Es ist wieder da! – 2. Teil vom Drummeli 2017

19. Februar 2017 | Von | Bilder: Ivo Birrer | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Es folgt die Berichterstattung über den zweiten Teil des Drummelis 2017:

Der Musicalsaal sieht in der Pause aus wie der Cortège am Montag Abend um 17 Uhr: Überall Räppli, Mimosenzweige und Dääfeli, leere Petflaschen und hie und da ein Caramba-Stengel. Die vom Comité eingesetzten „Wäägeler“ haben ganze Arbeit geleistet. Und sie waren grossartig.

Der zweite Teil beginnt nach einem kurzen (!) Rahmestiggli mit den Sans Gêne, die uns einen Elfer darbieten, der sich gewaschen hat. Präzise im Spiel und schön in der Optik. Genau so, wie man sich das am Monster wünscht.  Danach Balsam für die von Tanz-  und Schauspieleinlagen gespickten Cliquenauftritte: D JB Santihans kommt im Charivari, steht auf die Bühne und bringt den Hanswurst. Das einzige, was sie sich erlauben, sind einige Lichteffekte, die sie aber getrost weglassen können. Wer so musiziert, braucht das nicht. Danke für diesen herrlichen Auftritt.

Der nächste Rahme wird gesprengt: Hugo Buser als Narr. Erinnert an Rehorek und ist fantastisch gespielt. Wie schön würde dazu ein Altfrangg passen, der im Anschluss von den AGB gepfiffen wird. Dieser wunderschöne, mehrstimmige und volle Marsch wird von einem Digeridoo begleitet. Ich persönlich finde das etwas schade. Aber schon mein Nachbar ist ausgeflippt vor Begeisterung. Dann also: Digeridoo ok. Aber die vorbeihüpfenden Franken lenken ab. Definitiv.

Dann schiebt die Regie einen ultrakurzen Rahmen ein. Im Gegensatz zum letzten Jahr hat aber auch dieser Kurzrahmen eine Handlung, einen nicht unlustigen Text und eine Pointe. Und sie ist aktuell. Bravo. Sofort danach auf der Bühne d Rhygwäggi mit einem netten Marsch und einem  lustigen Auftritt mit den Muppetshow-Figuren.

Es folgt ein Höhepunkt des Abends. Der Comitébangg „Brunzguttere“ mit einem Auftritt, der wirklich grosse Klasse ist. Es wird eine Plastik-Schyssi-Kabine auf die Bühne geschoben und was dann folgt, ist ein schön gesungener, lustiger und perfekt harmonierender Bangg. Und sie bringen es sogar fertig, einen Vers übers Drummeli und das Publikum zu singen…

Und gleich nochmals ein sehr kreativer Auftritt! Die Alte Stainlemer musizieren aus dem Stand zusammenhängend sechs erste Verse von 20 möglichen Märsche. Die Reihenfolge wird ausgelost vom Publikum. Die gebotene Erklärung kommt in Versform, ist sehr kompliziert und lang (ginge auch in zwei Sätzen…) und bricht etwas die Spannung. Der Vortrag aber ist grandios.

Dann wieder zwei Rähme unterbrochen von den Rhyschnooge mit Auprès de ma blonde. Dem Publikum gefällts, wenn es ab und zu eine Melodie vernimmt, wo man etwas mitsummen kann…

Eine wunderschöne Sache ist der Vortrag von der ARI. Sie pfyffe d Regimäntstochter mit dem Donizetti-Vorspiel. Aber Achtung: Das Vorspiel ist ein Pfyffersolo und das haben die Mitglieder der Guggemuusig Hunne leider nicht begriffen, die ihren Monsterauftritt, der gleich danach folgt, mit viel Krach und Lärm hinter der Bühne aufgebaut haben. Die Alte Richtig haben tapfer dagegen gehalten und eine supersaubere Geschichte abgeliefert.

Dann eben d Guggemuusig HUNNE BASEL (steht das Basel wohl als Antwort auf Pratteln?). Der Hunne-Auftritt ist königlich, gigantisch, heiss und laut. Ein richtiger Gugge-Auftritt für die Bühne. Die Queen dirigiert die Queen. Etwas schräge Interpretation aber richtig gut gelungen. Toll gemacht mit echtem Feuer auf der Bühne, die den vordersten Reihen kurz die Hitze ins Gesicht trieb…

Ein Mitsumm-Stück ist dann auch die Liberty-Bell von den Glunggi. Die Geschichte, welche die Glunggi mit Theaterszenen und Leinwand mitliefern, ist etwas intensiv und man versteht sie erst, wenn die Seite 49 des richtig klug gestalteten Programmheftes gelesen wird (Man müsste den Cliquen wieder einmal mitteilen, dass die Leinwand in den ersten 11 Reihen nicht gesehen werden kann…).  Aber: gepfiffen und geruesst war das Stück einwandfrei, und letztlich zählt genau das…

Der zweitletzte Rahmen war wohl eine augenzwinkernde Abrechnung der Autoren oder des ganzen Drummeliteams an die Kritiken des letzten Jahres: Drei stockkonservative und traditionsbewusste Fasnächtler, die seit vielen Jahren immer alles genau so machen wie immer, legen sich mit ihrem Vordrääbler an, der sich erlaubt hat, mal etwas anderes zu machen. Es gibt kein Happyend.

