Charivari 2017; e Fasnachtsbuech mit vylne Syte…

5. Februar 2017 | Von | Bilder: Michaela Brosig | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Am Samstag, 4. Februar feierte das Glaibasler Charivari im Volkshaus seine Premiere. Das  2 ½ stündige Programm ist abwechslungsreich und mit enorm viel Musik gespickt. Die Abräumer des Abends waren die in Basler Fasnachtskreisen vieldiskutierten „Nachtfalter Schränzer“ aus Pratteln.

Seit Wochen ist das Glaibasler Charivari ausverkauft und es wurde sogar eine Zusatzvorstellung lanciert. So verwundert es auch nicht, dass der Volkshaussaal am Premierenabend voll besetzt war. Wie immer an solchen Premieren befanden sich im Publikum viele Geladene und Prominenz aus Politik, und Kultur. So durften die Charivarimacher beispielsweise den sechsfachen Oscar-Gewinner Arthur Cohn begrüssen und auch Guy Morin war unter der illusteren Gästeschar. Letztgenannter erhielt im zweiten Programmteil sogar eine ganze Nummer, aber dazu später mehr.

Das Charivari kommt in dieser Spielzeit traditionell daher. Fasnachtsmusikalische Nummern folgen auf Rahmenstücke vom Schauspielensemble, dazwischen singen zwei Schnitzelbängg, zwei Guggen schränzen durch den Saal und ein Bücher- oder Glühwürmchen informiert über aktuelle Geschehnisse aus unserer Stadt dem nahen Ausland oder aus Übersee. Sogar eine eigentliche Schlussnummer, wie sie vielfach in alten Charivarizeiten zelebriert wurden, fand Aufnahme in die Ausgabe 2017.

Mit dem Prolog des Ensembles laden die Schauspieler als Hofnarren gekleidet das Publikum ein, das Fasnachts- oder Jahrebuch zu öffnen, welches übergross in mitten der Bühne platziert ist. Dieses Buch ist dann auch das eigentliche Bühnenbild, welches durch umblättern gezeichnete Szenen zeigt, oder mittels Beamer auf deren leere Seiten projektiert wird. Seite für Seite wird das Buch durch das Programm führen und der Bücherwurm (Mirjam Buess) verbeisst sicher immer wieder in die selbigen.

Überhaupt wissen die Schauspieler allesamt zu überzeugen, obwohl die Rahmenstücke zum Teil etwas wenig hergeben. Vor allem im ersten Teil kamen „Dr Klybeck Kliby“ ein wenig konfus und auch „Schwyz/Wikinger“ etwas gar zahm daher.
„Fasnacht für aini“ hingegen ist ein gelungenes Remake des Silvesterklassikers „Diner for One“, nur etwas Fasnachtlicher, aber genau so lustig.

„Dr Märliwald“ nach der Pause ist mit den Projektionen toll umgesetzt. Die Einbindung des Publikums eine schöne Idee und auch BFO-Redaktionsmitglied André Auderset bekommt eine Pointe aufs Auge gedrückt.
Herausragend die Texanische Schönheitskönigin (Colette Studer), welche die amerikanische Nationalhymne trällernd, abrupt auf den Boden der aktuellen amerikanischen Realität zurückgeholt wird. Eine Nummer, die unter die Haut geht und zum nachdenken anregt. Wunderbar vorgetragen und musikalisch am Piano von Mike Low begleitet.
„Dr Absang“ ist dann vollumfänglich Guy Morin gewidmet. Ein kleines Musical wird hier auf die Bühne gebracht und das Ensemble weiss mit verschiedenen Melodien gesanglich zu überzeugen. Auch der Besungene selbst macht an der Premiere gute Miene zum guten Spiel und setzte sich vergnügt in die Szenerie…

Mit „dr Drummelkeenig“ ist Mathias Brenneisen wiederum ein Coup gelungen. Eine richtig kleine Fasnachtsgeschichte, mit viel Wortwitz, Melancholie und immer einem Funken Alltagswahrheit behaftet gipfelt sein diesjähriger Charivariauftritt mit den Klängen von Simon and Garfunkel. Einfach Grandios!

