Wenn Könige zu Waggis werden ist die Fasnacht nicht mehr weit

23. Februar 2012 | Von | Bilder: Dennis L. Rhein | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Kurz vor 10 Uhr herrschen am Blumenrain bei leichter Biese «angenehme» vier Grad. Schon viele Zuschauer stehen auf dem Trottoir vis-à-vis vom Hotel. Immer mehr Kinder aus den umliegenden Tagesheimen kommen mit Begleitung und sichern sich einen der weissen Ballone, welche, versehen mit Namen und Adresse an einem Wettbewerb, gestiftet vom Grand Hotel teilnehmen. Langsam macht sich die Guggemuusig Krach-Schnygge 1964 auf dem Balkon parat. Sie ist seit vielen Jahren bei dem Anlass dabei. Kurz nach 10 Uhr intonieren sie «Will you come and follow me». Und gleich darauf biegen die Lufthyler-Waggis mit der Melodie«ist a long way» im alten offenen Polizeiauto in den Blumenrain ein. Ihnen folgt das Feuerwehrauto mit der grossen Drehleiter. Ein mutiger Lufthyler-Waggis lässt sich damit in die Höhe hieven und beginnt mit der Verkleidung des ersten Königs.

Die Feuerwehr hilft bei der fasnächtlichen Einkleidung der drei Könige

Die Waggis Verkleidung zieht eine grosse Gästeschar an

Lufthyler Waggis bewirtet die junge Gästeschar

Einer der Lufthyler Waggis überwacht alles vom Balkon des Troi Roi aus

Feuerwehr Kommandant Roland Bopp immer erreichbar

Musikalische Begleitung durch die Guggemusik Krach-Schnygge

Lufthyler Waggis Pitt Buchmüller, der Spiritus Rector der Veranstaltung

Der Hausherr, Reto Kocher General Manager des Hotel Trois Rois

Der Schnitzelbangg vom Bläsi Schüll vom Bläsiring darf nicht fehlen!

Die drei Könige sind als Waggisse eingekleidet und bereit für die Fasnacht


Währen der Verkleidungszeremonie balancieren die andern Lufthyler-Waggis Tabletts mit Wyssem und Orangensaft über die Strasse und bieten sie den Besuchern an. Dabei haben die Männer vom Verkehrsdienst alle Hände voll zu tun, denn der Verkehr vor dem Hotel rollt mit Bussen, Trams, Lastwagen und Personenwagen fast ohne Unterbruch. Als kurz nach 11.30 Uhr der letzte König eingekleidet ist versucht die Sonne sich durch den Hochnebel durchzukämpfen und zu schauen was da unten los ist.
Die geladenen Gäste, volgo VIPs begeben sich dann ins Innere des Grand Hotels, wo sie beim Apero durch den Jules vom Bläsiring (früher bekannt als Schorsch vom Haafebeggi II) unter anderem erfuhren, weshalb Xherdan Shakiri zu Bayern München wechselt: Er möchte mal kennenlernen wie es ist zu verlieren.
Doch zurück zur Verkleidung. Anfangs 1975 traf Pitt Buchmüller – Obmann der Lufthyler-Waggis – «–sten» (Kürzel für Hanns U. Christen, legendärer Basler Journalist und Schriftsteller.). Rasch waren sie sich einig, dass sie neben den üblichen Vorfasnachts-Veranstaltungen etwas Spezielles machen wollten. Ganz in der Nähe ihres Treffens lag ja das – wie es damals noch hiess – Hotel Drei Könige. Damals herrschte bei der Bevölkerung eine allgemeine «Schwellenangst» gegenüber der Nobelherberge, vor jenen «heiligen Hallen», in welchen das Jahr hindurch viele weltbekannte Persönlichkeiten abstiegen. Daher traute sich kaum jemand hinein. So entstand die Idee, die Drei Könige über dem Portal in Drei Waggis zu verkleiden. In jenen Tagen entwich bei der Firma Sandoz blaue Farbe, welche viele Autos «umfärbte». Die Lufthyler-Waggis machten dies zu ihrem Sujet. Der damalige Chef des Polizei- und Militär-Departements Regierungsrat Karl Schnyder wollte nicht, dass die Sandoz-Feuerwehr die Leiter zur Verfügung stellt. Deshalb konnten die Lufthyler-Waggis mit den neuesten Löschzug der Basler Feuerwehr die Verkleidung vornehmen. Aus dem damaligen Anlass entwickelte sich inzwischen eine 37-jährige Tradition.