Sans Gêne: Augenmerk gilt dem «Schlebb»

7. Februar 2007 | Von

Am diesjährigen Drummeli werden «100 Jahre» Sans-Gêne auf der Bühne stehen: Die Junge Garde der Clique wird 75, die Alte Garde feiert in jugendlicher Frische den 25. Geburtstag.

Die Nachwuchsförderung lag der 1922 gegründeten Sans-Gêne schon in den ersten Jahren am Herzen, woran man sich in der Clique bis heute mit Stolz erinnert: «Auch ich bin in der Sans-Gêne gross geworden», lacht Bea Grieder, Obfrau der Jungen Garde.

Bereits 1930, acht Jahre nachdem die Clique ins Leben gerufen wurde, absolvierte ein kleines, aber feines Buebezigli den Cortège. Im nächsten Jahr setzte der Zug als Junge Sans-Gêne seinen gelungenen Einstand fort. Offiziell gegründet wurden die Sans-Gêne Strizzi dann mit dem bis heute gültigen Namen anno 1932. Seither wird die «Förderung und Hochhaltung der Basler Fasnacht» Kindern und Jugendlichen zwischen 8 und 18 Jahren vermittelt. Wobei die noch jüngeren Binggis mit reduziertem Repertoire von fünf Märschen als Luuser Fasnachtsluft schnuppern dürfen.

Nachwuchs mit Sujet in Eigenregie

Lange Jahre mussten allerdings die weiblichen Strizzi, welche bei
Sans-Gêne in den Genuss einer fasnächtlichen Erziehung kamen, mit 20 Jahren wieder austreten, weil der Stamm keine Frauen aufnahm. Die unglückliche Situation wurde 1975 mit der Gründung der Sans-Gêne Wybli entschärft. Die volle Mitgliedschaft erhielten die Wybli erst 1992 – 17 Jahre später – und 1995 fusionierten sie schliesslich mit dem Stammverein, so dass heute auch die Pfeiferinnen und Tambeusen aus dem Nachwuchs im Stamm vertreten sind.

«Auf unsere Trommel- und Pfeiferschule sind wir stolz», betont Bea Grieder. Der Unterricht wird mehrheitlich von eigenen Instruktoren geleitet, wobei besonders auf Fingerübungen, «Schlebb» und Schlegelhaltung geachtet wird. Doch nicht nur das Erlernen eines Instruments steht bei der Jungen Garde im Zentrum: Auch ins «Fasnacht machen» wird der Nachwuchs sorgfältig eingeführt.

So findet jeden Herbst ein «Zweitägiger» statt, wo die Jungen ihr eigenes Sujet ausarbeiten. «Ich sammle ihre Themenvorschläge und stelle diese dann zur Auswahl», berichtet die Obfrau. Aus einer Fülle von Einfällen wird dann ein Thema ausgewählt. Mit Skizzen arbeiten die Jungen danach das Sujet aus, sammeln spontane Geistesblitze für ihren Zeedel und stellen so einen eigenen Zug auf die Beine. «Natürlich sehen die Kinder alles mit anderen Augen», meint Grieder mit einem Lächeln: Manchmal müsse sie ihnen halt mitteilen, dass ihre Vorschläge so leider nicht realisierbar seien. Auch die Larven werden von den Kindern selbst kaschiert.

Aufwand lohnt sich

Für Spiel und Spass ist bei denSans-Gêne übrigens das ganze Jahr lang gesorgt: Ein «Glygge-Grümpeli» und «Sommerplausch» halten auch in warmen Tagen die Erinnerung andie Fasnacht wach, und vor Weihnachten sorgt der traditionelle, interne «Niggi Näggi» für fröhliche Gesichter.

Seit letztem Herbst gilt allerdings der Drummeli-Auftritt am Donnerstag als höchste Priorität: «Das wird ganz bestimmt ein einmaliges Erlebnis», freut sich die Obfrau mit ihren Zöglingen. Mit 55 Strizziund Luuser – an der Fasnacht sind es gar knapp 60 – steht dann eine imposante Zahl von jungen Fasnachtsbegeisterten auf der Bühne. Ein Beweis, dass sich der Aufwand für die Nachwuchsförderung lohnt: «Wir bleiben auf jeden Fall dran und bemühen uns um unsere Jungen, denn mit dem vielfältigen Freizeitangebot wird einem heutzutage nichts mehr geschenkt», betont Grieder. Auf ein tolles Jubelgeschenk können sich hingegen sowohl Strizzi wie Luuser freuen: «Auf die Jungen wartet noch eine tolle Überraschung», meint Bea Grieder geheimnisvoll.

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Für einen Tag nach Venedig

Dass die Alte Garde der Sans- Gêne erst jugendliche 25 Lenze zählt, hat seinen Grund: 1955 nämlich wurde die erste Variante einer Alten Garde nach unschönen Auseinandersetzungen und gerichtlich gelösten Problemen kollektiv aus der Clique ausgeschlossen. Aus den Abtrünnigen entstanden damals die Muggedätscher. Kein Wunder dauerte es bis 1982, als im zweiten Anlauf eine Alte Garde aus der Taufe gehoben wurde. Mit fünfzig Mitgliedern ist diese nicht nur zahlenmässig rüstig und munter: «Jugendlig, nit infantyl, läbenserfahre, nit senyl», lauten denn auch die ersten Zeilen aus dem Motto, das Cliquenmitglied Werni Käller einst für die Altgardisten dichtete.

So erinnert sich Obmann Jean- Pierre Bühler gerne an den «heerligen» 10. Geburtstag, als die Alte Garde geschlossen mit der Crossair für einen Tag nach Venedig düste. Seither stellen die Senioren ihre Reisefreudigkeit mit Ausflügen in die Toscana, ins Piemont sowie nach München unter Beweis. Den Millenniumswechsel nahm man zum Anlass, die Tore auch für Frauen zu öffnen.


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