Der Unterschied zwischen schwarzem Humor und peinlichen Versen

26. Februar 2016 | Von | Kategorie: e Hampfle Räppli

Im Facebook und mittels Mails wurde der BFO-Autor Daniel Thiriet mit ein paar Feedbacks auf seine Bemerkung über den „Germanwings“-Vers der Dootebainli an der Fasnacht 2016 konfrontiert. Man wünscht ihn an den „Deutschen Karneval“, weil es dort immer nur lustig ist… So einfach ist es aber nicht. Einige persönliche Bemerkungen des Autors:

Drey-Daags-FliegeAn dieser Fasnacht hat ein Vers viel zu reden gegeben. Nämlich jener des  Schnitzelbanggs Dreydaagesfliege (Bild), der die Schweiz nach rechts abrutschen sieht und zwar bis nach Polen. Dort gäbe es schliesslich „au Schwiz“! Diese schwarze Kritik am vermuteten oder tatsächlichen Rechtsruck in der Schweiz ist hier mit mehr sehr feiner Klinge geführt. Erstens im Versmass und im Reim perfekt gestaltet, in der Dramaturgie richtig platziert (der Bangg hat den Vers immer zum Schluss serviert) und dann eben mit Humor, schwarz, schwer aber – und das ist wohl der Kernpunkt der Diskussion – nicht auf Kosten von andern. Ich persönlich fand diesen Vers sehr gut. Ganz abgesehen vom Mut des Bängglers hat, wie oben beschrieben, das Handwerk gepasst. Und die Dreydaagesfliege hat mit ihren anderen Versen bewiesen, dass sie nicht nur mit dem Ziel unterwegs ist, dem Publikum eine politische Gesinnung unter dem Deckmantel des „schwarzen Humors“ um die Ohren zu hauen. Nein, bei dem Bangg gab es sogar etwas zu lachen.

Sieht man sich allerdings den „Germanwings“-Vers von den Dootebainli an, dann liegt die Sache etwas anders: Hier war die Präsentation des Bangg zwar auch sehr angenehm: Mit Harfenklängen und schönen Stimmen hat er eigentlich ein ganz gutes Setup. Leider kenne ich die Gruppe nicht persönlich, bin aber sicher, ich könnte deren politische Gesinnung erraten. Im ersten Anlauf… Aber, und hier kommt meines Erachtens der grosse Unterschied: Der Dootebainli-Vers (nachzulesen im Artikel vom Comité-Schlussoobe) ist einfach nicht gut. Da wird ein Scherz gemacht auf Kosten von 150 toten, ermordeten Menschen. Wo bitte, ist hier der Grund für „schwarzen Humor“? Welche Aussage wird hier transportiert? Die Steigerung wäre noch ein Witz über ein Kreuzfahrtschiff voll mit Deutschen, welches untergeht… Nein, sorry, aber ich empfand diesen Vers einfach als widerlich geschmacklos.

Im Zuge dieser Diskussion hat man mich noch mit weiteren Fehltritten dieser Bängglertruppe bedient. Und ich muss sagen, es hat meine Meinung darüber nur bestärkt: Wer Verse über Kinder, die den Rasertod sterben oder beim Sperrmüll entsorgt werden sollen, singt, hat bei mir das Recht , über Humor an der Basler Fasnacht zu diskutieren, verwirkt. Das ist kein schwarzer Humor. Sondern höchstens eine dunkle Gesinnung.

In diesem Sinne die Zusammenfassung: Ich bin absolut nicht gegen schwarzen Humor. Ich bin allenfalls gegen schlechten, billigen oder widerlichen, schwarzen Humor. Ein Vers, der sich auf Kosten von 150 toten Menschen profilieren soll, gehört dazu.