Ungereimtes in der Schnitzelbank-Szene

28. März 2012 | Von

Ein reger Mailverkehr und Telefongespräche mit mehr oder weniger frustrierten Schnitzelbänklern zeigen es auf: In der „Szene“ herrscht momentan eine gewisse Disharmonie. Auslöser sollen Bestrebungen seitens des Schnitzelbank-Comité sein, Auftritte von „wilden“ Formationen in denjenigen „Baizen“ zu verhindern, in denen die elektronischen Medien Aufnahmen machen. Vertreter der “Wilden” beklagen “Zensur”. Verstimmungen scheinen aber auch zwischen den organisierten „Bängg“ zu herrschen.

Angefangen hat alles nach der Fasnacht mit einer eigentlich recht freundlichen Mail von Martin Schwitter an den Obmann des Schnitzelbank Comité, Walo Niedermann. Schwitter, der seit 28 Jahren als „Wilder“, also nicht in einer Gesellschaft organisierter Schnitzelbank, auftritt, fragte bei Niedermann an, ob es denn stimme, dass die „Wilden“ auf seine Intervention hin nicht mehr in denjenigen Lokalen auftreten dürften, in denen Radio- und TV-Stationen aufzeichneten oder live sendeten. Wie Schwitter gegenüber Basler Fasnacht Online bestätigte, sei seiner Formation mehrfach der Zutritt mit dem Hinweis untersagt worden, „s Comité het’s esoo wölle“. Schwitter, der nach eigenen Angaben auch im Namen von rund 40 nicht-organisierten „Bängg“ spricht, bat um Kontaktaufnahme, um die Sache bereden und möglichst gütlich beilegen zu können. Man suche nicht den Konflikt, heisst es in dem Mail, sondern wolle „ein gutes Miteinander und Nebeneinander zur Qualitätssteigerung des Schnitzelbankwesens“.

Die Reaktion des Angeschriebenen war kurz und bündig. Mit Kopie an diverse Personen aus der Fasnachtswelt hält Niedermann per Mail fest, dass „die Anschuldigungen an meine Person jeglicher Grundlage entbehren und die geäusserten Drohungen kommentarlos zur Kenntnis genommen werden.“ Trotz dieser Abfuhr versuchte es Schwitter nochmals, per Mail zu erklären, dass man nicht drohe und beschuldige, sondern klären und vermitteln wolle. Er erhielt keine Antwort mehr.

Tatsächlich besteht bei den sogenannten „Medien-Baizen“ dass Problem, dass oft zu viele Schnitzelbänke auftreten wollen und so regelrechte Warteschlangen entstehen. Darauf reagiert wurde schon vor Jahren mit einem „Anmelde-System“. Die Formationen konnten sich auf einer Warteliste eintragen, erfuhren die ungefähre Auftrittszeit und eilten in der Zwischenzeit zu anderen Auftrittsorten. Ebenfalls schon früher wurde mit den Wirten der potentiellen „Staupunkte“ vereinbart, dass die „Wilden“ zwar auftreten, aber den organisierten Schnitzelbänklern den Vortritt lassen müssten. Begründet wurde dies damit, dass die „Organisierten“ pro Abend eine gewisse Anzahl von Auftritten in den Vertragslokalen absolvieren müssten, während die „Wilden“ ihren Zeitplan frei einteilen könnten.

Diese Regelung werde von den „Wilden“ auch grossmehrheitlich akzeptiert, erklärt Matin Schwitter: “Es ist Ehrensache, dass wir, die ja Zeit haben, zurückstehen, wenn ein Bank kommt, der zeitlich im Stress ist.“ Eine neue „Qualität“ sei aber, dass man selbst dann keinen Zutritt zu gewissen Auftrittsorten erhalte, wenn gar keine andere Formation anstehe. Schwitters Schnitzelbank habe dies an der Fasnacht 2012 an zwei Orten am eigenen Leib erfahren: „Im Kaffi Spitz wollte die DRS-Aufnahmeleitung unseren Auftritt, ein Vertreter des Pächterpaares legte aber sein Veto ein. Man sagte uns, es gehe nicht um uns, aber ‚das Comité’ wolle dies so. Mit derselben Begründung wurden wir in der Brasserie Baselstab weggewiesen, als wir gerade auf die Bühne wollten.“