 

Alsdann die Fasnachtgesellschaft Seibi Basel 1933, absolut sauber, präzise und rassig zaubern sie „dr Seibi“ auf die Bühne. Nach der Pause begeistern sie dann mit „dr Hofnarr“.
D Wältmaischter Drummegrubbe wirbeln königlich ihre Schläger auf das Trommelfell und daraus entsteht ein bravuröser „Römer“. Toll!

Die Jungtambouren Fasnachtszunft Ryburg lassen sich für das Charivari etwas besonderes einfallen. Ein Tipi im Hintergrund, das Lagerfeuer im Zentrum und allesamt in Indianerkluft gekleidet, bringen sie „Feuerwasser“ auf die Bühne. Das Rhythmusstück, welches auf verschiedensten Schlaginstrumenten gespielt wird, wurde speziell für das Charivari in Zusammenarbeit mit ihrem Leiter Ivan Kym komponiert.

Die tollkühnen Männer in ihren Fliegenden Kisten, heisst ein Filmklassiker, bei welchem es um ein Rennen in den Anfängen der Fliegerei geht. Die Titelmelodie wird nun von der Pfyffergrubbe d Spitzbuebe wunderbar ins Volkshaus gepfiffen. Ein absoluter Ohrenschmaus. Ein zweiter Auftritt hätte diese Formation zusammen mit 10TAOsend gehabt. Der Breakdancer hat sich jedoch verletzt also musste diese Nummer für das diesjährige Charivari gestrichen werden.

Mit den Gwäägi (Comité 1914) und den Schlyffstai (Comité-Bangg) sind gleich zwei Spitzenvertreter ihrer Gilde am Charivari 2017 mit dabei. D Gwäägi pointiert, frech und wie immer sehr direkt, nehmen sie bei ihrem Langvers die gesamte Basler Politprominenz an die Kandare. D Schlyffstai, wie immer stimmgewaltig, melodiös und treffend mit ihren internationalen Seitenhieben. Zwei hervorragende Vorträge.

Auch von der kakophinischen Gilde waren gleich zwei Vertreter zugegen, obwohl Kakaphonie hier eigentlich die falsche Bezeichnung ist. Die altehrwürdige Schotte Clique 1947 Basel feiert ihr 70 Jahr Jubiläum und tritt in ihrem Stammkostüm dem roten Fulldress und den Bärenfellmützen auf. „Island Glory“, wunderbar eingeleitet von einem lonely Piper, heisst das erste Stück und mit „Rosemarie“ fetzen sie die Bude! Bombastisch!

Ihnen laufen die; Zitat aus dem Programmheft: Guggemusikalischer Import aus Pratteln, d Nachfalter Schränzer am diesjährigen Charivari den Rang ab. Ein Guggenauftritt, welcher die Vorfasnacht schon lange nicht mehr gesehen hat. Nicht nur die eigentliche musikalische Darbietung, sondern der Ideenreichtum und die tolle Umsetzung des gesamten Auftrittes macht diese Nummer mit charmanten Tänzerinnen, Requisiten und Flaschenxylophon, von Polo Hofer bis Mani Matter zu einem Ereignis. Hut ab, das muss man auch als Guggenmusiker neidlos anerkennen, da hat Erik Juillard das richtige Händchen bewiesen. Der tosende Applaus des Premierenpublikums gab ihm recht.

Vor dem Epilog des Schauspielensembles, in welchem das Jahrbuch 2016 geschlossen wird, haben Alex Felix und seine Mannen der PS Corporation ihren grossen Auftritt. Im Dixie-Stil mit Trompete, Baritonsaxophon, Banjo und Handschlagzeug bringen sie den Saal vom ersten Ton an zum Mitwippen. Zu ihnen gesellt sich nochmals d Pfyffergrubbe d Spitzbuebe. Zusammen swingen sie bekannte Dixi-Melodien, unter diese sich auch bewährte Fasnachtsmelodien mischen. Eine Schlussnummer wie man sie auch vor etwa 20 Jahren im Charivari hätte machen können. Einfach Klasse.

In den Schlussapplaus für das Schauspielensemble mischen sich nochmals letzte Töne der PS Corporation & d Spitzbuebe und so geht das Charivari 2017 zu Ende….

Glaibasler Charivari: 4.- 18. Hornig 2017 / Volggshuus Basel, Zusatzvorstellung Sa. 18 Hornig 14:00 Uhr