S’Ridicule 2012 – 13 ist keine Unglückszahl !

4. Januar 2012 | Von | Bilder: Ivo Birrer | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Für einmal ist die 13 alles andere als eine Unglückszahl: Wer nach der 13. Ausgabe des Ridicule das Förnbacher-Theater im Badischen Bahnhof verlässt, tut dies glücklich und beschwingt. Dabei hat es durchaus auch besinnliche und sogar äusserst bissige Töne, wie es sich für diese Vorfasnachtsveranstaltung gehört und genauso Tradition ist, wie die hervorragenden Pfeifer(innen) und Tambouren. Star des Abends ist der gerade 90 Jahre alt gewordene Carl Miville mit seiner legendären „Sujetlischte“.

Es muss hart sein für die Starpfeifer-Truppe unter Leitung von Michèle Zeggari; gleich am Anfang müsssen sie in einer recht ulkigen Nummer namens „Dr Inschtruggter“ so herzhaft falsch spielen. Dies dauert zum Glück nicht allzu lang – und dann dürfen sie mit all ihrem Können loslegen. Der Akzent liegt auf klassischen Tönen, sei es als Ensemble mit „Alla Turca“, sei es in einem Solo mit „Le Merle blanc“. Beides Höhepunkte des diesjährigen musikalischen Programms.

Dass die 13. Ausgabe des Ridicules durchaus unter keinem schlechten Stern steht, hat Helmut Föˆrnbacher mit seinem Ensemble, den Pfeifern und Tambouren sowie dem soliden Schnitzelbank „Bildsteerig“ eindrüˆcklich unter Beweis gestellt. Spitzzüˆngiger als auch schon!

Die Pfeiferinnen und Pfeifer der UFS mit dem „Rhysprung“.

Krieche-Land: Dank Skype kann sich auch die Göˆtterbotin (Sandra Förnbacher) einen küˆhlen Drink genehmigen und sich an der Schulter von Percy Tomëˆi ausruhen.

Als einziger Schnitzelbank am diesjährigen Ridicule legt „d‘ Bildsteerig“ (Bängg fir Basel) einen soliden Auftritt aufs Parkett.

Als einziger Schnitzelbank am diesjährigen Ridicule legt „d‘ Bildsteerig“ (Bängg fir Basel) einen soliden Auftritt aufs Parkett.

Le Merle Blanc: Pfeifer-Solo mit Michè€le Zeggari

Ewigi Liebi: Eine üˆberraschende Fortsetzung mit einer ebenso üˆberraschenden Wendung nimmt die vor der Pause gespielte Hyylgschicht „D Pfyffer warte“. (Hanspeter Stoll)

Fasnacht von A-Z: Das Fasnachtslexikon. (Percy von Tomëˆi)

Cubasilea: Trommelsolo von und mit den Tambouren von „pianoforte“.

D Sujetlischte: Jahr für Jahr verfasst Alt-Ständerat Carl Miville, eine Liste voller potentieller Sujets, welche er mit wunderbaren Versen ergäˆnzt. Trotz seiner stattlichen 90 Jahre läˆsst er sich den Auftritt nicht nehmen. (v.l.n.r.: Carl Miville und Helmut Föˆrnbacher)

Sixty-Nine: Hippi-Flair auf der Ridicule Büˆhne. (Pfeifer der UFS und pianoforte)

Epilog (Eugen Urfer)

Die von Nicola Dreiher geleiteten Tambouren stehen dem in nichts nach. Zu den traditionellen Nummern wie „dr grien Hund“ gibt es eine an frühere Charivari-Experimente erinnernde Performance, in der auf Boxen, Kästchen und Kartons eingetrommelt wird.

Die Wortbeiträge waren (noch) bissiger als sonst. Vor allem der unverwüstliche Carl Miville teilt sehr kräftig aus und das nicht nur gegen Politiker:

„Ornitologisch isch es esoo
uf e Fink kasch Di nit verloo.“

Sein sensationellstes Wortspiel hat der alt-Ständerat, wenn er dem neuen Novartis-Boss empfiehlt, dem Personal „Güete Bonjour“ und nicht etwa „Aadie“ zu sagen. Und auch „sauglatte“ Politiker bekommen ihr Fett ab:

„Dr Malama im Färnseh in Perügge-Bracht
daas hett en weenigschtens e bizzli greesser gmacht.“

Und das Ridicule 2012 kann auch das Stammpublikum immer wieder überraschen. Kurz vor der Pause warten in einem rabenschwarzen Rahmenstiggli (Text: Armin Faes und Christoph Knöll) einige Pfeifer auf ihren Kollegen in der Vermutung, er sei wohl wieder im Puff. Es stellt sich aber heraus, dass er jeden Fasnachtsmittwoch einige Stunden im Münster-Kreuzgang auf eine frühere Fasnachtsliebe wartet, die leider nie kommt – und dass er dies nun zum letzten Mal getan habe und sein Piccolo künftig im Himmel stimme. Nach der Pause wird dieselbe Nummer wieder aufgenommen, dieses Mal aber heiter bis brachial-komisch – für den Schreibenden das absolute Highlight des Ridicule 2012.

Apropos brachial-komisch: In nicht weniger als drei Balkon-Szenen überbieten sich die „Damen“ Helmut Förnbacher und Hanspeter Stoll in Zoten und vor allem Improvisationen, da der Text noch nicht sass – oder nie sitzen wird. Völlig egal: Lustig ist es allemal, auch wenn Blocher und sein „Sommelier“ etwas gar oft thematisiert werden.

Es wäre noch viel zu nennen, was amüsant, toll oder gar hochstehend war – und nur weniges, was nicht ganz so glückte. Eine Griechenland-Nummer geriet etwas gar lang und die „Bildsteerig“ wird nach der Premiere sicher noch den einen oder anderen Vers mit allzu vorhersebarer Pointe auswechseln. Ihre Erklärung, warum BLT-Trams teurer sind als diejenigen der BVB, war aber grandios: Auf der Landschaft müssen sie auch auf den Trottoirs fahren können.

Fazit: Das Ridicule 2012 ist all denjenigen zu empfehlen, die gerne den – gelungenen – Spagat zwischen leisen Zwischentönen und krachendem Humor haben, ohne deswegen zwei verschiedene Veranstaltungen besuchen zu müssen. Im Badischen Bahnhof bekommen sie beides – und einen wunderbaren, genussreichen Abend dazu. Es soll noch Tickets haben im 200-plätzigen Theater…

Zum „gluschtig“ machen haben wir ein „Mimpfeli“ aufgeschaltet mit Ausschnitten aus der „Sujetlischte“ und der Balkonszene“. Klicke einfach hier.

Mehr Bilder von der Premiere findest Du in der Ridicule 2012 Galerie.

Die Spieldaten sind: 4./ 6./ 7./ 13. /14./ 15./ 19./ 21./ 27./ 28./ 29. Januar und 2./ 3./ 4./ 10./ 11./ 12./ 17./ 18. Februar jeweils abends um 20.00 Uhr und am Sonntag um 18.00 Uhr. Zum zweiten Mal findet die Dernière am 23. Februar im Trois Rois mit einem 4-Gang Menü statt.
Vorverkauf bei der Helmut Förnbacher Theater Company, Telefon 061 361 90 33 und bei allen Basler Vorverkaufsstellen von Ticketcorner.

Weitere Infos findet man unter www.foernbacher.ch