Fasnacht für Fortgeschrittene (II): Die Pfeiferin

10. Februar 2014 | Von | Kategorie: e Hampfle Räppli

vom Yfäädler

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Ja, der Titel stimmt schon: die Pfeiferin. Vor 50 Jahren gab es sie noch kaum. Das Piccolo lag fest in Männerhand. Bötschli galt als Ausnahme, welche die Regel bestätigt. Vor allem, weil es nicht bloss Piccolo spielte, sondern gar das «Offizielle» gewann. «E Frau hett vyl z wenig Pfuus zem Pfyffe!» war die herrschende Männerdoktrin. Wirft man einen Blick in die Ranglisten des diesjährigen «Bryspfyffe», kommt man um die Feststellung allerdings nicht herum, dass der nötige Pfuus heute wohl vorhanden ist: Sowohl bei den Jungen wie auch bei den Alten befindet sich auf den ersten zwölf Plätzen jeweils ein (in Zahlen: 1) einziger Mann respektive Jüngling .

Natürlich können deshalb jetzt nicht alle Frauen gut pfeifen. Ein schlechter Ansatz wird auch nicht besser, wenn das Piccolo goldene Kläppli hat oder für jede Stimme ein speziell (eng, mittel oder weit) gebohrtes Instrument mitgeführt wird. Es gibt auch bei den Pfeiferinnen nicht wenige, die mitten im Marsch ausgiebig ihr Piccolo putzen, weil sie ihn nicht auswendig können.
Etwas aber gilt für alle gleichermassen: Sie haben schöne Kostüme und sehen darin, ob jünger oder älter, bezaubernd aus. Das ist wichtig, sonst machen sie nicht Fasnacht. In gemischten Cliquen sollen schon Sujet-Obmänner abgewählt worden sein, weil das Zugskostüm die falsche Farbe hatte und frau darin alt auszusehen glaubte, oder weil das Grau-Braun der Perücke nicht zum Lippenstift passte.
Diese Gefahr besteht beim männlichen Pendant etwas weniger. Zwar sieht man auch Pfeifer im wunderschönen «Grälleligranz» gässeln (möglichst allein, damit sie sich selber optisch und akustisch bewundern können), aber ansonsten sind sie Fasnächtler wie andere auch. Dass der Pfeifer bei jedem Halt seine Larve in die bereits übervolle Beiz mitnimmt und auf der Garderobe deponiert, ist zwar schwer nachvollziehbar (Larven, denen der untere Teil fehlt, werden von den Touristen nicht mitgenommen!), aber man sieht es ihm gerne nach. Denn es gilt dasselbe wie beim Vortrab: ohne Pfeifer/-innen geht es nicht, sogar wenn sie, wie dieses Jahr Altgardist Carlo C., aus dem letzten Loch pfeifen.

Die Schweiz am Sonntag hat eine Serie von Artikeln über die einzelen Rollen an der Fasnacht gestartet. Wir erhielten freundlicherweise die Erlaubnis, die Beiträge hier abzudrucken und veröffentlichen hier die zweite Folge. Gerne verweisen wir auf www.schweizamsonntag.ch