Ein Happy-End allerdings im Programm des Monsters 2017: D Breo mit einem Auftritt, der vom Publikum mit Bravo-Rufen gefeiert wurde (Dr Puppedanz am Bosporus) und als letzte Clique d VKB, die den Fritzli vortrugen,  mit einem sehr, sehr lustigen Beginn (Der Gag ist so gut, dass er hier nicht verraten wird….).

Das Schauspiel-Ensemble verabschiedet sich mit einem feinen und würdigen Epilog. Die Schauspieler sind grossartig, auch wenn es manchmal weh tut, wenn der Wahlbasler Zürcher Andrea Bettini Baseldytsch sprechen muss. SKELT ist unterdessen zu einem Klasse Schauspieler avanciert und Susanne Hueber ist einfach nur grossartig in ihrer Präsenz und Präzision. Rula Badeen ist neu, macht ihre Sache aber toll und Patrick Gusset – der Buser-Ersatz von 2016 – wurde richtigerweise im Ensemble behalten. Über Hugo Buser zu befinden ist unnötig. Er ist der Chef auf der Bühne!

Schlussgesang: Das Drummeli ist wieder da! Nach einem Ausflug der Textabteilung ins alternative Nirvana, hat das Publikum gesprochen und die Drummeli-Verantwortlichen unter der Leitung von André Schaad haben zugehört. D Rähme haben ganz neue Ansätze: Da gibt es richtig lustige kleine Szenen, die aus der Feder von Loriot hätten stammen können. Die Balkonszene ist Weltklasse. Und die Soli gehen unter die Haut. Laurent Gröflin, der Regisseur, hat begriffen, was das Publikum will und was nicht. Und das ist ihm hoch anzurechnen.

Der Satz mag abgegriffen sein, aber hier stimmt er: Wer das Drummeli 2017 nicht gesehen hat (und zwar live, und nicht per Internet), der wird etwas verpasst haben! Tickets hats noch genug und die Abendkasse ist offen. Wer dieses Jahr anstelle vom Drummeli ins Charivari gepilgert ist, hat logisch gehandelt. Aber es würde sich tatsächlich lohnen, dem Drummeli eine Versöhnungschance zu geben.

Das Drummeli findet vom 18. – 24. Februar 2017 jeweils um 19.30 Uhr (ausser sonntags 14.00 Uhr) statt. Es hat noch Tickets in allen Kategorien. Zum ersten Mal können an der Abendkasse Jugendliche mit Ausbildungs-Ausweis und sozial Benachteiligte mit der „KulturLegi“ Restkarten zum halben Preis kaufen. Die Tickets kosten CHF 43.-/53.-/63.-/73.- und können beim Fasnachts-Comité am Blumenrain 16, Bider & Tanner an der Aeschenvorstadt 2 sowie an den üblichen Vorverkaufsstellen bezogen werden.

Ausserordentlich hat das Comité am Sonntag, 19. Februar 2017 von 11.00-12.00h für den Drummeli-Ticketverkauf offen.


AGB meets Didgeridoo (von Carmen Kolp)

Unter dem Altfrangg versteht der Bebbi einen traditionellen Fasnachtsmarsch, welcher damals René Brielmann geschrieben hat. Was jedoch die Alte Glaibasler daraus machen, hat nur weit entfernt mit dem schönen Goschdym, bzw. der Uniform zu tun. Der Marsch wird von vielen Cliquen als Pfeifersolo gespielt, unter ihnen auch die AGB. Als dann noch die neue Fünfzigernote auf den Markt kam, war die Idee da. Genau diese Idee kam an einem Zunftessen. In dieser illustren Runde wurde dann bei Mineral und Cola weiter über den Auftritt sinniert und heraus kamen, neben der Fünfzigernote, noch ein Fünfliber (Wilhelm Tell) und drei Einfränggler. Die erste Helvetia ist jung, die Zweite gesetzten Alters und die dritte eben ein Altfrangg (alter Franken). Aber diese Kreativität genügte der Männerclique nicht. Sie wollten noch etwas Verrückteres, etwas, das ganz weit weg vom Franken ist. Am Zunftessen zu noch späteren Stunde wurde dann das Weiteste gefunden: Australien. Und was spielt man in Australien genauso oft wie bei uns Piccolo? Genau, das Didgeridoo. Die Pfeifer waren alle skeptisch, als diese Idee vorgestellt wurde. In der Zwischenzeit haben alle viel Spass an der Kombination von Piccolo und Didgeridoo. Obwohl das gleichzeitige Ein- und Ausatmen, wie es beim Didgeridoo spielen der Fall ist, vom Instruktor noch so gewünscht, jedoch auf taube Ohren bei den Piccolospielern stiess. Der Didgeridoospieler Matthias Müller improvisiert jeden Abend. Es kann also sehr gut sein, dass das Stück an der Premier anders klingt als an der Derniere. Eine schöne und interessante Kombination auf der Drummelibühne.