Charivari 2011: Gut aufgeräumt

12. Februar 2011 | Von | Bilder: Ivo Birrer | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Viel Wortwitz, etwas Klamauk und sensationelle Fasnachtsmusik; all das ist das Charivari 2011. Als Rahmenhandlung wird ein Estrich aufgeräumt. Ebenso aufgeräumt und spielfreudig präsentieren sich die Mitwirkenden – und sicherlich genauso aufgeräumt verlässt das Publikum den Saal nach äusserst unterhaltsamem Programm.

Das neue Charivari unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von dem früherer Jahre, was zum einen daran liegt, dass man von der durchgehenden Geschichte zum „Nummerntheater“ gewechselt hat, und zum anderen, weil sich Regisseur Danny Wehrmüller einiges einfallen liess. So bereits im Prolog, in dem nicht nur herrlicher Wortwitz brilliert, sondern – sozusagen als Appetitthäppchen – alle später auftretenden Musikformationen kurz antönen, was sie können.

Und sie können sehr viel! So etwa die speziell für das Charivari geschaffene Pfeifergruppe, welche im „Schnitzelbänggler“ verschiedene Melodien von Bängglern in schlicht sensationeller Weise miteinander verwebt. Ein Traum-Arrangement von Michi Robertson! Oder Top Secret mit dem „Ybrächer“, in dem der Estrich gerockt wird. Beides übriges BWUUF: Basler Wält-Uur-Uffiehrige. Und auch ein „Aeschlemer“ – der sogenannte Kindergartenmarsch – wird ein Meisterwerk, wenn er von den Naarebaschi intoniert wird. Zwischen Irish Pub und Südkorea bewegt sich nach der Pause die Schotte Clique und bringt das Publikum sofort wieder in aufgeräumte Stimmung. Und zum Schluss das Unerhörte: Top Secret mit Pfeifern!!

Das Charivari ist zurück!

Die Pfeifer der Naarebaschi im klassischen Charivar-Kostüm.

D Seibi-Stroosebängg…

…lassen niemanden im Regen stehen.

Die Trommelgruppe Top Secret ist für einmal als trommelnde Einbrecher unterwegs.

«Dr Schwoobekäfer» brilliert im Charivari 2011 mit wunderbaren Versen.

Manchmal der Verzweiflung nahe: Helvetia (Colette Studer)

Viele Charakteren und doch keine gespaltene Persönlichkeit: David Bröckelmann

Bei den Rahmenstücken überwiegen die fein gedrechselten Verse und Wortspiele über den Klamauk, etwa wenn im Prolog gereimt wird: „Wenn z Basel ebbis lauft, wird s sofort vo Ziiri kauft.“ Sehr speziell ist die Nummer „Hii und häär“, in der parallel auf der Bühne ein Frauenkränzli und ein Herren-Stammtisch zwar getrennt agieren, aber trotzdem immer – scheinbar zufällig – das Stichwort der anderen Runde aufnehmen. Auch dies ein genialer Einfall und etwas für die Liebhaber der feinen Klinge.

Aber auch der Klamauk kommt nicht zu kurz, wenn David Bröckelmann im „Salon Bâle“ diverse Charaktere perfektestens imitiert. Überhaupt: dem Ensemble merkt man an, dass sie mit viel Freude bei der Sache sind, sei es Salomė Jantz als kongeniale Schwester von Bröckelmann (eigentlich sind sie ja ein Ehepaar) im Prolog, Colette Studer als Dauer-Erotomanin und Helvetia, Niggi Reiniger als geknechteter Ehemann, Urs Bosshardt als nicht ganz nüchterner Spätheimkehrer oder Steffi Schluchter als schrille Emanze.

Bei den Schnitzelbängglern gibt es zum einen den „Schwoobekäfer“, der speziellerweise mit einem Monstervers anfängt und sich dabei durch den Saal arbeitet. Zum andern kommt jeden Tag ein Überraschungs-Bangg zum Auftritt. An der Premiere gab es ein Wiedersehen mit dem Seibi-Stroossebangg, der schon am „Adväntli“ als vielköpfige Heilige Drei Könige zum Handkuss kam. Die Verse sind seither selbstverständlich überarbeitet respektive neu gedichtet worden – so erfährt man unter anderem, wer als nächster Papst am besten geeignet wäre: Unser aller Sepp Blatter.

Man merkt es diesen Zeilen an: Die Ausgabe 2011 des Charivari begeistert und man ist froh, dass diese Veranstaltung wieder in den Vorfasnachtskalender gehört. Wenn man etwas kritisieren wollte, dann vielleicht den „Roten Faden“ ohne Worte in Form einer Larvenmacherin auf einem seitlichen Balkon. Dieser Regie-Einfall präsentiert sich nicht gerade sehr kurzweilig, ist von einem guten Teil des Publikums gar nicht richtig zu sehen und erschliesst sich (ausser als Überbrückung) nicht recht. Ansonsten präsentiert sich das Charivari aber als gut zwei Stunden geballte Unterhaltung vom Feinsten. Laut Obmann Walti Studer hat es noch einige wenige Tickets. Sie dürften schnell weg sein, wenn sich die Qualität des Gebotenen herumspricht. Und Ach ja, nicht vergessen: Piccolo mitnehmen, zum Schluss pfeift man auf der Bühne und im Saal den „General-Arabi“.

Glaibasler Charivari. 12. – 26. Februar im Saal des Volkshaus Basel. Tickets zu CHF 65.- und CHF 70.- sowie diverse Hospitality-Angebote. Vorverkauf bei Manor, Greifengasse 22, Manor, St. Jakob-Park,  Manor, Rathausstrasse 59, 4410 Liestal und im Basel Tattoo Shop, Schneidergasse 27. Mehr unter http://www.charivari.ch/.

Weitere Bilder gibt es in unserer Bildergalerie.

 

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Video: Alain Zopfi