BMG: Vorreiter der Fasnacht

20. Januar 2007 | Von | Kategorie: Nachrichten

Fasnachtscliquen, die ein Jahrhundert unbeschadet überstanden haben, gibt es in Basel nur eine Handvoll. Und genauso altehrwürdig wie ihr Alter klingt auch der Name der gemeinhin als BMG bekannten Basler Mittwoch-Gesellschaft.

Ob die BMG ihren Titel von Jack Londons gleichnamiger Gesellschaft entliehen hat oder ob gar der psychoanalytische Zirkel um Sigmund Freud als Namensstifter fungierte, ist nicht überliefert. Sicher ist hingegen, dass die BMG an einem Mittwoch anno 1907 ins Leben gerufen wurde. Für ihre erste Fasnacht schloss sich die damals zahlenmässig schwach bestückte BMG zwar noch dem mittlerweile verschwundenen Pump Club an. Zwei Jahre später schrieb die BMG aber bereits mit der Gründung der ersten Jungen Garde zum ersten Mal Geschichte.

Die Trommel- und Pfeiferschule unter dem legendären elsässischen Instruktor Joseph Wintzer hat entscheidend zur Fasnachtstradition beigetragen – wurden hier doch erstmals die «Hieroglyphen» genannten Trommelnotationen entwickelt, die später von vielen anderen Cliquen übernommen wurden. Bis heute legt die BMG auch Wert auf ihre klassischen Vorreiter: Als eine der wenigen Cliquen ist die BMG bis heute an jeder Fasnacht mit Pferden im Vortrab unterwegs.

Interessanterweise erfand ausgerechnet die BMG mit einem speziellen Ritual in den 20er Jahren den Fasnachtszyschtig. Beim traditionellen «Zyschtigszigli» wird noch heute am Ende des Umgangs am Abend des Fasnachtsdienstags in einer besinnlichen Zeremonie die speziell angefertigte «Zyschtigsladärne» verbrannt, während die Trommler dazu den Trauermarsch spielen und all jener gedenken, die nicht mehr unter den Lebenden weilen.

Heisse Eisen anpacken

Dass die BMG sich nicht scheut, auch heisse Eisen anzupacken, zeigt sich in ihrer Sujetwahl: So wurde in den 30er-Jahren sogar einmal eine Laterne «verhaftet» und auf den Lohnhof verbannt, da sie gegen die Sittengesetze verstossen hatte. Die anstössigen Bilder mussten vom Cliquenkünstler mit brauner Farbe übermalt werden. Dies hatte, wie Obmann Dominique Mollet amüsiert erzählt, zur Folge, dass man die Bilder zwar am Tag nicht mehr sehen konnte – nachts strahlten sie allerdings umso deutlicher hervor.

Auch mal anecken

Mit Cliquenmalern wie dem legendären Charles Hindenlang, Max «Sulzbi» Sulzbachner und Ferdi Afflerbach sorgte die BMG immer wieder für künstlerisch exquisite Züge und Laternen. Auch in den letzten Jahren erregte die Clique mit ihren Sujets Aufsehen: Beim orientalischen Zug «Swislam» erschien die BMG 2005 etwa mit vier eigens gemieteten Kamelen im Vortrab.

Für ihre Freude an Experimenten ist die BMG bekannt: Vor zehn Jahren verbündete sich die Clique mit der Gugge Fuege- Fäger zum gemeinsamen Cortège. «Wir sind eine eigenwillige Clique, die gerne auch mal aneckt», sagt Mollet nicht ohne Stolz.

Für ein Aufhorchen sorgte die BMG auch 1999, als die Clique – als spezielle Ironie der Geschichte – ihre langlebige Junge Garde sistierte. Seither zählt sie laut Bestimmungen des Fasnachtscomités nicht mehr als Stammclique, sondern «nur» noch als Fasnachtsgesellschaft. Als reine Männerclique sei es nicht ganz einfach, Nachwuchs zu finden, erklärt Mollet: «Zwar ist es schade, dass wir keine Junge Garde mehr haben, doch andererseits hat dies bei uns viele neue Kräfte freigesetzt. Die Stimmung in der Clique ist hervorragend».

Der Stamm der traditionell tambourenlastigen Clique – die Pfeifer erhielten erst drei Jahre nach der Gründung überhaupt ein Stimmrecht – ist hingegen auf 80 Mitglieder angewachsen. «Uns wird es noch weitere hundert Jahre geben», zeigt sich Obmann Dominique Mollet deshalb vom einzigartigen BMG-Profil überzeugt.

**********************************************

Unverhüllte im Anzug

Seit 1922 besitzt die BMG die klassische Uniform der ehemaligen Basler Stadtwache, den sogenannten «Stänzler». Die stilechten Kostüme samt Säbel und Gewehr aus dem Jahre 1833 sind zum Markenzeichen der Clique geworden. Ihre «Stänzler»-Tradition verhalf der BMG bereits zu aussergewöhnlichen Auftritten, so etwa 1991 zur 700-Jahre-Jubiläumsfeier der Eidgenossenschaft in Stans. Ausserdem war die BMG bereits zweimal am Münchner Oktoberfest zu Gast – was nicht immer reibungslos verlief, wie Obmann Dominique Mollet augenzwinkernd resümiert: «Beim ersten Mal rügte uns der Taktmesser, wir seien einen halben Schritt zu langsam.» Auch im Jubeljahr stehen neben dem Gastauftritt beim «Drummeli» (am Freitag) einige spezielle Anlässe auf dem Programm: «Es wird einige Überraschungen geben – man wird sicher noch von uns hören», kündigt Dominique Mollet an. Ein Geheimnis wurde bereits im wahrsten Sinne des Wortes enthüllt: Zum Jubiläum gibt die BMG nämlich einen «aifach männligen» Jubelkalender in wahrer Playboy-Manier heraus, der nackte Tatsachen über die Clique liefert . . .

Homepage Basler Mittwoch-Gesellschaft