Eine generelle Anordnung der Schnitzelbank-Gesellschaften, Auftritte von „Wilden“ zu verbieten, scheint es nicht zu geben. So erklärt BSG-Präsidentin Bettina Carpanetti, man habe zwar in einer gemeinsamen Sitzung mit Telebasel-Produzent Dominik Prétôt vereinbart, dass im „Baselstab“ die “Organisierten” Vortritt hätten, aber es sei ausschliesslich um dieses Lokal gegangen und: „es ist doch völlig klar, dass auch hier ‚Wilde’ auftreten können, wenn überhaupt kein Stau ist. Schliesslich muss Telebasel doch einen runden Ablauf garantieren können.“ Carpanetti verweist auf die jüngste „Lämpesitzig“ bei der BSG, an der die „Wilden“ überhaupt kein Thema waren, hingegen organisierte Formationen, die nach vorne drängeln und die Reihenfolge nicht einhalten wollen. „Ich habe nicht die geringsten Probleme mit den ‚Wilden’”, betont die BSG-Präsidentin.

Trotzdem scheint aber eine Mitteilung von Walo Niedermann auch an andere Lokale, vor allem diejenigen mit Medien-Aufnahmen, zu existieren, in dem die Verantwortlichen angehalten werden, Auftritte von „Wilden“ zu untersagen. Und auch die „Organisierten“ selbst sind, wenn sie nicht dem Schnitzelbank-Comité angehören, vor Restriktionen nicht gefeit. Seitens des Stadt-Casino wurde der VSG beschieden, künftig nicht mehr auftreten zu dürfen. Ein Gerücht, dass dies ebenfalls auf eine Intervention des Schnitzelbank-Comité zurückgeht, wollte laut VSG-Obmann Heinz Studer niemand bestätigen: “Wir waren aber schon erstaunt, dass wir als einzige über die Klinge springen sollten.” Der Ausschluss wurde von den Verantwortlichen des Stadt-Casino später etwas gemildert, indem der VSG vier Auftritte zugestanden wurden. Dies nicht zuletzt, nachdem die älteste Schnitzelbank-Gesellschaft daran erinnert hatte, dass man auch den traditionellen „Schlussoobe“ jeweils dort abhalte. Laut Studer wird die Generalversammlung am 11. Mai darüber befinden, ob man für die nächsten Jahre einen neuen Ort für den Gala-Abend auswähle.

Basler Fasnacht Online hätte selbstverständlich auch gerne die Stellungnahme von Walo Niedermann veröffentlicht. Auf eine entsprechende Anfrage antwortete der Obmann des Schnitzelbank-Comité  zu den Fragen aber lediglich per Mail: „…kann ich dazu ergänzend und abschliessend folgendes festhalten: Aus Sicht des Schnitzelbank-Comité gibt es keinen ‚neu aufgeflammten Konflikt mit den wilden Bängglern’. Dass es früher solche Konflikte gab, ist uns und mir nicht bekannt; weder in meiner langen Zeit als aktiver Bänggler, noch als langjähriges Mitglied des Schnitzelbank-Comité. Das ist alles und darum sehen wir auch keinen zwingenden Grund etwas medial ‚aufzubereiten’, das für uns kein Thema ist.

Nachträgliche Stellungnahme

Nach Erscheinen dieses Beitrag erreichte uns die Stellungnahme von Heinz Zingg, Obmann Konsultativ-Kommission Comité-Schnitzelbängg:

Als Vertreter der aktiven Comitéschnitzelbängg möchte ich hier einmal klar stellen, dass es zwischen den organisierten Bängg keinerlei Unstimmigkeiten gibt. Es ist richtig, dass mit Telebasel besprochen wurde, die Auftrittszeit pro Bangg auf 5 Minuten zu beschränken, und, so lange organisierte Bängg anstehen, keine Wilden eingelassen werden sollen. Diese Besprechung fand im Beisein von allen 6 Schnitzelbankgesellschaften (VSG, BSG, Comité 2000, Bängg fir Basel, Comité und Bebbi Bängg (letztere vertreten durch die BSG) statt, und wurde auch von allen 6 unterstützt! Es handelt sich hierbei nicht um eine Zensur seitens irgend einer Gesellschaft. Es geht einzig und allein darum, möglichst vielen organisierten Bängg die Vertragserfüllung mit dem Restaurant zu ermöglichen, weshalb sich auch die organisierten Bängg an die Auftrittszeitbeschränkung halten mussten, was auch in allen 6 Gesellschaften so kommuniziert wurde. Dass auch dann keine Wilden eingelassen wurden, wenn draussen keine Organisierten anstanden, ist eine mutwillige Behauptung. Denn nach Durchsicht der Aufzeichnungen von Tele Basel habe ich festgestellt, dass an beiden Abenden “Wilde” auftraten und gesendet wurden. Die Stimmungsmache wird also nur von einer Seite versucht.