Die Waggis-Einkleidung beginnt mit einem Kaffi Lutz!

11. Februar 2016 | Von | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Seit 41 Jahren verkleiden d Lufthyyler-Waggis mit viel Aufwand und Freude die ehrenwerten Drei Könige am gleichnamigen Hotel in „drei Waggis“. Der einstige Kleinanlass zur Eliminierung der Schwellenangst während der Fasnacht, hat sich zu einem Top-Event der Basler Prominenz entwickelt. Fasnacht.ch war dabei: Und zwar vom unbeachteten Anfang des Tages an…

Die Aktion beginnt im „Koornhyysli“, der kleinen schmucken Beiz neben der Basler Feuerwehr. Dort treffen sich die Lufthyyler-Waggis unter dem Kommando von Pitt, den es nur zusammen mit einer feinen Zigarre gibt… Die ersten Kaffe Lutz werden getrunken und Daniel. Marc, Luciano, Pesche, Charly und Dominik machen sich lustig über Ronnie, der als einziger mit einem silberigen Waggis-Goschdym aufkreuzt. Die andern tragen alle dunkel – seit 41 Jahren. Es bleibt Ronnies Geheimnis, weshalb er immer mal wieder mit einem falschen Goschdym auftaucht.

Man nimmts locker und disloziert in den Hof der Feuerwache, wo ein aufgeregter Dienstleiter zu Pitt sagt: „Mir hänn grad en Ysatz und zwenig Lüt. I ka dr numme zwai Maa mitschigge und d Laitere isch auf uff Abruef. Du waisch: Ysätz hänn Vordritt (Jä hoffentlig! Die Red.)“. Pitt, der in diesen 41 Jahren schon viel erlebt hat, nimmts gelassen, lässt sich von seinem Sohn Daniel die Zoggeli anziehen, und befiehlt: „Uffsitze“! D Lufthyyler sitzen auf den Polizei-Oldtimer, den das Sicherheitsdepartement nur nach Durchlaufen einer Bewilligungsphase und mit viel Goodwill des Vorstehers auspackt. „Ich muss jedes Jahr wieder fragen, aber wir werden immer grossartig unterstützt“ sagt Pitt und setzt sich vorne links auf das Fahrzeug. Noch im Hof werden die riesigen Waggis-Laarve aufgesetzt und – gefolgt von der Drehleiter der Feuerwehr – geht’s los.

Genau 40 Meter und dann passierts: In der Ausfahrt steht ein riesiger LKW der nicht mehr weiter kann, weil die Ausfahrt zuparkiert ist… Der Konvoi fährt rückwärts und verlässt das Areal dann durch die Garage der Feuerwehr. Via Spalentor und Kantonsspittel geht’s zur Schifflände, wo geschätzte 500 Leute mit Ballonen und Fotoapparaten – zusammen mit den Krachschnygge – auf die beiden Fahrzeuge warten. Ein kurzer Halt (für das Abspringen der ungoschdymierten Gäste) und nach einer Ehrenrunde um den Märtblatz kommt die kleine Karavane vor dem Drei König an. D Lufthyyler springen vom Fahrzeug und beginnen die von COOP gesponserten Kääskiechli und den Wysse unter den Zuschauern zu verteilen. In der Zwischenzeit steigt der jüngste Lufthyyler in den Korb und lässt sich auf die oberste Terrasse des Hotels liften. Dort überwacht er die Einkleidung der drei Figuren, die in diesem Jahr über eine Stunde dauert. Gottseidank hat Petrus nochmals das schönste Wetter ausgepackt, der Weisswein geht nicht aus und d Krachschnygge konnten endlich ihr ganzes Repertoire im Stehen spielen…  Es wird fotografiert: Ein Waggis steht zwischen die sichtlich aufgeregten, aber sehr eleganten Doormen des Hotels. Geoffrey, einer der beiden, geniesst dieses Spektakel sehr…

