Drummeli 2016 (1. Teil): Cliquene sinn die bessere Rääme!

30. Januar 2016 | Von | Fotograf: Ivo Birrer | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Vor der Première des diesjährigen Drummeli sind die Comité-Leute nervöser als sonst. Ein neuer Regisseur, eine neue Ausrichtung der Rääme und ein neues Texterteam. Auch die eingeladenen Promis sind gespannt: Markus Lehmann, der mit seiner Tochter an der VIP-Theke steht sagt: „Ich freue mich auf Fasnachtstradition, ich bin gespannt auf den neuen Humor und ich sehne mich nach guter Fasnachtmusik“. Nicht alle diese Wünsche wurden erfüllt.

Regierungsrat Engelberger wünscht sich eine „geballte Ladung Vorfasnacht“ und ist gespannt auf die Bängg und der Boxtrainer Angelo Gallina wünscht sich ein Drummeli voller Action und „ein anderer Tintenschlag“ als den von Bettina Dieterle. Ich bin nicht sicher, ob diese Leute glücklich nach Hause gegangen sind…

Bref: Die Rääme im Drummeli 2016 fand ich ganz persönlich ziemlich deplaziert. Damit wir uns richtig verstehen: Die Leistung der Schauspieler war gut (es sind grösstenteils Profis, die zu diesen Texten und zu dieser Regie gezwungen wurden…). Der Regisseur allerdings ist im Drummeli  nicht angekommen und die Texter sollten sich für einen Texterauftrag am Alternativen Theater Berlin bewerben. Aber nicht an einer Vorfasnachtsveranstaltung. Schon gar nicht  am Drummeli.

Die Texte – und damit die Stücke selber – sind viel zu lang. Die Auftritte bekamen zum Teil nicht einmal Applaus.  Der Regisseur schafft es, die Figuren immer und immer wieder auflaufen zu lassen, manchmal nur in irrem Geschrei, wortlos,  über die Bühne hüpfend. Er schafft es, dass im Publikum Unmut aufkommt (oder die Handys angehen…), wenn man die Rahmenspieler aufmarschieren sieht. Da hilft nicht einmal Susanne Hueber, die in einem der Stücke mit einem doch recht offenen Décolleté spielt… Kommt noch eine etwas eigenartige Einkleidung und ein abwesendes Bühnenbild dazu,  was beides dem ganzen den Charakter einer ultraalternativen Theatergruppe gibt. Das Publikum in der Pause war sich einig: Durchgefallen! Schade. Denn die Drummelimacher wollten mutig sein. Verständliche Veränderungen machen. Einen Schritt weg vom Schenkelklopfer und von den billigen Pointen versuchen.  Aber: Dieser Schritt ist deutlich zu gross ausgefallen.

Umso schöner dann die Vorträge der Cliquen: D Verschnuuffer starten mit einem sauber vorgetragenen Dudelsagg und spielen mit Goschdym und Beamer auf den Namensvetter Doodle an. Dann der erste Höhepunkt des Drummelis 2016: D Drummelschuel vo de Naarebaschi. Grandios. Mit Witz, Choreographie und perfektem Musizieren (Naarebaschi – what else?). Danke, für diese tollen Momente.  D Rootsheere entführen uns nach Peru und präsentieren ein Panflöten-Orchester (war das live?) mit herrlichen Piccolostimmen. Die Agfrässene bringen einen herrlich gepfiffenen Papillon auf die Bühne. Der Film dazu animiert zum Griff in die Videothek und die Goschdym der Agfrässene waren klar und unmissverständlich. Bravo!

D Opti-Mischte erscheinen in grossartigen Fratzenlarven und spielen „Rakes and Idiots“. Die Geschichte dieses Stückes ist kompliziert und wird im total unübersichtlichen und unruhigen Programmheft des Drummelis erklärt. D Märtplatzclique sagt „Merci“ zu der Stadt Basel mit einem wunderschönen „sixty Nine“. Leider – und das sollte man den Cliquen immer wieder sagen – können die ersten 8 Reihen überhaupt nichts von dem Text hinter der Clique lesen. Tant pis. Dafür hört man dann halt besser zu und das hat sich bei den Märtplatz gelohnt. Danach d Muggedätscher, die fast ein Musical aufführten. Sie zeigen uns die Fasnacht anno 2066 mit einem deutlich gealteten aber noch immer hervorragend dichtenden Heinz Margot und einer grandiosen Schlusspointe. Dasch Muusig!

Nochmals viel Witz und Kreativität kommt mit den Giftschnaigge daher: „Flying Circus“ – einem Arrangement von Michi Robertson und Marco Balmelli gezeigt in einem farbenfrohen und lustigen Auftritt. Die Goschdym waren perfekt. Bis auf den vordersten Pfyffer: Dem sind die weissen Sterne abhanden gekommen – oder ich habe etwas nicht verstanden…! Dann wirds guggig: D Krachschnygge kommen mit dem Chor auf die Bühne und intonieren Nabucco. Ein gewagtes Zusammenspiel, welches noch nicht optimal ausgelotet ist. In der zweiten Hälfte überdecken die Posaunen die Choristen. Aber alles in allem ein origineller und toller Vortrag.

Dann folgen noch d Pfluderi mit dem Ohremyggeli. Sie werden vom Dambuurmajor aus dem Schnabel geholt und liefern eine soliden und schönen Marsch ab. Der absolute Höhepunkt im ersten Teil (und nach all dieser Räämequal der perfekte Zeitpunkt): Der Flashmob vom Dupf Club. Dazu nur so viel: Der Vortrag beginnt verhalten, schräg und mit klassischer Musik und endet damit, dass der grösste Teil des Publikums  zu „What a feeling“ Gymnastik macht! Der interaktive Hammer! Das hat richtig Spass gemacht und das Publikum in gute Stimmung versetzt. Danke, Dupf Club.

Irgendwo dazwischen noch der Auftritt vom Bangg „Dreydaagsfliege„. Es wird höflich applaudiert und man hofft, dass man ihm aufgrund der Publikumsreaktion noch den einen oder andern Vers, der nicht wirklich ein Brüller ist, streicht. Die letzten drei Verse sind toll und lustig.

Ich verlasse das Drummeli – wegen meines Schreibauftrages – nach der Pause. Vorher treffe ich noch Markus Lehmann: „Wotsch e Zwüschebricht?“ Ja, den will ich. Ich habe ihn mir angehört und verzichte auf die Wiedergabe…! André Schaad und sein Team werden jetzt stimmungsmässig eine eher durchzogene Woche vor sich haben. Aber ich kann mich erinnern: In zwei Wochen schlägts Fasnacht und dann ist es durchgestanden. Kopf hoch.