Pfyfferli 2011: Same procedure as every year. Grossartig.

15. Januar 2011 | Von | Bilder: Dennis L. Rhein | Kategorie: Nachrichten, Top-Thema

Kritiken über das Pfyfferli zu schreiben, ist in etwa gleich spannend, wie vor einer frisch gestrichenen Wand zu sitzen und der Farbe beim Trocknen zuzuschauen. Einziger Gestaltungsspielraum, den man hat: Man kann das Programm jeweils entweder als „s Maximum“ oder dann als „sackstark“ bezeichnen. Dafür hat man aber auch das Vergnügen, einer Première beizuwohnen, bei der Mike Shiva (mit Sonnenbrille!) nur drei Plätze von Christoph Blocher entfernt sitzt. Das Pfyfferli ist die einzige Vorfasnachtsveranstaltung, bei der die Anzahl Promis diejenige der Pointen vermutlich sogar noch übertrifft.

Am Spalenbuggel sind Profis am Werk. Auf der Bühne sowieso, aber auch bei den Autoren kann man sich auf wohlklingende Namen verlassen: Charles Lewinsky, Michael Theurillat und Andreas Thiel sind Namen, die man auch ennet des Bötzbergs kennt. Dazu kommen mit Yvette Kolb, René Glaser, Karl Schweizer und Christian Hürner weitere Schreiberlinge, die ihr Handwerk bestens verstehen.

Auf der Bühne hat sich sich im Vergleich zum letzten Jahr das Ensemble verändert. So sind zum Beispiel Dani von Wattenwyl und Caroline Rasser nicht mehr mit von der Partie. Dafür stehen nun Bettina Dieterle, Viola von Scarpatetti und Benny Merz auf den Brettern, die die Fasnachtswelt bedeuten. Komplettiert wird das Team durch die bewährten Grössen Roland Herrmann, Peter Richner und Colette Greder.

Natürlich passte gestern bei der Première noch nicht alles hundertprozentig, doch es jammert sich auf extrem hohem Niveau. Man könnte bemängeln, dass das Pfyfferli viel Pulver in der ersten Hälfte verschiesst und eines der schwächeren Stiggli, einen Humortest, zu spät bringt. Und natürlich garantieren die eingangs erwähnten Herren Thiel und Lewinsky zwar Spitzenstiggli, diese haben mit Basel und der Fasnacht aber nur sehr wenig am Hut. Das Publikum hält sich jedoch keine Sekunde mit derlei Überlegungen auf, es spendet nach jeder Nummer grossen Applaus.

Erstes Highlight im Programm ist das Stück „Am Fänschter“. Peter Richner in seiner Paraderolle als vornehmer Basler, der noch einmal den Morgenstreich erleben möchte, bevor ihn der Tod abholt. Zusammen mit dem Sensenmann sitzt der alte Mann am Fenster, nörgelt über die verschandelte Basler Altstadt und betrachtet die Cliquen, die unten an ihm vorbeiziehen. Überraschende Schlusspointe inklusive.

Weiter sorgt in der ersten Hälfte des Premièrenabends „dr Spitzbueb“ mit seinen Versen für grosse Lacher:

„Der Sarrazin schrybt: Jetzt wird’s knapp!
Im Skandalbuech ‚Deutschland schafft sich ab‘.
Ich gsee das jetzt nid so extreem,
Weeniger Schwoobe, wo isch s Brobleem?“

Im zweiten Teil hat dann Colette Greder ihren grossen Auftritt. Der Spatz vom Spalenberg flirtet mit dem Publikum und lässt seinen ganzen Charme auf die Premièrengäste los. Zwar könnte sie vermutlich auch das sprichwörtliche Telefonbuch vorlesen, man würde ihr gespannt zuhören. Doch am diesjährigen Pfyfferli ist es der Chanson „Gäll, Du kennsch mi!“, der mit einem originellen Text auf Colette Greder zugeschnitten ist.

Dann tritt die berühmteste Basler Kuh auf die Bühne. Der Schnitzelbank „Peperoni“ echauffiert sich über das Rauchverbot, welches neben stinkenden Kleidern noch ganz andere Tücken hat:

„E Päärli, wo ins Fümoir goot,
Verlotts denn wider Zoobe spoot.
Benääblet hueschte die zwai haim und spööter denn im Bett,
merggt är, ass är us dämm Qualm die lätz Frau haimgnoo het.“

Zwischen Schnitzelbänken und Textnummern sorgen an diesem Abend die Gruppen „JONGS“ (Pfeifer) sowie „d Streifer“ (Trommler) für den fasnachtsmusikalischen Rahmen. Es ist den Protagonisten hoch anzurechnen, dass sie auf bekannte Fasnachtsmelodien setzen. In Zeiten von brennenden Trommelschlegeln und wahnwitzig verschnörkelten Pfeifermärschen ist es wohltuend, wieder einmal Basler Fasnachtsmärsche zu hören, die auch einem breiten Publikum bekannt sind. An der Première waren dies „Dr dritt Värs“, „dr Rhysprung“ und „dr Rossignol“.

Nach rund zwei Stunden Pfyfferli folgt mit dem Epilog bereits die letzte Nummer. Hier gibt das Ensemble noch einmal Fasnachts-Vollgas. Gänsehaut ist garantiert, wenn die Schauspieler als „Schyssdräggziigli“ vor der Hasenburg durch in das Fasnachtstreiben losgässeln. Unterbrochen nur vom Schlussapplaus, der minutenlang andauert und den sich das Duo Rolf Lansky (Dramaturgie) und Martin Schurr (Regie) sowie sämtliche Mitwirkende redlich verdient haben.

Bildimpressionen der Premiere.
Videobericht als Podcast

Fauteuil-Pfyfferli 2011 Im Theater Fauteuil. Von Freitag, 14. Januar bis Sonntag, 13. März 2011. Vorstellungen: Dienstag bis Freitag um 20 Uhr, Samstag 18 und 21 Uhr, Sonntag 17 und 20 Uhr. Vorverkauf täglich ab 15 Uhr an der Theaterkasse, Spalenberg 12, Telefon 061 261 26 10 oder www.fauteuil.ch.