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Begonnen hat diese Tradition vor 41 Jahren als Pitt mit dem damaligen Direktor des Hotel an der Bar sass und dieser ihm sein Bedauern ausgedrückt hat, dass die Basler Fasnächtler sich während den scheenschte drey Dääg nicht in das „scheenschte Hotel“ getrauen würde. Der clevere Pitt hatte sofort eine Idee: „Du musst das Hotel umtaufen zum Hotel Drei Waggis“. Nach ein paar Telefonaten und der Rücksprache mit Regierungsrat Karli, (welcher sich geweigert haben soll, ein Ciba-Werksfeuerwehr-Auto in seinem Revier auffahren zu lassen), kleideten die Lufthyyler die drei Figuren ein. Danach haben sie sich zum Mittagessen im Trois Waggis niedergesetzt. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Gäste dazu und das Hotel nützte die Gelegenheit, ihr Image für die Fasnächtler auf zu polieren. Heute treffen sich alle A-Promis der Stadt zu diesem Event. Sorgfältig eingeladen von Pitt und dem Hotel. Zu Beginn kletterte Pitt noch selber auf die Leiter und erzählt von dem Jahr, als er – wie immer – durch das Zimmer hinter dem Balkon, welches für diesen Zweck unbesetzt sein sollte, nach unten gehen wollte. In jenem Jahr musste er zuerst ein amerikanisches Paar wecken, welches danach noch jahrelang zu Lufthyyler-Pitts Freunden gehören sollte.

Inzwischen ist es Apéro-Zyt und die Gastgeber bitten alle geladenen Gäste in das Hotel-Foyer zum Apéro. Dort hält der sichtlich stolze Direktor Reto Kocher seine Begrüssungsrede und Pitt bedankt sich artig bei den Sponsoren des Anlasses (Coop, Siibedupfkellerei und Herrlichs Fischläädeli). Dann folgt der emotionale, allerletzte Auftritt des Spitzenbängglers „Heini vo Laufen“ (alias Schorsch). Er verabschiedet sich mit dem Vers:

So liebi Gescht, mit dämm Värs isch ändgültig Schluss

Nach so viil Joor, do muess i zuegäh d Luft isch duss,

allerhöggschtens no, nach 3 – 4 Zwaier Wyy

schaff y bim Drummeli no vilicht die glyych Regie…

 

Der Comité-Obmaa lächelt…

Dann geht’s in den wunderbaren Ballsaal des Hotel Trois Rois. Fasnächtlich geschmückt mit gewaltigen Mimosenbouquets und Fasnachtsladäärne-Sytte an den Fenstern und gedeckt für 100 Gäste. Es würde den Rahmen sprengen, wenn ich all die Botschafter, Politiker, Regierungsräte, Redaktoren, CEO’s, Christians und Lufthyyler-Freunde erwähnen würde. Alle, die hier sind, sind irgendwie bekannt. Und d Lufthyyler in ihren dungglen Goschdym und Zoggeli (mit der erwähnten silberigen Ausnahme…) fühlen sich wohl und sind zufrieden.

Zwischen zwei Gängen erzählt Marcel Dogor noch ein paar Witze und Pitt bedankt sich („hoffentlig vergiss i niemerts…“) zum wiederholten Male bei allen, die diesen gewaltigen Anlass unterstützen.

Zum Abschluss – bei Kaffee und Frinadises – baut Davidoff noch eine Tabakstation auf, und für einmal wird das Rauchverbot ausser Kraft gesetzt (wahrscheinlich deshalb ist RR Dürr dann bereits weg…). Und Pitt sitzt wieder da, wie schon vor sechs Stunden im Kornhyysli: Tief glücklich und mit einer Zigarre. Er wird zu den letzten gehören, die das Hotel Drei Waggis verlassen an diesem Abend. Er darf auf sich, auf diesen Anlass und auf seine Jungs stolz sein….