Ein Arabi, welcher in einer besonders harmonischen Version durch die 6 Pfeiffer vorgetragen wurde, eröffnete den Fasnachtsgottesdienst. Ein Ohröffner der die Besucher, in der wiederum zum bersten vollbesetzten Kirche, bereits zu Ovationen hinreissen liess. Marinett Oeggerli, in Person eines Vereinsmitglieds eines neu gegründeten „Schyssdräggziigli mit eigener Ladärne“ sass danach alleine an einem Tisch und grübelte über „Ladärnevärsli“ und darüber, wo ihre Gleichgesinnten sind um sie dabei zu unterstützen. Aber sie kamen. Haiggi Leimbacher, Christoph Nidecker, Jürg Jösslin und Nina Sahin gesellten sich zu ihr und gemeinsam schmiedete man schliesslich, mehr oder minder amüsante Verse, welche auf der Laterne verewigt werden sollten. Allesamt unter dem Sujet: „duesch au muure?“ wie zum Beispiel:

dr Vatikan duet, ganz im Vertraue,
immer no muure, geege d Fraue

Ein wunderbarer Auftritt hatte danach die junge Nina Sahin (bekannt aus dem Fasnachtsbändeli), mit klarer Stimme, einer Tasse und dazu klatschend brachte sie eine entzückende Homage an den Morgestraich.

Im Anschluss glänzten die Pfeiffer zusammen mit Patrick Stalder an der Trommel mit einem schmissigen Saggado. Nun war auch das Publikum gefordert, sich beim Refrain von „Dr Joshua wott emoll…“ einzubringen. Eine bekannte Melodie machte dies einfach und der Baseldeutsche Text (Jürg Jösslin 2013) konnte zudem problemlos nachgelesen werden.

Dr Joshua wott emool an d Fasnacht goo,
d Fasnacht goo, d Fasnacht goo.
Dr Joshua wott emool an d Fasnacht goo
Äär liist im Rädäbäng:

Am Morgestraich isch s dunggel,
me gseeht halt nur e Bitz:
Wenn döört e Foti mache wottsch
denn bitti ohni Blitz

Wenn e Waggiswaage
zmitts uff dr Wettstaibrugg
e pfluddrigi Orange schiggt
denn wiirf si joo nit zrugg.

Nun stand der erste Schnitzelbangg an und er stand weit oben, auf der Kanzel genau gesagt. Damit die Helgen vom Schyynhailige auch bis in die hinterste Reihe gesehen werden konnte, wurde er in diese luftige Höhe katapultiert. Katapuliert hat er auch seine Zweizeiler und zwar direkt auf das Zwergfell der Gäste. Einfach Grandios.

D Frauerächt im Islam
sin immer no besser als im Vatikan

Diesen Vers wiederholte Monika  Hungerbühler in ihrer Predigt, in welcher es vornehmlich um Mauern ging. Kleine Mauern, auf deren sie als kleines Mädchen sass, solche in welche man sich wohl fühlt, man sich zurückziehen kann, aber auch solche die trennen, ausschliessen und abschrecken. Sie gab zudem zu verstehen, dass der Hass wieder Salonfähig geworden ist und in den sozialen Netzwerken die Parolen offen verbreitet werden. Sie schloss mit den Worten: „Gott sai Dangg gits no d Fasnacht! AMEN“

 

Nun sang auch das Schunggebegräbnis (Comité-Bangg), praktisch der Hausbangg der offenen Kirche Elisabethen, gewohnt vierstimmig und stimmig in den Pointen. Ihre Sujets bewegten sich zwischen Brexit, Basel Tattoo, BaZ, SVP, der Luftwaffe und der Handschlagaffäre. Sie sorgten ebenfalls für viel Frohsinn.

Maya Burtscher, Maria Gassler, Myriam Gysel, Matias Hugentobler, Alena Schöni und Michèle Zeggari, das wunderbare Pfeifferensemble brillierten alsdann mit dem „Zygüüner“. Ein formidables Stück und die Tambouren Michael Kämmerle, Andreas Tschudin und Patrick Stalder ruessten „Cellanese und d Mätzli“ auf s Fell.

Die Marble Bags spielten auch nochmals auf und das Publikum sang bei Halleluja und beim „Fasnachtskiechli“ lauthals mit. Einfach schön.

Halleluja…Refrain

Y heer wyt wägg e Sousaphon
und draim denn by däm diefe Doon
vom Zyschdig, woo die Gugge heerlig schränze.
Es isch esoo, he joo, jää soo
mit dääne falsche Deen vo doo
hesch s Gfühl jetzt schränze d Ängeli Hallelujah

Wie es sich für den Fasnachtsgottesdienst gehört, wird auch ein Überraschungsgast geladen. In diesem Jahr reisten diese von Zürich her nach Basel. Für sie keine unbekannte Stadt, haben sie doch am Bebbi-Jazz 2016 schon für Furore gesorgt. Dort gehört und sofort für den Gottesdienst engagiert. Die Rede ist von den drei charmanten Sängerinnen, welche nebenberuflich auch Hausfrauen und Mütter sind und als Polly’s Garden enorm viel Schwung in die Kirchenmauern brachten. Im Country-Style, mit Balladen oder Jazzig und hervorragend an der Gitarre begleitet von Dani Bless und Joe Schwach, verzückten sie die Besucher und sorgten für einen beschwingten Abschluss eines ereignisreichen Gottesdienstes.

Nach dem Fasnachtssegen von Monika Hungerbühler, sind die Besucherinnen und Besucher des diesjährigen Fasnachtsgottesdienstes unter den Klängen des Wettsteinmarsches an den offerierten Apéro geleitet oder in die „drey scheenschte Daag“ entsandt worden.

„Gäll de kennsch mi mit“ Der Fasnachtsgottesdienst der offenen Kirche Elisabethen, die letzte vorfasnachtliche Einstimmung. Die Plätze in der ersten Reihe für das nächste Jahr sind bereits wieder reserviert!

Die Kollekte wird, wie jedes Jahr geteilt. Eine Hälfte bleibt in Basel und wird für die Arbeit der Offenen Kirche Elisabethen verwendet, die andere Hälfte geht weit weg und wird für das Schulprojekt vom leider im vergangenen Jahr verstorbenen André Feuz mit burmesischen Kindern in Thailand genutzt.

Eine umfangreiche Bildergalerie gibt es hier.